Vortrag zur archäologischen Kulturlandschaft Syriens

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Die Referentin erklärt, wie die Menschen mittels eines Schreibgeräts die Symbole des ältesten Alphabets eingedrückt haben.

© Foto: privat

Bevern (ozm) - Mehr als 70 Besucher konnten kürzlich im Ockersaal des Schlosses Bevern einen ganz besonderen Abend erleben. Die Kreisvolkshochschule Holzminden hatte in Kooperation mit dem Kulturzentrum Weserrenaissance Schloss Bevern zu einem Vortrag über die archäologische Kulturlandschaft Syriens eingeladen. Es mussten eilig Stühle herangeschafft werden, bis schließlich der Ockersaal komplett gefüllt war und niemand mehr hineinpasste. Mit einem solch großen Interesse hatte insbesondere Referentin Jana Hamid nicht gerechnet.

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Funde einer Mutter-Skulptur aus der Jungsteinzeit, bei der die Figur nackt dargestellt ist.

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Hamid ist Mitarbeiterin in der Archäologischen Denkmalpflege des Landkreises Holzminden. Sie hat Archäologie im syrischen Aleppo studiert und stand dort kurz vor ihrem Masterexamen. Der Bürgerkrieg machte ihre Bemühungen um den Abschluss jedoch zunichte. Derzeit bereitet sie sich neben ihrer Tätigkeit im Schloss Bevern darauf vor, Abschluss an der Georg-August-Universität Göttingen nachzuholen.
Im Vordergrund des Vortrages standen archäologische Kulturschätze ihres Heimatlandes Syrien. Zunächst stellte Jana Hamid Syrien als „buntes“ Land mit vielfältigen Religionen, Ethnizitäten und Sprachen vor.
Einzigartige archäologische Denkmäler zeugen von der jahrtausendealten Geschichte des Landes. Die ältesten archäologischen Funde auf dem Gebiet des heutigen Syriens sind ca. anderthalb Millionen Jahre alt. Grundlegende zivilisatorische Errungenschaften wie die Entstehung städtischen Lebens nahmen hier ihren Anfang. Ebenso bedeutende Erfindungen für die Menschheit wie das Alphabet aus dem vierzehnten Jahrhundert vor Christus oder die Notation der Musik. Anhand zahlreicher Fotos ging Jana Hamid auf die sechs syrischen Kulturstätten ein, die ab 1979 bis 2011 in die Liste der Weltkulturerbestätten der UNESO aufgenommen wurden (1979: Altstadt von Damaskus; 1980: Palmyra und Amphitheater von Bosra; 1986: Altstadt von Aleppo; 2006: Crac des Chevaliers und Qalat Sahyun; 2011: Tote Städte).
Die Zuhörer konnten Jana Hamid emotional anmerken, wie schmerzlich sie die absichtliche Zerstörung vieler Kulturdenkmäler durch den IS sowie durch Luftangriffe des syrischen Regimes, Russlands und der Türkei empfindet. Die Zerstörung der historischen Altstadt Aleppos bezeichnet die UNESCO beispielsweise als Tragödie. 60 Prozent der Altstadt wurden beschädigt, 30 Prozent vollständig zerstört.
Auch ein Wiederaufbau könne die ursprüngliche Architektur nicht wieder herstellen. Im Übrigen warnte die Referentin vor einer überhasteten und unabgestimmten Wiederherstellung, die derzeit durch das syrische Regime erfolge. Der Aufbau dürfe nicht vor Ende des Krieges beginnen und nur durch sorgfältige fachkundige Begleitung unter Beteiligung der UNESCO erfolgen. Ein solches Projekt sei insgesamt Sache des gesamten syrischen Volkes und dürfe nicht der Propaganda einer bestimmten politischen Seite und ihrer Anhänger dienen. Sie hoffe auf ein Ende der Einflussnahme fremder Mächte, die oft sehr destruktiv und zerstörerisch in Syrien wirkten.
Die verschiedenen Religionen hätten vor dem Krieg in Syrien friedlich nebeneinander gelebt. Sie sei sehr traurig darüber, dass die Bevölkerung immer noch so viel Brutalität und Leid ertragen müsse. Dadurch würden auch der Zusammenhalt und die Einheit des syrischen Volkes nachhaltig beschädigt.
Am Ende des Vortrages hatten die Zuhörer die Möglichkeit, auf bereitgestellten Tontafeln mit dem ältesten Alphabet der Welt etwas zu schreiben. Die Besucher zollten Jana Hamid langanhaltenden Applaus für ihren interessanten und zeitweise emotional bewegenden Vortrag. Mit einem Blumenstrauß dankte Dr. Christian Leiber, Archäologe und ehemaliger Leiter des Kulturzentrums Schloss Bevern, Jana Hamid für die aufschlussreichen Einblicke. Die Archäologie im Weserbergland sei in keiner Weise mit der in Syrien vergleichbar. Jana Hamid habe an bedeutenden Ausgrabungen in ihrem Heimatland teilgenommen. Nun könne sie ihren Horizont erweitern und auch ihr Fachwissen einbringen. Wenn der Krieg vorbei sei, hoffe er mit vielen Zuhörern im Saal, von ihr in Syrien durch die Kulturstätten geführt zu werden, betonte Leiber.

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