Zukunftsweisender Pachtvertrag zwischen Bürgerbrauzunft und Stadt

Bild anzeigen

Trafen sich anlässlich des geschlossenen Pachtvertrags: (vorn) Jan-Henrik Baum, 1. Vorsitzender der Bürgerbrauzunft Nieheim e.V., sowie Bürgermeister der Stadt Nieheim Johannes Schlütz. Im Hintergrund (v.l.): Stephan Kunstein, 1. stellvertretender Bürgermeister der Stadt Nieheim, Herbert Müller, 2. stellvertretender Bürgermeister der Stadt Nieheim, Matthias Eckwert, 2. Vorsitzender der Bürgerbrauzunft Nieheim e.V..

© Foto: privat

Nieheim (ozm) - Seit dem 01.04.21 besteht zwischen der Bürgerbrauzunft Nieheim e.V. und der Stadt Nieheim ein Pachtvertrag für das Gebäude des Biermuseums. Das Biermuseum ist eines von vier Museen des Westfalen Culinariums in der so genannten Nieheimer Museumsmeile.
Der jüngst geschlossene Vertrag hat eine 12-jährige Laufzeit und im Kern das Ziel, ein eigentumsähnliches Verhältnis für die Bürgerbrauzunft Nieheim e.V. herzustellen. Das heißt, die Bürgerbrauzunft soll relativ frei über das Gebäude und die Brauanlage verfügen können. Im Gegenzug kommt die Bürgerbrauzunft über die gesamte Laufzeit des Vertrags für die laufende Unterhaltung des Gebäudes auf. „Wir haben für das Biermuseum damit ein ähnliches Verhältnis geschaffen, wie es bei Sportvereinen und den jeweiligen Sporthäusern und Platzanlagen vor Ort existiert. Laufende Zuwendungen für Pflege und Unterhaltung wie bei Sportvereinen üblich erhält die Bürgerbrauzunft aber nicht,“ so Bürgermeister Johannes Schlütz. Die Stadt Nieheim hat zudem das Recht, das Biermuseum weiterhin für Museumsgruppenführungen sowie standesamtliche Trauungen zu benutzen. Diese werden jeweils gesondert abgerechnet.
An der Entstehung des Vertrages wurde von allen Seiten über mehrere Monate konstruktiv und mit hohem Zeiteinsatz gearbeitet. Der Vertrag musste schließlich gleich mehrere Ansprüche in sich vereinen. Aus Sicht der Stadtverwaltung waren zum Beispiel steuer- und bilanzrechtliche Vorschriften zu beachten. Außerdem musste sichergestellt werden, dass die Bürgerbrauzunft im Vergleich zu anderen Vereinen aus dem Sport- und Schützenbereich möglichst gleichgestellt wird. Der Pächter musste mit Blick auf öffentliche und private Fördermaßnahmen schließlich in eine eigentümerähnliche Position versetzt werden, um nahezu frei über das Gebäude verfügen zu können, da größere Investitionen in das Gebäude ansonsten nicht förderfähig sind.
Die Abstimmungsarbeiten liefen in den letzten Wochen vor Vertragslaufbeginn gemeinsam mit den Vorsitzenden aller Nieheimer Ratsfraktionen sowie dem Bürgermeister auf der einen und sämtlichen Vorstandsmitgliedern der Bürgerbrauzunft Nieheim e.V. auf der anderen Seite.
„Der Höhepunkt war ein extrem konstruktiver Workshop an einem Freitagnachmittag von 16 bis 18 Uhr in der Aula der Katholischen Grundschule. Hier wurden die letzten offenen Fragen geklärt und die Resultate gemeinschaftlich in Vertragsklauseln gegossen,“ so der 1. stellvertretende Bürgermeister Stephan Kunstein, der das Projekt als Mitglied der Bürgerbrauzunft und des Stadtrates gleich auf beiden Seiten begleitete.

