Synthetische Biologie

"Zwischen Errungenschaft und Widerstand: Gentechnik für Europa - Europäer für die Gentechnik?"

Jena (csh/jwk) - Zwischen Errungenschaft und Widerstand: Gentechnik für Europa - Europäer für die Gentechnik? So lautete der Titel der Vortragsreihe des Collegium Europaeum Jenense, die zwischen Januar und April 2012 an der Universität Jena stattgefunden hat. Bereits bei der Planung dieses Kolloquiums stellte sich heraus, dass das Thema „Synthetische Biologie“ in den Vordergrund rücken wird. Denn die „Schaffung künstlichen Lebens“, wie es der Molekularbiologe Craig Venter ausdrückte, nachdem er zusammen mit Kollegen vor zwei Jahren erstmals einen teilungsfähigen Mikroorganismus vorstellte, der ein gänzlich synthetisch erzeugtes Genom enthielt, gewinnt zurzeit nicht nur in Biotechnologie, sondern auch in der Politik an Aktualität. Vier Redner kamen der Einladung nach Jena nach, die sich der Frage nach dem künstlichen Leben widmeten - unter unterschiedlichen Aspekten.

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Plakat zur Vortragsreihe "Zwischen Errungenschaft und Widerstand: Gentechnik für Europa - Europäer für die Gentechnik?"

© cej
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Wolf-Michael Catenhusen, ehemaliger Staatssekretär und seit fast 30 Jahren ausgewiesener Experte des Gentechnik-Rechts, mahnte künftige gesetzgeberische Initiativen an, um die Sicherheit im Umgang mit synthetisch erzeugten Zellen zu gewährleisten. Christoph Rehmann-Sutter vom Institut für Medizingeschichte und Wissenschaftsforschung der Universität Lübeck stellt die Frage „Wie sehen wir, dass etwas lebt?“ und setzte sich mit dem Begriff „künstliches Leben“ ebenso kritisch auseinander wie der dritte Redner der Reihe, der Immunologe Michael Reth von der Universität Freiburg. Zwischen dem Einpflanzen chemisch synthetisierter DNA in eine natürlich gewachsene Zelle und einer vollständig am Reißbrett geplanten und nachfolgend zusammengebauten Zelle, wie dies die Vision mancher Biotechnologen ist, liegen noch Lichtjahre. Jedoch, so der vierte Redner Christoph Then, Geschäftsführer der Vereinigung „Testbiotech e.V.“ und ehemaliger Mitarbeiter bei Greenpeace, der dieser Ansicht zustimmte, muss die synthetische Biologie als eine „extreme Zuspitzung der Gentechnik“ eingeordnet und entsprechend behandelt werden. Er forderte in seinem Vortrag nachdrücklich eine vollständige Transparenz über die Methoden und Verfahren, die aktuell in den Forschungslaboratorien und in europäischen und amerikanischen Firmen zur Schaffung neuartiger Zellen angewendet werden. Wie beim Inverkehrbringen von gentechnisch veränderten Nutzpflanzen ist auch bei der Verwendung künstlich optimierter Organismen, beispielsweise Blaualgen, deren Photosyntheseleistung technisch optimiert wurde und aus denen biologische Kraftstoffe wie Bioethanol gewonnen werden könnten, größte Vorsicht geboten. Denn ein „Rückholen“ solchen Lebens aus der Umwelt kann sich sehr schwierig bis unmöglich gestalten, und negative Effekte auf die Natur und die menschliche Gesundheit lassen sich im Vorfeld nur sehr bedingt absehen. Deswegen, so Then, ist das Thema „Synthetische Biologie“ nicht nur wissenschaftlich, sondern auch unbedingt öffentlich und politisch zu diskutieren und - hier schließt sich der Kreis zum ersten Redner der Reihe, Catenhusen - eine entsprechende Gesetzgebung zur Vermeidung eventueller Risiken zu initiieren.

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