Ichtershausen (ke) - Bereits zum dritten Mal beteiligt sich die Regelschule „Wilhelm Hey“ am Hospitationsprogramm des Pädagogischen Austauschdienstes (PAD). Nach Lehrerkollegen aus China und Indien war nun Adel Ismail, Deutschlehrer an einem ägyptischen Gymnasium, für drei Wochen zu Gast in Ichtershausen.
„Diese Hospitationsbesuche sind für uns eine gute Gelegenheit, den Schülern andere Kulturkreise näherzubringen.“, so Schulleiter Thomas Umbreit. Denn wie auch seine Vorgänger in den vergangenen Jahren brachte auch Adel Ismail vor allem den Klassen 5 bis 7 in einigen „Schnupperstunden“ nicht nur die arabische Schrift und Sprache, sondern auch die Kultur des Landes etwas näher.
Wenn Adel Ismail nun an sein Gymnasium in Schibin-El-Kanater, 45 Kilometer nördlich von Kairo zurückkehrt, wird er wieder viele neue Eindrücke mitnehmen. Zwar ist es bereits sein zehnter Besuch in Deutschland und Lehrmethoden wie Gruppen- und Partnerarbeiten versucht er bereits seit Jahren auch in seinem Unterricht umzusetzen, allerdings gehört er damit immer noch zu einer Minderheit im ägyptischen Lehrpersonal. „Es ist eine Katastrophe. Bei uns in Ägypten gibt es nur Frontalunterricht. Das ist natürlich einfacher für die Lehrer, aber ich möchte gern die in Deutschland gesammelten Erfahrungen praktisch mit meinen Schülern umsetzen“, so der Pädagoge, der in diesem Jahr sein 30. Dienstjubiläum feiert. Und er beklagt auch die Auswirkungen, die der unmotivierte Unterricht auf die Schüler hat: „Die meisten Gymnasiasten gehen vormittags gar nicht mehr in die Schule. Schließlich zahlen ihre Eltern ihnen am Nachmittag Nachhilfeunterricht. Und auch wenn in Ägypten eigentlich Schulpflicht herrscht und Schüler nach 15 Fehltagen der Schule verwiesen werden müssen, finden die Eltern immer Mittel und Wege, dies zu verhindern.“
Und auch die momentane politische Situation in seinem Land lässt ihn natürlich nicht kalt. Allerdings steht er der Revolutionsbewegung sehr kritisch gegenüber: „Wir sind in Ägypten nicht in einer Demokratie aufgewachsen. Viele Ägypter verstehen den Demokratiebegriff falsch und denken, dass sie nun machen können, was sie wollen. So werden wir keine Ruhe im Land bekommen, da bin ich pessimistisch. Ich weine um Ägypten.“
Aber nicht nur Hospitationen und Schnupperstunden gehörten zu seinem Deutschlandprogramm. Gemeinderatssitzung, Empfang beim Bürgermeister, Schulleiterdienstberatung… Aber auf etwas freute sich Adel Ismail besonders: „Seit ich vor fast drei Wochen in Deutschland angekommen bin, warte ich auf Regen. Hier zu sein ohne Regen und Schnee, das ist für mich nicht typisch deutsch.“ Und dank Schulleiter Thomas Umbreit wird er zumindest Schnee sehen. Der hat ihn zu einem Ausflug in die Skihalle nach Oberhof eingeladen. „Ich habe etwas Angst, weil ich das noch nie gemacht habe. Aber Herr Umbreit hat mir Mut gemacht und jetzt freue ich mich darauf“, so der 55jährige Austauschlehrer voller Vorfreude. Sicher noch ein bleibendes Erlebnis, das er mit nach Ägypten nehmen wird.
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