Ausstellung über das Schicksal der Sinti und Roma im Dritten Reich

Erfasst, entrechtet, ermordet

Meiningen (tk) - „Der nationalsozialistische Völkermord an den Sinti und Roma“ ist der Titel einer bewegenden Ausstellung, die seit dem 5. Oktober 2011 am Bildungszentrum der Thüringer Polizei in Meiningen zu sehen ist. Diese zeichnet die stufenweise Verfolgung, Entrechtung und Vernichtung der Sinti und Roma im nationalsozialistisch besetzten Europa nach.

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Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma, führt Innenminister Jörg Geibert durch die Ausstellung.

© Foto: Tina Kwiatkowski

Sinti und Roma leben schon seit mehr als sechs Jahrhunderten in Europa. In ihren jeweiligen Heimatländern bilden sie alteingesessene nationale Minderheiten, wobei die aus West- und Mitteleuropa stammenden Angehörigen dieser Minderheit als „Sinti“ und die aus Ost- und Südosteuropa stammenden Angehörigen als „Roma“ bezeichnet werden. Als anerkannte nationale Minderheit und deutsche Staatsbürger leben in der Bundesrepublik Deutschland heute etwa 70.000 Sinti und Roma.

Die als Wanderausstellung konzipierte Präsentation des Heidelberger Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma, die derzeit im Bildungszentrum der Thüringer Polizei zu sehen ist, beschäftigt sich mit der systematischen Verfolgung, Ausgrenzung und Ermordung dieser historischen Völkergruppe im Dritten Reich, welche erst 1982 offiziell als „Völkermord“ anerkannt wurde. Die Formen der gesellschaftlichen Ausgrenzung und alltäglichen Diskriminierung der Sinti und Roma reichten dabei vom Ausschluss aus der Wehrmacht über die Verbannung der Menschen aus dem Arbeitsleben bis hin zum Ausschluss der Kinder aus den Schulen. Die Heidelberger Ausstellung gewährt in textlich und bildlich ergreifender Weise Einblicke in individuelle Verfolgungsschicksale einerseits und offizielle, nüchterne Dokumente der Nationalsozialisten andererseits.

Offiziell eröffnet wurde sie am Mittwochnachmittag von Thüringens Innenminister Jörg Geibert im Beisein zahlreicher Gäste aus den Bereichen Politik, Bildung und Kultur. Romani Rose vom Zentralrat Deutscher Sinti und Roma, der die Kooperation mit dem Meininger Bildungszentrum ins Leben gerufen hatte, bezeichnete es in seiner Ansprache als „nicht selbstverständlich“, dass eine Ausstellung wie diese in einer polizeilichen Einrichtung zu sehen ist. Schließlich war die deutsche Polizei als Vollzugsorgan der staatlichen Gewalt an der Verfolgung der Sinti und Roma maßgeblich beteiligt. Die heutige Polizei sei jedoch eine andere, eine demokratisch legitimierte Polizei, die sich dem Schutze der Würde des Menschen verpflichtet hat. Als besonderer Ehrengast wohnte der Ausstellungseröffnung der 84-jährige Sinto Hubert Weiß bei, der die Konzentrationslager Buchenwald, Bergen-Belsen und Auschwitz überlebte und mit seiner Familie aus dem thüringischen Greußen angereist war.

Die Ausstellung über den nationalsozialistischen Völkermord an den Sinti und Roma ist noch bis zum 31. Oktober 2011 in der oberen Etage des Mensagebäudes des polizeilichen Bildungszentrums in der Meininger Friedenssiedlung zu sehen und nach telefonischer Voranmeldung unter den Rufnummern 03693/850207 bzw. -206 für Besucher und Schulklassen geöffnet.

© Tina Kwiatkowski

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