Arnstadt (ke) - Für 53 Tiere ist das Arnstädter Tierheim zurzeit ein vorübergehendes Zuhause: 45 Katzen, sieben Hunde und Maxi, eine eineinhalbjährige Albino-Farbrattendame, werden momentan von drei festen Mitarbeitern, zwei Freigängern der Jugendstrafanstalt Ichtershausen und zwei Bundesfreiwilligendienstlern umsorgt - in diesem Jahr an 366 Tagen.
Das Team des Arnstädter Tierheims mit Labradormischlingsdame Nelly (9) und Schäferhundmischling Benji (10), die dringend ein neues Zuhause suchen.
© Foto: Kerstin Engelmann„Bei den Katzen sind wir eigentlich ständig an der Kapazitätsgrenze“, so Mitarbeiter Sebastian Schiffer. Die stetig wachsende Zahl herrenloser Katzen im Stadtgebiet bereitet ihm großes Kopfzerbrechen. Die Tiere vermehren sich unkontrolliert und unkastrierte Freigängerkater tun ihr Übriges dazu. Hinzu kommt der bisher sehr milde Winter. „Es kann passieren, dass wir es in diesem Jahr schon im Februar mit den ersten Katzenbabys zu tun bekommen“, befürchtet Sebastian Schiffer. Kleine Katzenwelpen können zwar meist schnell vermittelt werden, aber sie verringern die Chancen der ausgewachsenen Katzen auf eine Vermittlung. „Wir geben unsere Tiere nur noch kastriert ab“, so Matthias Haupt, der als Verwaltungsmitarbeiter das Bindeglied zwischen Kommune und Tierheim ist. Denn das Arnstädter Tierasyl ist eines der wenigen kommunalen Tierheime und untersteht der Arnstädter Stadtverwaltung. „Das ist ein absoluter Luxus, den sich die Stadt leistet“, erkennt Sebastian Schiffer an.
Als städtische Einrichtung ist die Hauptaufgabe des Tierheims die Aufnahme, Unterbringung und Vermittlung von Fundtieren. Dabei haben gerade aufgefundene Hunde eine große Chance, zu ihrem Besitzer zurückzukehren. Bei etwa 75 Prozent kann der Halter festgestellt und das Tier zurückgegeben werden. „Bei den Katzen ist dies viel schwieriger“, beklagt Sebastian Schiffer, „die sind viel schwerer einem Besitzer zuzuordnen.“ Er appelliert daher an alle Katzenhalter, gerade Freigänger deutlich zu kennzeichnen, um den Mitarbeitern die Recherche zur Herkunft der Tiere zu erleichten. „Optimal wäre es natürlich, wenn die Tiere gechipt werden.“ Damit habe man bei Hunden in der Vergangenheit bereits sehr gute Erfahrungen gemacht. „Wenn ein Tier einen Chip implantiert hat, können wir in kürzester Zeit den Halter herausfinden. Das erspart dem Besitzer nicht nur die lange Sorge um das geliebte Tier, sondern auch Kosten, die durch eine längere Unterbringung im Tierheim entstehen“, erklärt Matthias Haupt. Alle Abgabetiere des Tierheimes werden daher auch mit einem Chip versehen. „Das ist kein großer Eingriff, sondern nur ein kleiner Piecks mit einer Kanüle“, kann Sebastian Schiffer besorgte Tierhalter beruhigen.
Bevor aber ein Tier das Tierheim verlässt, prüfen die Mitarbeiter genau, ob das Tier wirklich zum neuen Besitzer passt. „Die Chemie muss stimmen! Wir führen lange Gespräche, um mehr über die Interessenten zu erfahren. Denn wir möchten nicht um jeden Preis vermitteln. Das muss dann auch passen, damit die Tiere nicht später wieder bei uns landen“, erzählt Sebastian Schiffer. So müsse er auch ab und an zum Wohl von Hund oder Katze eine Absage erteilen, wenn der Charakter des Tieres nicht mit den Lebensumständen des Interessenten vereinbar ist.
„Damit möglichst viele Menschen unsere Tiere kennenlernen können, sind die Türen des Tierheims jeden Tag geöffnet, solange die Mitarbeiter da sind“, sagt Matthias Haupt. Und auch ein Internetauftritt zur Präsentation der Tiere sei für dieses Jahr geplant. „Aber am besten ist es, wenn die Interessenten einfach persönlich vorbeischauen“, lädt Sebastian Schiffer zu einem Tierheimbesuch ein. Schon oft habe sich ein Besucher auf den ersten Blick in ein Tier verliebt - und häufig in ein anderes, als er sich vorgestellt hatte.
Um die Chancen auf eine Vermittlung zu erhöhen und dem neuen Besitzer den Umgang mit dem Tier zu erleichtern, werden mit allen Hunden zumindest Grundkommandos und das Laufen an der Leine trainiert. „Die Hunde leben in Gruppen und haben einen gemeinsamen Auslauf. So verbessert sich nicht nur das Sozialverhalten gegenüber dem Menschen, sondern auch gegenüber den Artgenossen“, begründet Sebastian Schiffer. Auch das mache den späteren Umgang mit dem Tier leichter.
Aber nicht nur die Tierheimmitarbeiter sorgen sich um das Wohl der Tiere. Auch aus der Bevölkerung und von Gewerbetreibenden erhält die Einrichtung Unterstützung, auf die sie dringend angewiesen ist. „Dafür möchten wir uns ganz herzlich bei allen Spendern bedanken“, so Tierheimchef Matthias Haupt. „Jeder Euro und jede Futterdose hilft uns.“
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