Arnstadt (ke) - Große Wahlkampfveranstaltungen wird es bei ihm nicht geben, sagt Christian Hühn, Kandidat der SPD für das Bürgermeisteramt in Arnstadt. Das sei nicht mehr zeitgemäß. Und so geht er lieber auf die Straße, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen.
Im Gespräch mit unserer Zeitung gewährte er Einblicke in die spezielle Art seines Wahlkampfes, aber vor allem in seine Pläne für seine Heimatstadt Arnstadt.
Haustürbesuche und die sich daraus ergebenden Gespräche gehören derzeit zum Wahlkampfalltag des 39-Jährigen. Jeden Dienstag ist er zwischen 10 und 11 Uhr am Hopfenbrunnen anzutreffen. Dort sucht Christian Hühn den direkten Kontakt zu den Passanten. „Ich möchte die Menschen wieder für kommunale Geschicke interessieren, sie aus dem Privaten zurückholen.“ Dafür müsse man auch schon mal an ihren Türen klingeln. Und das tut der selbständige Goldschmied auch bei Bürgern, die sich in den vergangenen Jahren zurückgezogen haben, deren Meinungen zur Entwicklung der Stadt ihm aber sehr wichtig sind.
Die Innenstadt und ihre zukünftige Gestaltung haben für ihn oberste Priorität. Als Vorsitzender des „Kuratoriums St.Georg e.V.“ liegt ihm mit dem „Spittel“ nicht nur die Sanierung und der Erhalt eines der ältesten Gebäude der Stadt, sondern auch all die anderen Baudenkmäler des Altstadtkerns besonders am Herzen. „Ein zweiter Pol mit einer größeren innerstädtischen Handelseinrichtung könnte mehr Kundenbewegung in die Innenstadt bringen“, hofft das Stadtratsmitglied. Man könne nicht nur auf das Erfurter Kreuz abzielen.
Und auch der Frage nach seiner eher künstlerischen Ader und im Fall einer Wahl eventuell auftretenden Problemen mit der auf ihn einströmenden Verwaltungsflut weicht Hühn nicht aus: „Es gibt sehr fähige Leute in der Stadtverwaltung. Ich setze auf deren Loyalität.“ Es sei nur ein Teil des Bürgermeisteramtes, die Verwaltung zu führen. „Der Bürgermeister ist auch erster Repräsentant der Stadt. Hier müssen wir einiges an Reputation für die Stadt wiedergewinnen.“ Arnstadt müsse wieder als weltoffen und tolerant gelten, so Hühn. Allerdings dürfe auch für ihn Kultur nicht Selbstzweck sein. Vielmehr sollten in Arnstadt wieder „spontane Abenderlebnisse“ möglich sein. Ein kommunales Kino wäre dafür nur eine Möglichkeit. Veranstaltungen wie der „Bach-Advent“ oder „Künste in Haus und Hof“ seien nicht nur geeignet, das kulturelle Leben in Arnstadt zu bereichern, sondern schaffen auch Orte, an denen sich Öffentliches und Privates überschneidet. Und so öffnet auch Hühn immer wieder sein Haus in der Zimmerstraße für Gäste - sei es zur Hausmusik oder für einen Besuch in seinem kleinen privaten Reklame-Museum.
Auch zu zukünftigen Gebietsreformen und sich ergebenden Gemeindefusionen bezieht Hühn klar Stellung: „Auch ich bin dafür, dass Arnstadt wächst. Aber es kann nur etwas zusammenwachsen, wenn wir den umliegenden Gemeinden auf Augenhöhe begegnen. Wir haben nicht das Recht, Forderungen zu stellen. Vielmehr muss Vertrauen entstehen und sich eine Annäherung schrittweise entwickeln. Dieser Prozess ist viel zu wichtig, um ihn mit Wahlkampfparolen kaputt zu machen.“
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