Jena (anw) - Wird es am Sonntag ein Endspiel? Der FF USV Jena muss beim 1. FC Lokomotive Leipzig antreten. Mit einem Jenaer Sieg und bei drei ausstehenden Spielen wäre Lok de facto abgestiegen. Der Aufsteiger blieb bei neun Punkten stehen, der erste Nichtabstiegsplatz mit dann 18 Punkten nahezu unerreichbar. Ein Remis würde den derzeitigen Abstand von sechs Punkten auf Jena (15) nicht verringern. Lok muss also gewinnen.
Gegen Lok Leipzig gelang im Hinspiel trotz klarster Chancen kein Tor. Das soll am Sonntag den FF USV-Frauen nicht wieder passieren.
© Foto: P. PoserWie das geht, bewiesen die Sachsen in der Hinrunde. Mit 0:1 konnte im Ernst-Abbe-Stadion Jena bezwungen werden. Eine unerwartete und nach dem Spielverlauf völlig überflüssige Niederlage. Reihenweise versiebten die Jenaerinnen ihre hochkarätigen Chancen. Oder, wie Kapitän Laura Brosius auch noch ein knappes halbe Jahr später weiß, „wir wollten den Ball über die Linie tragen". Der Leipziger Torhüterin attestiert sie „eine ganz, ganz starke Leistung“.
Unter den 778 Zuschauern saß eine Beobachterin, die auch das Rückspiel aufmerksam verfolgen wird. Nicht wieder von der Tribüne, sondern direkt am Spielfeld ihre Beobachtungen des Hinspiels - als Co-Trainerin von Chefcoach Daniel Kraus. Gemeinsam mit Kraus übernahm die Diplomsportlehrerin mit Spezialrichtung Leistungssport Fußball und seit 2011 Inhaberin der bundesligatauglichen A-Lizenz nach dem überraschenden Rücktritt von Martina Voss-Tecklenburg im Februar das Team. „Eine kämpferisch ganz starke Leistung von Lok und die Chancen genutzt", bilanziert Frau Greulich. Jena sei in diesem Fußballkampf „machtlos" gewesen.
Nistet sich eine solche Partie in den Köpfen der Spielerinnen ein? „So was bleibt hängen", ist sich die Trainerfrau sicher. Darauf allerdings, auch diese Aussage wird prononciert vorgetragen, folgt die Ansage: „Das ergibt eine Trotzreaktion. Jetzt erst recht". Auch Brosius ist sich sicher, die Niederlage gegen Lok werde sich nicht auf die Einstellung ihrer Kolleginnen am Sonntag auswirken: „Diese Niederlage muss man in positive Energie umwandeln.“
Bis zum Spieltag werde Jena das Standardprogramm der letzten Wochen durchziehen. Am Mittwoch und Donnerstag jeweils ein zweistündiges Training, am Freitag die Abschlusseinheit, der Samstag bleibt auch vor diesem Spieltag frei. Keine besonderen Maßnahmen sind also angesagt vor diesem ersten Endspiel. Dafür Widerspruch gegen das Substantiv. „Man sollte mit dem Begriff ‚Endspiel' vorsichtig umgehen," erklärt die Trainerin. Denn selbst bei einer Niederlage hätte Jena es selbst in der Hand, den Abstieg zu verhindern. Ein Sieg, ja der würde allerdings dafür sorgen, dass der FF USV „einen ganz wichtigen Schritt für den Klassenerhalt" gehen würde. Die Lage ist durch den durchaus überraschenden Sieg des nunmehr Tabellenelften Bayer Leverkusen beim SC Freiburg am vergangenen Sonntag verschärft worden. Zwar muss Jena auch noch gegen Leverkusen spielen, allerdings auswärts.
„Konzentriert" , sagt die Co-Trainerin, soll in die Partie gegen Lok gegangenen werden. Rufe die Mannschaft ihr Potenzial ab, stünden die Chancen gut, ein positives Resultat, in erster Linie einen Sieg, mitnehmen zu können. Konditionell sei die Mannschaft fit. Und gut, mit Ausnahme gegen den FC Bayern München, habe man auch gespielt. Nur eben nicht die Chancen genutzt. Katja Greulich verweist auf das letzte Heimspiel. Gegen den FCR 2001 Duisburg hätte sich die Mannschaft trotz der zwei schnellen Gegentore nicht hängen lassen, sondern zusammen gerissen und gerade in der 2. Halbzeit stark gespielt. Ohne sich selbst dafür zu belohnen. Gästetrainer Marc Ketalar: „Ich weiß nicht, was passiert wäre, schießt Jena das Anschlusstor."
Die Spielerinnen müssen sich auf einen heißen Tag im Bruno-Plache-Stadion einstellen. Das gilt auch für die Wetterprognosen, die Sommertemperaturen verheißen. „Das Wetter oder die Platzverhältnisse spielen absolut keine Rolle", will lange vor dem Abpfiff Katja Greulich keine Ausreden „vor einem der wichtigsten Saisonspiele" zulassen. Bis zur Wochenmitte waren alle Spielerinnen fit, nur Julia Arnold fehlte bis Freitag. Sie nahm an einem Sichtungslehrgang der U 23-DFB-Auswahl teil. Auch in Jena weiß man nicht wirklich, wie sich der Trainerwechsel beim Kontrahenten auswirken wird. Jürgen Brauße hatte nach der 2:9-Pleite, der siebenten Niederlagen in Folge, sein Amt niedergelegt. Interimstrainer Frank Tresp, konnte indes das Steuer auch nicht herumreißen. Lok unterlag der SG Essen-Schönebeck am letzten Sonntag mit 0:4.
Kein Anlass für die Jenaerinnen, gelassen in die anstehende Partie zu gehen. Für die Co-Trainerin, Cheftrainer Daniel Kraus kehrte nach erfolgreich bestandener A-Lizenz-Prüfung am Mittwochabend von der Sportschule Bad Hennef zurück, wird das Gastspiel in Leipzig auch persönlich ein besonderes. Für Lok kickte die gebürtige Fürstenwalderin ab 2005 in der Regionalliga, stieg ein Jahr später in die 2. Bundesliga auf und blieb hier 2010, als sie zum Halleschen FC wechselte. Ein Knorpelschaden im Knie setzte dem aktiven Leistungssport ein Ende. Aus ihrer Leipziger Zeit seien innere Bindungen zu ihrem alten Verein und ihrer Universitätsstadt geblieben, meint Katja Greulich. Auch wenn das Ziel am Sonntag lautet: 3 Punkte für Jena. Oder wie Mannschaftsführerin Laura Brosius formuliert: „Beweisen: Wir wollen in der 1. Liga bleiben.“
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