Erfurt (dp) – Ein großer Bahnhof für eine kleine Eisenbahn: Thüringens Verkehrsminister Christian Carius hatte sich Zeit genommen, Erfurts Ordnungsdezernent Dietrich Hagemann war gekommen und dazu jede Menge Leute, die mit dem Betrieb verbunden sind.
Sieben Herren und eine Dame: Christian Carius, Volker Heepen, Dietrich Hagemann, Matthias Plhak, Michael Hecht, Christian Hagans und Heidemarie Mehler schauen Wolfgang Kleemann am Computer über die Schulter.
© Foto: dpAm Freitag, 2. März 2012, wurde am Rasenrain in Erfurt die neue Leitstelle der Erfurter Bahn eingeweiht. Sie ist das neue Herzstück in dem historischen Gebäudekomplex im Nordosten der Stadt. Rund um die Uhr machen hier zwei Mitarbeiter Dienst. Neben der betrieblichen Überwachung haben sie auch neue Aufgaben. Das sind u. a. die Optierung und Dokumentation der Pünktlichkeit der Züge, das Beantragen von Anschlussgewährungen, die Einleitung von Schienenersatz bei Störungen sowie die Überwachung von Auskunftsystemen, Fahrgastzähleinrichtungen, Fahrkartenautomaten und die betriebliche Aufarbeitung.
Das alles geschieht nun deutlich transparenter und zuverlässiger, weil die Leitstelle direkt zum Personal und den Fahrgästen Kontakt aufnehmen kann. Denn die Erfurter Bahn hat es geschafft, als erste nichtbundeseigene Eisenbahn die Pünktlichkeit der Züge im elektronischen Fahrplan (www.bahn.de) anzeigen zu lassen. Für diese Webseite gibt es seit einem Jahr einen Testlauf. Über die Leitstelle werden die Informationen sofort an die Internetseite und an die Systeme zur Fahrgastinformation an den Bahnhöfen weitergegeben. Und zwar in Echtzeit, und das ist einmalig in Deutschland. Pünktlich zum Start des Dieselnetzes Ostthüringen am 10. Juni 2012 werden diese Echtzeitinformationen auch in dem System „INSA – Informationssystem Nahverkehr Sachsen-Anhalt“ zur Verfügung stehen.
Davon profitieren alle Fahrgäste, die die Züge der Erfurter Bahn nutzen – sei es in Richtung Arnstadt/Ilmenau, nach Bad Langensalza, Leinefelde, Kassel oder Schweinfurt. Seit 2010 suchte der Freistaat mit einer europaweiten Ausschreibung einen neuen Betreiber für das Dieselnetz Ostthüringen. Es sollten neue Maßstäbe für den Schienenpersonennahverkehr gesetzt werden. Dabei wurde auch die Bereitstellung von sogenannten Echtzeitinformationen gefordert, die die Basis für eine bessere Fahrgastinformation am Bahnhof, im Internet und im Zug darstellen. Und Echtzeit bedeutet nicht nur schnell, sondern sofort. Den Zuschlag zur Betreibung dieses Dieselnetzes hat die Erfurter Bahn bekommen. Und so kam der 240-Mitarbeiter-Betrieb zu der neuen Leitstelle. „Mit unserer Vergabekonzeption stärken wir den Wettbewerb auf der Schiene“, sagte Verkehrsminister Christian Carius. „75 Prozent der Leistungen im Schienenpersonennahverkehr haben wir mittlerweile europaweit ausgeschrieben. Das wird eine neue Qualität in Thüringen geben.“ Dazu gehören auch Fahrplanverbesserungen. Es wird stündlich durchgehende Verbindungen von Leipzig über Gera nach Saalfeld geben, die Fahrzeit verkürzt sich dabei um 15 Minuten. Und zwischen Weimar und Kranichfeld gibt es dann morgens einen 30-Minuten-Takt. Bei allen Verbindungen – ob alte oder neue – kommt die Information aus der neuen Leiststelle. Dass sich die kleine Bahn so entwickelt, hätte im Jahr 1997 sicher noch niemand so richtig gedacht. Damals schrieb der Reporter, der die Bahn heute gern lobt, anlässlich des ersten Verkehrsvertrages der Erfurter Bahn: „Statt Schweinehälften transportieren sie jetzt Menschen!“ Das hat Heidemarie Mähler, die damals und heute die Chefin der Erfurter Bahn ist, nicht vergessen und zitiert es immer noch.
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