Hildburghausen (wotan) - Am 22. Juni um 14.00 Uhr hatte Landrat Thomas Müller zu einer Veranstaltung mit Bürgermeistern, Interessenvertretern, Betreibern und Fachbehörden eingeladen.
Zu der Diskussionsrunde im Landratsamt waren neben den Bürgermeistern viele interessierte Bürger der Gemeinden gekommen, in denen Stauseen und Wasserspeicher liegen und deren Fortbestand die Gemüter bewegt. Landrat Thomas Müller hob in seiner Begrüßung hervor, dass zu den Stauseen und Wasserspeichern in den letzten Wochen und Monaten eine emotionale Debatte geführt wurde, in die auch die Medien einbezogen waren. Für herrenlose Speicher und Fernwasserspeicher stelle sich die Frage, wie es weitergehen solle? Die Diskussion hierzu müsse mit Sach- und Fachverstand geführt werden. Als die Stauseen und Wasserspeicher errichtet worden sind, war die Landwirtschaft Eigentümer und Betreiber. Heute sei eine andere Rechtslage und ein anderer Verwendungszweck, die Kommunen wären hierbei auch gefordert. Es sei das Ziel, eine Lösung zu finden, mit der alle leben könnten.
Als Vertreter der Betreiber und Experten stellte der Landrat vor, Annerose Haase, Sachgebietsleiterin Untere Wasserbehörde; Ralf Rauch Geschäftsführer Thüringer Fernwasserversorgung (TFW); Dieter Linz Leiter Betrieb Mitte TFW; Karsten Pehlke Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz; Hans-Günter Breitbarth Referatsleiter Wasserwirtschaft Thüringer Landesverwaltungsamt; Rolf Münnich Stauanlagenaufsicht Thüringer Landesverwaltungsamt; Dr. Christoph Unger Untere Naturschutzbehörde.
Talsperren und Wasserspeicher in Verantwortung der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie Jena (TLUG) müssen turnusmäßig untersucht werden, weshalb das Wasser abzulassen ist. Dann könne der Sanierungsaufwand berechnet und danach mit den Kommunen über Weiternutzung oder Rückbau beraten werden.
Der vollständige Abriss einer Kleinstanlage sei immer die teuerste Lösung.
Der strittige Ablasstermin 30. Juni wäre nicht verschiebbar, da mit Sommergewittern extreme Niederschlagsmengen immer häufiger würden.
Dr. Unger nahm zu Umweltschutzfragen beim Ablassen der Wasserspeicher Stellung. Die Artenvielfalt von Vögeln an den betroffenen Stauseen Roth und Haina sei nicht hoch, es würden fast keine Brutvögel vorkommen und am Stausee Roth wurden die Muscheln gesammelt und umgesetzt.
Hans-Günter Breitbarth betonte, als Wasserwirtschaftler möchte er volle Talsperren und leere Rückhaltebecken. Wasserwirtschaft sei sinnvoll, wenn sie sowohl ökologisch als auch ökonomisch betrieben werde. Der Speicher Haina wäre nicht überflutsicher. Die TLUG werde über die herrenlosen Speicher mit allen Beteiligten sprechen, dann schließe sich ein Verwaltungsverfahren an und erst an letzter Stelle käme ein Planfeststellungsverfahren zum eventuellen Abriss. Bürgermeister Günther Köhler wollte wissen, wie viel eine Stauanlagenüberprüfung koste und in welchen Zeiträumen solche Kosten auf die Kommune zukämen.
Nach einer lebhaften dreistündigen Diskussion konnte Landrat Thomas Müller als Fazit ziehen, dass die Veranstaltung vernünftig und notwendig war und in einer sachlichen Atmosphäre verlaufen ist. Das Land sei nicht der „Böse“, der den Stöpsel ziehe und das Wasser ablasse.
Bei dieser Veranstaltung hätten die Fachleute für ihre Probleme und Sichtweisen werben können. Jeder müsse über seinen Tellerrand hinaussehen und auch Kompromissbereitschaft zeigen. Es werde jeder Einzelfall beraten, niemand wolle Kompetenz- oder Machtspiele betreiben. Die Veranstaltung hätte eher stattfinden müssen, da wäre nicht so viel Emotion im Vorfeld in die Diskussion gekommen. Die 3000 Unterschriften gegen das Ablassen der Stauseen wären Ausdruck der demokratischen Mitbestimmung und würden Minister Reinholz übergeben.
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