Zusammenschluss der ambulanten Pflegedienste

Holzminden (ozm) - Am 7. Oktober trafen sich die Geschäftsführer und Pflegedienstleitungen mehrere Pflegedienste der Region (APD Holzminden Kraft und Pfeil, GAK Grußendorf ambulante Krankenpflege, Kues Ambulanter Pflegedienst, Pflegeteam 2000 und des ambulanten Pflegedienstes Dormann und Steppat).
Allein diese Pflegedienste versorgen über 1000 Pflegebedürftige in der Region. Es musste von allen Beteiligten festgestellt werden, dass eine pflegerische Versorgung der Pflegebedürftigen spätestens im nächsten Jahr stark gefährdet ist.
Durch das von der großen Koalition im Juni verabschiedete Tariftreue-Gesetz werden alle Unternehmen dazu gezwungen, Tariflöhne zu bezahlen. Jeder der Anwesenden hat sich im Juni darüber gefreut die Mitarbeiter, die gerade auch in der Pandemie außerordentliches geleistet haben, besser bezahlen zu können.
Allerdings haben wir zu dem Zeitpunkt noch nicht gewusst, dass die im Gesetz verankerte Verpflichtung zur Refinanzierung von Tariflöhnen durch die Pflegekassen ignoriert wird. Nach bisherigem Kenntnisstand weigern sich die Pflegekassen die nun steigenden Lohnkosten in voller Höhe zu refinanzieren. Die Leistungen der ambulanten Pflege seien aus Sicht der Kassen bereits jetzt zu hoch bewertet.
„Wir werden ab September 2022 verpflichtet Löhne zu bezahlen, die sich nicht im Erlös für Pflegeleistungen wiederspiegeln“, sagt Herr Kraft vom APD Holzminden. Herr Pfeil vom APD Holzminden ergänzt hierzu. „Wie sollen wir in Zukunft für die Pflege eines Menschen, der z.B. einen Schlaganfall hatte, eine morgendliche Grundpflege für 18,65 € zzgl. Fahrtkosten in Höhe von 4,29 € durchführen, wenn die Altenpflegerin für eine Stunde Arbeit in Zukunft rund 23 € verdient. Erschwerend kommen jetzt gerade auch in der ambulanten Pflege steigende Kosten für Benzin hinzu, die wir aus eigener Tasche bezahlen müssen. Wir können nicht, wie jeder andere Gewerbetreibende, unsere Preise neu kalkulieren“.
Die Politik, insbesondere unsere niedersächsische Gesundheitsministerin Frau Daniela Behrens, hält sich sehr bedeckt. Verantwortung wird in die sogenannte Selbstverwaltung verschoben und eine Fülle an Gesetzesinitiativen auf Bundes- und Landesebene ist wirkungslos.
Obwohl die Politik Gesetze verabschiedet, kümmert sie sich im Nachgang nicht um eine faire und pragmatische Umsetzung.
Die Mitglieder des Bündnisses planen Aktionen um sich und ihren angestellten Pflegekräften Gehör zu verschaffen. Es wird hierzu weitere Informationen und Veranstaltungen geben, zu denen wir interessierte Menschen und Vertreter der Bundes- und Landespolitik einladen und über die Entwicklung informieren.
Die Zeit drängt, wenn die pflegerische Versorgung im nächsten Jahr noch ausreichend sein soll.

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