Die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 11 halten zusammen. Karen (Bildmitte) soll einer von ihnen bleiben.
© Foto: Reinbold
Höxter (kai) – Vor 18 Jahren wurde Karen Sedrakyan im armenischen Yerevan geboren. Seine Mutter heiratete 2007 einen Mann aus Höxter – so führte auch Karens Weg nach Deutschland. In den vergangenen zwei Jahren beschritt der junge Armenier einen überaus erfolgreichen Bildungsweg: Am 6. September schaffte er den Sprung von der Hauptschule aufs Gymnasium.
Seitdem besucht er die Jahrgangsstufe 11 des König-Wilhelm-Gymnasiums (KWG) in Höxter. Karen fühlt sich in Höxter zu Hause, die Stadt ist zu seiner neuen Heimat geworden. Mit teilweise sehr guten Zensuren hat er seine Lehrer nachhaltig beeindruckt, bei seinen Mitschülern ist er sehr beliebt. Die Ehe seiner Mutter hielt jedoch nur 18 Monate. Deshalb soll Karen nach dem Willen der zuständigen Ausländerbehörde am 11. Januar 2011 nach Armenien ausreisen.
Sein Aufenthaltsrecht ist an jenes seiner Mutter gekoppelt, doch der 18-Jährige möchte gern in Höxter bleiben, um sein Abitur zu machen. Schulleitung, Lehrer, Mitschüler und zahlreiche besorgte Eltern unterstützen ihn dabei nach allen Kräften. In Armenien hat Karen keine Familie und keine Freunde, die ihn mit offenen Armen empfangen könnten – dort wartet auf ihn nur ein zweijähriger Kriegsdienst. „Mit seiner schulischen Laufbahn wäre es dann endgültig vorbei", weiß Hans Nicolas, stellvertretender Schulleiter des KWG. Nicolas plädiert für eine sachliche Lösung, kündigt jedoch an: „Wir werden jeden möglichen Weg gehen, um Karen weiterhin eine erfolgreiche Integration in Höxter zu ermöglichen."
„Vor kurzem hatten wir ein sachliches Gespräch mit den Verantwortlichen der Ausländerbehörde. Dort wurde uns gesagt, dass 'Soft Skills' in Karens Fall nicht berücksichtigt werden könnten. Man sei lediglich eine ausführende Behörde, Karens Flugticket nach Armenien sei für den 11. Januar 2011 gebucht", so Nicolas. Der 18-jährige Schüler spielte lange in einem Fußballverein im niedersächsischen Boffzen. Da er in Deutschland momentan nur geduldet wird, ist ihm dies nicht mehr möglich. Karen darf den Kreis Höxter bis auf weiteres nicht verlassen.
„Es ist menschlich nicht nachvollziehbar, dass jemand, der so gut integriert ist wie Karen, nach Armenien zurückkehren soll", findet nicht nur sein Mitschüler Johannes Schmidt-Mosig. Knapp 100 Lehrer und Schüler der Jahrgangsstufe 11 des KWG haben sich inzwischen per Unterschrift für Karens Verbleib in Deutschland ausgesprochen. Nun soll die Härtefallkommission in Düsseldorf über sein weiteres Schicksal entscheiden. Schulleiter, Lehrer und Mitschüler planen, die gesammelten Unterschriften persönlich in die Landeshauptstadt zu tragen, um sie den Verantwortlichen vor Ort zu überreichen. Die Chancen, dass Karen in Höxter bleiben darf – sollte die Kommission diese Empfehlung aussprechen – gelten als aussichtsreich.
In zweieinhalb Jahren macht der 18-Jährige sein Abitur. Seine Unterstützer suchen nun einen finanzkräftigen Bürgen, der für den Unterhalt des jungen Armeniers garantiert. Seine Chancen auf einen Verbleib in Höxter würden dadurch steigen. Karen hat derzeit nicht einmal eine Krankenversicherung. "Inzwischen ist eine Flut von E-Mails bei uns eingegangen. Viele Menschen wollen Karen sowohl moralisch als auch finanziell unterstützen", erzählt Schulleiter Georg Wieners am 21. Dezember. Wer sich für Karen einsetzen will, kann sich per E-Mail unter: kwg@hoexter.de mit der Schule in Verbindung setzen.
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