Der Nutzen zur Früherkennung von Prostatakrebs ist umstritten

PSA-Test: Sinnvoll oder nicht?

(dbp/spo) - Ab dem 45. Lebensjahr haben Männer in Deutschland einmal jährlich Anspruch auf eine Tastuntersuchung zur Früherkennung von Prostatakrebs. Darüber hinaus wird ihnen oft ein PSA-Test angeboten. Diese einfache Blutuntersuchung muss selbst bezahlt werden (20 - 40 Euro) und hat in der Ärzteschaft Freunde und Feinde.

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Eine vergrößerte Prostata kann bei der Tastuntersuchung über den Enddarm entdeckt werden, Tumoren im Frühstadium allerdings kaum.

© Grafik: dbp

Die gesetzliche Früherkennungsuntersuchung umfasst das Abtasten der Genitalien, der zugehörigen Lymphknoten an der Leiste sowie der Prostata vom Enddarm aus – und zwar beim Hausarzt oder einem Urologen. Erfahrene Ärzte können Veränderungen auf der Prostataoberfläche gut ertasten; allerdings erst, wenn sie schon recht groß sind. Ein Grund, warum viele Ärzte und auch die Deutsche Gesellschaft für Urologie das Abtasten (digital-rektale Untersuchung, DRU) für nicht ausreichend halten. Sie empfehlen schon Männern ab 40 zusätzlich den PSA-Test.

Falsch-positive Befunde

PSA steht für Prostata-spezifisches Antigen. Das ist ein Eiweißstoff, der in der Prostata gebildet wird und zum Teil auch ins Blut übergeht. Normalerweise ist der PSA-Wert, der in Nanogramm pro Milliliter Blut (ng/ml) angegeben wird, sehr niedrig. Krebszellen jedoch produzieren mehr PSA als andere Zellen und lassen den Wert meist ansteigen. Den gleichen Effekt haben jedoch auch harmlose Entzündungen, gutartige Prostatavergrößerungen oder Harnwegsinfektionen. Bei einem Wert über 4 ng/ml empfehlen Urologen oft eine Gewebeentnahme (Biopsie). Bis zu einem gewissen Grad ist es jedoch normal, dass der Wert mit dem Alter steigt.
Während der PSA-Test bei einem konkreten Krebsverdacht oder zur Verlaufskontrolle nach einer Behandlung anerkannt ist und von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt wird, ist er als Instrument zur Früherkennung umstritten. Argumente dagegen gibt es mehrere: Nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) haben zwei von drei Männern mit erhöhtem PSA-Wert gar keinen Krebs (falsch-positive Befunde), werden aber verängstigt und unterziehen sich überflüssigen Untersuchungen. Zum anderen schließt ein niedriger Wert einen Tumor nicht 100-prozentig aus.

PSA ist bisher bestmöglicher Hinweisgeber

„Der PSA-Test ist relativ ungenau und kann nicht unterscheiden, ob der Tumor aggressiv ist oder nicht“, erläutert Professor Dr. Rainer Hofmann, Leiter des Prostatazentrums am Universitätsklinikum Gießen und Marburg. Dennoch ist Hofmann ein Befürworter, denn: „PSA ist bislang der einzige genau untersuchte Marker für Prostatakarzinome“, sagt er.
Das – wahrscheinlich unbefriedigende – Fazit für Männer über 40 ist deshalb: Die Entscheidung muss jeder für sich abwägen. Wer überlegt, einen PSA-Test zur Früherkennung zu machen, muss sich über seine Erwartungen klar sein, heißt: Wäre man(n) bei einem normalen Wert beruhigt? Wäre man(n) bei einem hohen Wert bereit, Folgeuntersuchungen und Therapien vornehmen zu lassen? Eine Unterstützung bei der Entscheidung bietet die Internetseite www.psa-entscheidungshilfe.de – und natürlich die Beratung durch den behandelnden Arzt.
Weitere Informationen zum Thema Prostata unter www.gesund-durch.de/gesundheit_a-z/maennergesundheit oder www.psa-entscheidungshilfe.de, eine Seite mit Pro- und Kontra-Argumenten zum PSA-Test. Unter www.krebsinformationsdienst.de; Infos des Krebsinformationsdienstes am Deutschen Krebsforschungszentrum

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