Im Namen von Stadtrat und -verwaltung bedankt sich Bürgermeister Johannes Schlütz ganz herzlich bei allen an der Vertragsentwicklung Beteiligten für die äußerst konstruktive Zusammenarbeit sowie den hohen zeitlichen Einsatz, ohne die diese außergewöhnliche Kooperation nicht zustande gekommen wäre. Der jetzt vorliegende Vertrag beschreibt aus Sicht der Stadtverwaltung folgende künftige Zusammenarbeit zwischen Bürgerbrauzunft und der Stadt Nieheim:
Der Verein kann relativ eigenständig in dem und mit dem Gebäude agieren und hat durch die lange Pachtzeit von fast 12 Jahren eine hohe Gewissheit, dass sich Investitionen zum Beispiel in den Brauereibetrieb amortisieren werden.
Das Brauen und das Vermarkten von Bier wird ab sofort vollständig in Eigenregie durch die Bürgerbrauzunft durchgeführt.
Die Stadt Nieheim kann sicher sein, dass sich der Verein sehr gut um das Gebäude, die Museumseinrichtung und die Brauereianlagen kümmern und eine nahezu tägliche Inaugenscheinnahme des Gebäudes und seiner Anlagen stattfinden wird.
Im Falle erforderlicher großer Investitionen am Gebäude kümmern sich Verein und Stadt gemeinsam darum, dass diese vorgenommen und z.B. auch Fördermittel beschafft werden können. Bei größeren Baumaßnahmen und deren Umsetzung kooperieren beide Seiten in Zukunft eng zusammen – das gilt sowohl bei den handwerklichen Arbeiten als auch der Finanzierung.
Die Bürgerbrauzunft und die Stadt Nieheim arbeiten bei künftigen Events wie insbesondere den Holztagen und dem Käsemarkt weiterhin sehr eng zusammen. Gemeinsam wird sichergestellt, dass die Bürgerbrauzunft auch in Zukunft relativ große Mengen Bürgerbier auf den Großevents verkaufen kann, um so die notwendigen Einnahmen für die Unterhaltung und Weiterentwicklung von Gebäude und Inventar des Biermuseums erzielen zu können.
„Die jetzt geschaffene Konstellation bietet für die Stadt Nieheim die Chance, weiterhin über ein 'eigenes´ Bier verfügen zu können, das den Namen der Stadt trägt und damit ein hervorragendes Aushängeschild für die gesamte Gemeinde ist,“ so Bürgermeister Johannes Schlütz.
Die Präambel des Vertrages bringt auch noch einmal deutlich zum Ausdruck, dass der Weiterbetrieb des Biermuseums von großer touristischer Bedeutung für die Stadt Nieheim ist und Stadtrat sowie Stadtverwaltung der Arbeit der Bürgerbrauzunft für die Gemeinde einen besonders hohen Stellenwert beimessen.
Der Weiterbetrieb des Biermuseums wird durch die Bürgerbrauzunft garantiert. Letztere wird in den kommenden Wochen auch die Ausstellung umgestalten und modernisieren und damit auf einen zeitgerechten Stand bringen. „Allein dafür gebührt ihr von Seiten der Ratsfraktionen und der Stadtverwaltung ein ganz besonderes Dankeschön“, so der 1. stellvertretende Bürgermeister der Stadt Nieheim, Stephan Kunstein.
Bürgermeister Johannes Schlütz hält das hohe Engagement und die enorme Kreativität der Bürgerbrauzunft für einen wahren Glücksfall für die Stadt. „In Nieheim wird im Biermuseum seit 2006 wieder ein eigenes Bier gebraut – zunächst durch einen dort fest engagierten Braumeister und dann ab 2009 durch den Kegel-Club „Gut Holz anno 1919“ in enger Zusammenarbeit mit Jan-Henrik Baum aus Merlsheim, der für die Erdinger Brauerei arbeitet und dort zum Braumeister ausgebildet wurde. Die Bürgerbrauzunft Nieheim e.V. wurde schließlich im Jahr 2020 gegründet, um diese alte westfälische und auch in Nieheim fest verankerte Tradition noch lange und in einem institutionellen Rahmen in unserer Stadt fortsetzen zu können.“
Schon während der Entstehungsphase des Vertrags haben sich die Bürgerbrauzunft und die Stadt gemeinsam um eine Förderung aus dem Programm Klima.Sieger von Westfalen Weser bemüht. Aufgrund der seinerzeit schon fast abgelaufenen Bewerbungsfrist war das eine echte „Übernachtaktion“, die jedoch unmittelbar zu einem ersten Erfolg führte: Zur Unterstützung durch einen Energieberater ist der Bürgerbrauzunft in dieser Woche eine Fördersumme in Höhe von 1.000 Euro zugesprochen worden. Ziel ist es, eine energetische Beratung für das Gebäude des Biermuseums zu erhalten und auf dieser Basis ein Konzept zur Entwicklung von Energiesparmaßnahmen (Strom, Heizung, Kühlanlage) in und an dem Gebäude herzuleiten. Das professionell angefertigte Konzept würde es der Bürgerbrauzunft erlauben, sich im nächsten Schritt um eine weitere Förderung von Westfalen Weser zu bewerben, die dann im Falle des Zuschlags auch größere energetische Baumaßnahmen mit vergleichsweise hohen Summen unterstützen würde.

Möchten Sie diesen Artikel

Versenden Drucken
Anzeige

Diesen Artikel versenden

Absender-E-Mail:*
Empfänger-E-Mail:*
Nachricht:*

* Pflichtfelder