Wanderausstellung „DDR – Mythos und Wirklichkeit“

Quiz über DDR soll Jugendliche ansprechen

Mühlhausen (Ruthild Vetter) - Die Stadtbibliothek ist erst die zweite Station der Wanderausstellung „DDR – Mythos und Wirklichkeit“. Nach der Eröffnung und Vorstellung im Grenzmuseum Schifflersgrund vor einigen Wochen, ist die Ausstellung nun bis Ende Mai in Mühlhausen zu sehen.

„Wir sind froh, einen geeigneten Ausstellungsraum gefunden zu haben und hoffen auf sehr viele, vor allem junge, Besucher.“, betonte Tobias Kühler, der Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes.

Aufgegriffen hat die Konrad-Adenauer-Stiftung das Thema „DDR-Mythen“, weil Umfragen und Studien unter Jugendlichen belegen, dass gerade bei jungen Menschen ein erschreckendes Unwissen über die DDR vorherrscht. Dadurch könnten Legenden und Halbwahrheiten weiter bestehen und sich ausbreiten. Doch nicht nur die alten, original-SED-gemachten Mythen gibt es, sondern es kommen auch neue dazu.

Soziale Unzufriedenheit oder auch jugendliche Naivität wird von bestimmten politischen Kräften genutzt, um die DDR als demokratischen Staat mit sozialen Errungenschaften positiv darzustellen. Die Ursache von Legendenbildung liegt also nicht nur im mangelnden Erinnerungsvermögen derer, die es erlebt haben und eigentlich besser wissen müssten, sondern es ist die Wiederbelebung alter Lügen im neuen Gewand. Die eigentliche Gefahr für die Zukunft besteht aber darin, dass sich diese Mythen und Legenden als Fehlurteile bei den jungen Menschen festsetzen. Tatsache ist doch, dass die SED-Propaganda sich selbst und vor allem der Bevölkerung Sachverhalte vorspielte, die es nicht gab. Ziel war es, die SED-Herrschaft zu legitimieren und unangreifbar zu machen.

Die Ausstellung richtet sich ganz gezielt an junge Leute und Schulklassen, die die DDR nicht selbst erlebt haben. Zum Mythos „Wahlen in der DDR“ heißt es noch im Mai 1989: „98,85 Prozent der Wähler stimmten für die Kandidaten der Nationalen Front“. Auch die „Wirtschaftsmacht DDR“ gab es nur dank statistischer Rechenkünste. Gleiche Bildung für alle und Studienmöglichkeiten, kommunistische Erziehung in der FDJ und Pionierorganisation sind weitere Themen. Die Ausstellung eignet sich hervorragend für den Einstieg in den Geschichtsunterricht über die DDR.

Einführende Worte zur Ausstellung kamen von der Thüringer Beauftragten für die Stasi-Unterlagen Hildigund Neubert, die auch an der anschließenden Podiumsdiskussion teilnahm. Der Satz: „Es war nicht alles schlecht in der DDR“ wurde dabei als einer der gefährlichsten Verharmlosungs- und Vertuschungsversuche entlarvt. So begründete Marianne Vogt, warum der Haushaltstag keine sozialistische Errungenschaft oder gar ein Geschenk war, sondern eine absolute Notwendigkeit, um das Familienleben bei voll berufstätigen Müttern zu sichern. Roland Reichenbach beschrieb die DDR-Wirtschaft als Tauschbörse mit teils hausgemachten Mangelerscheinungen. Nur hohe Subventionen sicherten niedrige Preise. Der Vorsitzende der Jungen Union Thüringens Stefan Gruhner, kritisierte, dass die Probleme aus der DDR-Geschichte, die SED und Stasi betreffend, nicht vollständig aufgearbeitet wurden. Er fordert einen differenzierten Umgang mit der Vergangenheit. Für ihn sei unverständlich, warum die SED nicht verboten worden ist. Nina Schikore, die Sprecherin des Mühlhäuser Schülerparlaments meinte, die Jugendlichen müssten an die DDR-Geschichte herangeführt werden. Kaum ein Schüler würde von sich aus danach fragen.

Das Quiz, das die Ausstellung begleitet, soll dazu beitragen, dass Fragen gestellt werden. Hauptpreise sind Fahrten ins politische Berlin und nach Erfurt für je zwei Personen. Die Podiumsteilnehmer stehen für interessierte Jugendliche auch als Gesprächspartner zur Verfügung.

 
Für den Inhalt des Textes ist der oben angegebene Bürgerreporter verantwortlich.

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