Gera/Greiz (nabu) - Da Petrus seit Tagen die Himmelschleusen unentwegt geöffnet hatte, lag bei den Veranstaltern die Vermutung nahe, dass die 5. Veranstaltung der Tour-Natur 2012 buchstäblich ins Wasser fallen würde. Doch die hartgesottenen Naturfreunde hielt das regnerische Wetter nicht davon ab auf der gut zweieinhalbstündigen Wanderung am votigen Sonnabend das eher unbekannte Naturkleinod Brahmetal zu erkunden.
Die Exkursion führte entlang des Kleinbahndamms, auf der gleich zu Beginn der Wanderung eine Blindschleiche den Weg kreuzte. Bei Zschippach ging es in das Lutschetal, einem Seitental des Brahmetals, wo die Zechsteinklippen bei Schwaara, die naturgeschichtlich herausragende Bedeutung besitzen, besichtigt wurden. Im Zuge des Trassenbaus der ehemaligen Kleinbahn von Gera-Pforten nach Wuitz-Mumsdorf wurde hier eine bedeutende Brachiopoden-Fundstätte aufgeschlossen. Während der ganzen Wanderung begeisterte Naturreferent Sebastian Schopplich (NABU Gera-Greiz e.V.) die Besucher mit interessanten Details zur Landschaftsgeschichte sowie zu heimischen Amphibien, Reptilien, Käfern und Vögeln. Das Brahmetal mitsamt seiner Seitentäler ist für Naturfreunde ein echter Geheimtipp, denn trotz vielfältiger Landschaftsveränderungen zu Ungunsten der Natur – so der Bau der A4 im vorigen Jahrhundert oder der Nordosttangente der Stadt Gera vor wenigen Jahren - hat sich eine bemerkenswerte Flora und Fauna erhalten, die immer wieder auch Fachleute erstaunt. Hier finden sich äußerst seltene Arten wie der Steinkauz, die Wechsel- und die Kreuzkröte oder der Juchtenkäfer, oft auch „Eremit“ genannt. Daher ist die Brahmeaue sowohl im Landkreis Greiz als auch im Gebiet der Stadt Gera als Flora-Fauna- Habitat-Gebiet geschützt und entlang des Brahmetals reihen sich zahlreiche Flächennaturdenkmäler auf.
Ebenso erwähnenswert sind die Kirchen im Brahmetal, allen voran St. Petri zu Dorna, die als Sitz der Urpfarrei jahrhundertelang das Zentrum des Brahmetals war. Nicht nur ihr außergewöhnlicher Baukörper, sondern auch die vorbildliche Umsetzung der Belange des Artenschutzes gebäudebewohnender Arten (Fledermäuse, Schleiereulen, Dohlen, Turmfalken und Mauersegler) ist sehenswert. Während der Wanderung in der Dornaer Flur bezeugte die Anwesenheit zahlreicher Dohlen, die hier viele Jahre nicht angetroffen wurden, den Erfolg der Artenschutzmaßnahmen. Der Rückweg führte an der Türken- und Fuchsmühle vorbei, oft begleitet vom Ruf der Goldammer, durch das untere Dorf von Zschippach. An der Grundschule Brahmenau schloss sich der Kreis der Wanderung.
Naturfreunde, die die vorbildliche Naturschutzarbeit der Kirchgemeinde Dorna kennen lernen möchten, sollten sich schon jetzt den 24. August 2012 vormerken. Herr Jürgen Rettig aus Gera wird eine seltene, auf der Dornaer Friedhofsmauer wachsende Flechte vorstellen und zugleich kurzweilig über die allgemeine Biologie der Flechten berichten. Anschließend wird der NABU Gera-Greiz e.V. die Kirchen zu Dorna, Pölzig, Röpsen und Wernsdorf bei Söllmnitz mit der Plakette „Lebensraum Kirchturm“ auszeichnen, um das Engagement der Kirchgemeinden zugunsten des Artenschutzes zu würdigen. Die Veranstaltung beginnt um 19.00 Uhr in der Kirche St. Petri zu
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