IHK Südthüringen stellt vor

Ergebnisse Konjunkturumfrage Frühsommer

Suhl (IHK/sg) - Die Wirtschaft in Südthüringen setzt ihren vor zwei Jahren begonnenen Wachstumskurs fort. Nach einer kurzen Eintrübung zum Jahreswechsel werden die Auftriebskräfte wieder stärker. Die Industrie- und Handelskammer Südthüringen (IHK) erwartet für das laufende Jahr in vielen Unternehmen Betriebserweiterungen. Damit verbunden ist ein weiterer Stellenaufbau.

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IHK Südthüringen stellt Ergebnisse Konjunkturumfrage Frühsommer vor

© Foto: sg

Gegenüber der Konjunkturumfrage zum Jahresbeginn gewinnt der Konjunkturklimaindikator 2 Punkte hinzu und erreicht 107,5 Punkte. Mit dem Konjunkturklimaindikator fasst die IHK Südthüringen die Lage- und Erwartungseinschätzung der Unternehmen zusammen. Der aktuelle Zugewinn ergibt sich, weil die Unternehmen für die nächsten Monate an Zuversicht gewonnen haben: 16 Prozent erwarten bessere Geschäfte, weitere 62 Prozent keine Veränderung der gegenwärtigen Lage.

„Unser Konjunkturklimaindikator ist ein Prognose-Instrument: Die Korrelation zwischen Prognosen und Entwicklung der Realwirtschaft ist in der Regel sehr hoch. Angesichts täglich neuer Vorhersagen mit wechselnden Inhalten von Instituten und Analysten wollten wir aber sicher gehen und haben die Unternehmen außerdem um eine Umsatzprognose für das laufende Jahr gebeten. Die Unternehmen erwarten ein gesamtwirtschaftliches Umsatz-plus von einem Prozent. Starke Zuwächse wird es vor allem in der Industrie, im Baugewerbe und im Großhandel geben“, erklärt Dr. Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen.

Auch die aktuelle Geschäftslage ist für die Mehrzahl der befragten Unternehmen positiv. So beurteilen 37 Prozent ihre Lage als gut, weitere 50 Prozent als befriedigend. Zu Beginn des Jahres beurteilten allerdings 45 Prozent ihre Lage als gut und 42 Prozent als befriedigend. Besonders hoch fällt die Zufriedenheit derzeit in der Industrie, im Baugewerbe, im Einzel- und Großhandel sowie in der Dienstleistungswirtschaft aus. Unzufrieden sind hingegen die Unternehmen aus dem Verkehrsgewerbe, die erheblich von den gestiegenen Spritpreisen betroffen sind.

Von gestiegenen oder unveränderten Aufträgen berichten derzeit 76 Prozent der Unternehmen. Der Auftragsbestand ist für 70 Prozent verhältnismäßig groß oder zumindest ausreichend. Vor diesem Hintergrund erwirtschaften 83 Prozent der Unternehmen Gewinne oder können ihre Kosten decken.

Allerdings sind die Rahmenbedingungen momentan erschwert, wie zwei Zahlen aus der Industrie zeigen: Erreichten zu Beginn des Jahres noch 70 Prozent der Unternehmen eine Auslastung von mindestens 80 Prozent, so ist dieser Anteil nun auf 63 Prozent zurückgegangen. Der Grund hierfür ist die Auslandsnachfrage. Im Jahr 2012 werden voraussichtlich mit Österreich und Deutschland nur zwei große Volkswirtschaften im Rahmen der Eurozone wachsen. Daher melden aktuell lediglich 15 Prozent der Industriebetriebe steigende Auslandsaufträge. Der Nachfragerückgang aus dem Ausland ist auch für reine Zulieferer spürbar.
 
Ausblick
Für die kommenden Monate sind die Unternehmen aller Branchen mit Ausnahme des Einzelhandels und des Gastgewerbes zuversichtlicher als noch zu Beginn des Jahres. In 76 Prozent der Unternehmen sind Investitionen geplant. Dieser Anteil ist seit zwei Jahren nahezu unverändert hoch. Neben Ersatzinvestitionen wollen die Unternehmen vor allem die innerbetrieblichen Kosten optimieren (18 Prozent der Unternehmen), neue Produkte entwickeln (17 Prozent) und die Kapazitäten ausbauen (17 Prozent). Der weitere Kapazitätsaufbau wird vielfach mit Neueinstellungen von Mitarbeitern verbunden.

„Wer heute einen Teil seines Geldes in Investitionen steckt und vielleicht zur Finanzierung auch noch eine Bank mit ins Boot holt, ist zuversichtlich, dass er die eingesetzten Mittel mit Zins und Zinseszins zurückerhält. Für mich ist daher das Ausmaß der Investitionsbereitschaft ein wichtiges Indiz, wie gesund die Wirtschaft ist. In Südthüringen steht die Wirtschaft sehr gut da, und die Unternehmen erwarten, dass sich das Wachstum fortsetzt“, so Pieterwas.

Vor allem die Unternehmen der Industrie, des Baugewerbes, der Dienstleistungswirtschaft und des Großhandels wollen in den kommenden Monaten investieren. Dabei planen insbesondere Industrie und Dienstleister Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Zu Betriebserweiterungen wird es voraussichtlich in der Industrie und im Großhandel kommen.

Ein weiterer Beschäftigungsaufbau erscheint vor diesem Hintergrund für etliche Unternehmen sinnvoll. Sofern sich geeignete Bewerber finden lassen, sind je nach Branche 10 bis 15 Prozent der Unternehmen an Einstellungen interessiert. Lediglich im Verkehrsgewerbe entstehen nur in wenigen Betrieben neue Arbeitsplätze. Saldiert mit den Freisetzungen an anderer Stelle steigt die Nachfrage nach Arbeitskräften gesamtwirtschaftlich weiter an. Besonders kräftig fällt die Nachfrage in der Industrie, im Bau- und Gastgewerbe und im Großhandel aus.

Risiko Energie- und Rohstoffpreise
Die Chancen stehen gut, dass sich der Wachstumsprozess ab dem Sommer fortsetzt.
Wichtig hierfür sind stabile nationale und internationale politische Rahmenbedingungen. Die Auseinandersetzungen um das iranische Atomprogramm haben zu einem erheblichen Anstieg des Ölpreises geführt. Hier muss rasch eine politische Lösung gefunden werden. Bereits heute bewerten 67 Prozent der hiesigen Unternehmen die Energie- und Rohstoffpreise als größtes Risiko für die Konjunktur. 38 Prozent fordern überdies stabile politische Rahmenbedingungen.

Politische Stabilität bedeutet außerdem, die Mechanismen der sozialen Marktwirtschaft zu akzeptieren. 36 Prozent der Unternehmen fürchten steigende Arbeitskosten in Südthüringen, ein Jahr zuvor waren es lediglich 24 Prozent. „Dieser deutliche Anstieg beruht auf der politischen Diskussion um das Thüringer Lohnniveau, wie sie durch das Thüringer Wirtschaftsministerium forciert wird. Nach dem Tag der Arbeit sollte nun wieder Besonnenheit und Augenmaß in die Thüringer Wirtschaftspolitik einziehen“, sagt Pieterwas.

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