Taubenwettflug „Märchenland-Derby“ an der Casa Columba der Hofgeismarer Werkstätten

Hofgeismar (SD). Langsam treibt der Wind Wattewolken über das Himmelblau. Sonnenstrahlen schimmern und beleuchten die Wiese der Gärtnerei der Hofgeismarer Werkstätten der Baunataler Diakonie Kassel. Im Hintergrund das Kurhessische Taubenzentrum Casa Columba. Leer. Alle ausgeflogen.

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Die Taubenzüchter warten mit Blick in den Himmel auf ihre Brieftauben. © Foto: Damhorst

Für den Moment schiebt sich eine geschlossene Wolkendecke vor die Sonne. Eine erwartungsvolle Menschentraube blickt immer wieder aufmerksam in den Himmel. Alle warten auf die Rückkehr der Brieftauben. Um kurz nach 10 Uhr waren 222 Tauben in Saarbrücken freigelassen worden, um an dem großen, internationalen Wettflug teilzunehmen: dem 5.Märchenland-Derby. Nach zwei Runden über Saarbrücken rascher Abzug der Tauben Richtung Heimat. 14 Grad, leichter Nordwind, sonnig. Die Züchter und Taubeneigentümer warten gemeinsam in Hofgeismar auf die Tiere. Inzwischen ist es 15 Uhr. Man plaudert, fachsimpelt, tauscht Erfahrungen aus und überbrückt die Wartezeit mit Speis und Trank.
Zwischen Start und Ziel des Märchenland-Derbys liegen 300 Kilometer. Nicht jede Taube wird den schnellsten Weg nehmen, wieder in den heimatlichen Schlag zu kommen, manche gehen verloren. „Die besten Tauben können 100 Stundenkilometer schaffen", weiß Wettflugausrichter Gisbert Stollburges: „das Magnetfeld der Erde hilft den Tieren, sich zu orientieren". Ein Rätsel, warum sie zurückkommen, wo sie doch an jedem Ort finden, was sie zum Leben brauchen. Die Stimmung auf dem Gärtnerei-Gelände ist kribbelig, bisweilen ein wenig aufgedreht. Vor allem, wenn plötzlich eine Taube über das Gelände fliegt, steigt die Spannung – und lässt gleich wieder nach, sobald diese über den Taubenschlag hinweg flattert. Das war eine „Wilde", hört man allgemeines Raunen.
Die Hofgeismarer Werkstätten profitieren von der Veranstaltung. Zum einen mögen behinderte Menschen Tiere besonders gern, zum andern ermöglichen die vielen Besucher aus ganz Deutschland eine besondere Art der Öffentlichkeitsarbeit, weiß Werkstattleiter Burkhard Finke zu schätzen.
Über 500 Taubenküken wurden von unterschiedlichen Züchtern in die Casa Columba gebracht und dort versorgt, aufgepäppelt und trainiert. Zuerst fliegen die Tauben ihre Runden über Hofgeismar, dann lernen sie, den Weg zurück zum Taubenschlag zu finden. Sie werden zum Beispiel nach Niedermeiser gebracht und dort „aufgelassen", so sagt der Fachmann. Immer größere Strecken fliegen die Tauben, gemeinsam und regelmäßig mit der Reisevereinigung Hofgeismar.
Beschäftigte, Betreuer der Hofgeismarer Werkstätten, sowie ehrenamtliche Helfer kümmern sich umPflege und Gesundheit der Tiere, darunter sind 50 eigene Tauben.
Die erfolgreichsten Tauben gewinnen bei dem Märchenland Derby Preisgelder von insgesamt zwölf Tausend Euro, finanziert aus der Hälfte des Startgeldes, das die Züchter für jede Taube entrichten. Die andere Hälfte „fressen" die Tauben. Auch im wahrsten Wortsinn.
Nach fünfeinhalb Stunden Flugzeit trifft die erste Taube ein. Sie wird elektronisch am Tor des Taubenschlages identifiziert. Sie gehört Romanus Dissen aus Kleinenberg im Eggegebirge. Und der freut sich mit den Vereinskollegen der „Vereinten Freunde".
Das Programm auf dem Gärtnereigelände geht weiter mit der Versteigerung der besten Tauben. Nach und nach treffen immer wieder reisende Tauben ein. Am Abend gibt es im Gewächshaus eine große Party mit Musik. Der Sonntag beginnt mit Frühschoppen, die letzten Tauben treffen ein. Dann klingt das Derby mit dem Duft von frisch gebackenen Waffeln aus.

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