Meiningen (tk) - Ein wahrhaft bezauberndes Open-Air-Spektakel nahm am vergangenen Wochenende den Meininger Marstall und Schlosspark gefangen. Etwa 40 Jugendliche der Thüringer Schillerstädte Weimar, Jena, Rudolstadt und Meiningen präsentierten dort eine gemeinsame Inszenierung, die unter dem fantasiegeladenen Titel „Fremder Zauber“ stand. Mit Unterstützung des Straßentheaters „TITANICK“ aus Münster und Leipzig ließen die jungen Leute lebendige Bilder entstehen.
Die gemeinsame Inszenierung war das Produkt eines jugendkulturellen Schillerprojektes, zu dem die vier Städte seit 2009 einmal im Jahr aufrufen. Nachdem die jeweiligen Jugendgruppen in den letzten Jahren stets ihre eigenen Beiträge entwickelten und sich dann im Rahmen einer großen Abschlussveranstaltung gegenseitig präsentierten, erarbeiteten sie nun erstmalig einen gemeinsamen Beitrag. Inspiriert von den Worten „Der fremde Zauber reißt die Jugend fort“ - einem Zitat aus Friedrich Schillers „Wilhelm Tell“ - gingen die jungen Akteure der Frage nach, was Jugendliche aus ihrem Alltag zu reißen vermag und wohin es sie dann zieht.
Die Kluft zwischen diesen Welten, zwischen Alltäglichem und Zauberhaftem, Bekanntem und Fremdem, versinnbildlichten die jungen Kreativen vor allem durch eine räumliche Trennung. Während die Alltagswelt im Hof des Marstalles situiert war, wo die Jugendlichen ihre täglichen Pflichten verrichteten und von Monotonie, Stress und Hektik zunehmend vereinnahmt wurden, zog sie der Zauber des Fremden hinaus in den Schlosspark. Eine Windmaschine sorgte dafür, dass auch das Publikum diesen Sog am eigenen Leib zu spüren bekam.
Die künstlerische Leitung durch die Theaterleute von „TITANICK“ kam in der Inszenierung in dreierlei Hinsicht zum Ausdruck: Nicht nur, dass das Spektakel ohne Text aufgeführt wurde und sich das Geschehen vor allem im Marstall inmitten der Zuschauer bewegte - die Jugendlichen banden auch die Elemente Wind, Feuer und Wasser in ihr Spiel ein. Gepaart mit Musik und Choreografie nahm diese zauberhafte Welt mit all ihren Verlockungen nicht nur die Darsteller, sondern auch die Zuschauer gefangen. So riss das Open-Air-Spektakel Akteure und Publikum gleichermaßen aus ihrem Alltag.
Die etwa 40 Jugendlichen im Alter zwischen zwölf und 18 Jahren, die sich im Vorfeld des Schillerprojektes nicht kannten und nur zwei Workshop- bzw. Probewochen zusammen absolvierten, wuchsen in der Inszenierung zu einer eingespielten Gemeinschaft zusammen. Gerade die Unterschiedlichkeit der Charaktere, Fähigkeiten und Vorerfahrungen war es jedoch letztlich, die das Open-Air-Spektakel bereicherte. Bei der Aufführung wirkten neben Schauspielern nämlich auch Tänzer und Nachwuchsakrobaten mit.
Nach zwei erfolgreichen Vorstellungen am Samstag- und Sonntagabend und einer kräftezehrenden Probewoche im Vorfeld haben sich die Jugendlichen nun aber erstmal ihre Sommerferien verdient.
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