Heimat- und Kulturverein

Dorfbegehung zu „ 925 Jahre Gieselwerder“

Gieselwerder (hai) - Von der Spitzenburg zur Stelle der alten Dorfkirche St. Johannis und weiter zur Wasserburg neben der Weserbrücke führte die Begehung des Vereins Heimat und Kultur Gieselwerder.

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Vereinsvorsitzender Dirk Hofmeister demonstriert den Einsatz des Erdbohrers. Befinden sich im Bohrkern Siedlungsspuren wie Rot- oder Hüttenlehm, Asche oder Holzkohlreste, so kann eine frühere Besiedlung unterstellt werden.

© Foto: privat

Vereinsvorsitzender Dirk Hofmeister konnte 30 Teilnehmer bei fast zu gutem Sommerwetter auf dem Gelände der ehemaligen Spitzenburg willkommen heißen. Jetzt steht dort die Gartenhütte „Mabu’s Ranch“ des Heimat- und Verkehrsvereins. Kaum vorstellbar für die Betrachter ist, dass sich dort im Mittelalter eine Insel befand, die von Weserarmen umflossen war. Auf dieser Insel hatten die Edelherren/Grafen von Werder einen Gebäudekomplex errichtet mit Maßen von etwa 40 Meter Länge und 10 Meter Breite.
Bei Sondagen wurden Grundmauern von ca. 2 Meter und 1,5 Meter Breite freigelegt. Radarmessungen bestätigten die Größe der Anlage. Scherben mittelalterlicher Keramik fanden sich in großer Menge. Einige Fragmente von Kugeltopfware älterer Machart sind sogar in die Zeit vor das Jahr 1000 n. Chr. zu datieren.
Roland Henne erläuterte die archäologischen Erkenntnisse, zeigte einen Teil der geborgenen Keramikscherben, nach Alter sortiert, für den Zeitraum 950 bis 1300 n. Chr. Im Jahr 1303 wurde die Burganlage geschleift (abgebrochen). Eine am Weg aufgestellte Tafel des „Ecopfades“ gibt Hinweise zur Spitzenburg mit einer Rekonstruktionszeichnung und Fotos von Funden.

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Die Spitzenburg, Keimzelle von Gieselwerder. Rekonstruktionszeichnung des Archäologe Dr. Thomas Küntzel, Göttingen. Der Grundriss entspricht den archäologischen Erkundungen. Der Aufbau könnte so oder ähnlich ausgesehen haben.

© Foto: privat

Die Tour führte dann über die Weserpromenade zum Schifferplatz. Dort befanden sich nach alten Karten „Kirchhof“, „Kirchengut“ und „Pfarrgarten“. Das Areal ist heute bebaut bzw. als Wendeplatz der Krämerstraße mit Sitzgruppe (Schifferplatz) gestaltet. Nur eine kleine Fläche des „alten Kirchhofs“ konnte vor 10 Jahren mit Bodenradar und drei kleinen Sondagen überprüft werden. Eine Sondage, die offenbar den Keller eines Gebäudes (Pfarrhaus?) angeschnitten hat, erbrachte eine solche Anzahl von Scherben alter Gefäße des 13./14. Jahrhunderts, dass sich daraus fünf Gefäße zusammenfügen ließen. Diese mittelalterlichen Gefäße, auch solche von der Spitzenburg, sind in der Geschichtswerkstatt des Vereins in Vitrinen ausgestellt.
Grundmauern der Kirche St. Johannis, die dort bis etwa 1580/1600 n. Chr. gestanden haben muss, konnten im Freigelände nicht geortet werden. Vermutet wird der Standdort des Kirchengebäudes im Bereich von Wendeplatz und Schifferplatz.
Letzte Station war der Burghof der ehemaligen Wasserburg neben der Weserbrücke. Von der bis 1240 vom Erzbistum Mainz errichteten Burganlage steht heute nur noch die Umfassungsmauer mit der unteren Hälfte des Bergfrieds. Aus alter Zeit erhalten sind Torbogen und Brunnen, ferner gotische Gewände an der hinteren Pforte. Wie der Burgkomplex ausgesehen hat, veranschaulicht ein aufgestelltes Modell, das nach Kupferstichen des frühen 17. Jahrhunderts angefertigt wurde.

Die Begehung endete im nahen Feuerwehrhaus bei Kaffee und Waffeln. Uwe Hofmeister, Vorsitzender der Feuerwehr, sorgte mit Helferinnen für einen gelungenen Abschluss.

 

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