Jedermann - Komödie vom Sterben des reichen Mannes

Uslar (cj) - Im Jahr 1911 wurde Hugo von Hofmannsthals Stück "Jedermann" bei den Salzburger Festspielen uraufgeführt. Seit den 20er Jahren steht "Jedermann" fest im Spielplan der Salzburger Festspiele. 100 Jahre nach der Uraufführung brachte das Theater „Die Bühnenstürmer" "Jedermann" in einer neuen Bearbeitung von B.K. Jerofke im Forum des Gymnasiums Uslar auf die Bühne.

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Die Bühnenstürmer aus Einbeck, bearbeiteten Hugo v. Hoffmannthals romantisch-ethisches Thema vom "Jedermann".

© Junginger

Im Prolog treten Gott und der Tod in einen Dialog, denn der Herrgott will mit den gottlosen Menschen Gericht halten. Er schickt den Tod zu "Jedermann", dem reichen Lebemann, der in Begriff ist für sich und seine Buhlschaft ein Lusthaus zu bauen - ohne jeglichem Begriff oder Gefühl für Gnade oder Mitleid gegenüber den Armen und Abhängigen in seiner Umgebung. Thematisiert wird hier eine mittelalterliche Moralität, die sich in der aktuellen Finanzkrise im Zuge der Globalisierung, genau wie vor 100 Jahren, auf's Neue als Bühnenstück anbietet. "Jedermann" wird plötzlich konfrontiert mit seinem Tod und ihm bleibt im Sterben nur wenig Zeit, um mit sich, mit der Welt und mit Gott ins Reine zu kommen. Ob's die mütterliche Liebe, wie in dem Stück "angedacht", richten wird, sei dahin gestellt.
"Die Bühnenstürmer" zeigten die Komödie um den "Jedermann" in einer Inszenierung, an der Hugo von Hofmannsthal gefallen gefunden hätte. Das Szenenbild im Prolog war aufwendig und fantastisch zeitlos. Die Szenenbilder im ersten und zweiten Akt historisch großzügig bemessen und doch in die heutige Zeit projektiert. Weder an kreativen Dekors noch an sorgfältig gewählten Kostümen wurde gespart. Die 12 Akteure brachten den heiklen Stoff mit einem Augenzwinkern auf die Bühne. Die Spannung zwischen der moralischen Unschuld des "Jedermanns" und seiner A-Moralität, erfährt der Zuschauer im Saal. Ausgerechnet die Entscheidung das Stück als Komödie, als Lustspiel zu inszenieren, verstärkt und gefestigt die Diskrepanz wortlos.

Neo-Romantik
Auf der Suche nach einem Sinn und als Gegenbewegung zum Naturalismus und zur Sachlichkeit, entwickelte sich zu Beginn der Industrialisierung vor 100 Jahre in den Künsten die Neo-Romantik. Eine ähnliche Entwicklung finden wir auch Heute in Kunst und Kultur. In "Jedermann" wird Gott, der Tod und das Sterben exzessiv ausgebildet. Während das Verhältnis von Gott und dem Tod das Ganze Stück überspannt, nimmt das Leben und das Sterben des Menschen jeweils einen Akt und damit beinahe die Hälfte der Spielzeit in Beschlag. Die Darstellung des Sterbens auf der Bühne ist eine besonders schwierige Unternehmung und wirkt oft ein wenig lächerlich. Nicht so bei "Jedermann", dem tragisch-komischen Lehrstück, inszeniert von B.K. Jerofke und aufgeführt von den Bühnenstürmern mit Klaus Hamann - Gott/Geschäftsmann/Vetter, Leonier Veit - Tod, Sandra Bendig - Teufel, Lothar Germer - Jedermann, Sigrid Friedrichs - Köchin, Hannah Raatz - Magd, Lars Bothe - Knecht, Cornelia Anders - Gesellin, Elke Thiergen - Mutter Jedermanns, Anna Meyer - Patenkind Jedermanns, Kristin Mössinger - Buhlschaft, Caro Over - Base).

Das Theater „Die Bühnenstürmer" hat sich in den letzten Jahren einen guten Namen in der Region gemacht und ist dem Publikum durch Aufführungen des Wilhelm-Busch-Programms „Was beliebt, ist auch erlaubt" und des Klassikers „Dr. Jekyll und Mr. Hyde", sowie verschiedener Weihnachtsstücke, auch im Kulturbahnhof Uslar, in guter Erinnerung. Weitere Information unter stehen im Internet unter: www.die-bühnenstürmer.de .

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