Oedelsheim/Gertenbach (cj). Mit einem Ausflug zum Institut für ganzheitliche Pferdegesundheit von Conny Jöst, die Teilnehmer vom Reit- und Fahrverein Oedelsheim Einblicke in die Reitlehre der "Légèreté Classique".
Vor der Reise nach Gertenbach hatten sich die 19 Teilnehmer mit einem herzhaften Frühstück in der Tischlerei Schlaf in Oedelsheim gestärkt. Am späten Vormittag erreichte die Gruppe das Anwesen von Conny Jöst in Gertenbach. Beim betreten der Anlage der "Reitschule und Institut für ganzheitliche Pferdegesundheit "Légèreté Classique", fiel den Teilnehmern aus Oedelsheim gleich die großzügige Halle mit der von außen begehbaren Zuschauertribüne ins Auge. In der Halle bestaunten die Pferdefreunde den Hallenboden in seiner speziellen Zusammensetzung - ein Garant für optimale "Geh-Bedingungen". Auch die übrige Ausstattung - von Sattelkammer bis zur pferdetherapeutischen Einrichtung - beeindruckte.
Beachtliches wurde den Teilnehmern dann von der erfolgreichen Behandlung von "Felix", einem 22-jährigen Araber-Welsh berichtet, der auf Grund seines schlechten Gesundheitszustandes schon aufgegeben war, sich nun aber dank der angesetzten Heilmaßnahmen seines Lebens erfreut.
Über Allem steht das Motto:
Gute Gymnastizierung zur Gesunderhaltung des Pferdes ist das Motto, so dass Reiter und Pferd lange Freude an einer harmonischen Partnerschaft haben. Zum besseren Verständnis warum ein Pferd wie geritten und gearbeitet werden sollte, damit es keine physischen und daraus resultierenden psychischen Schäden entwickelt, wurde die Anatomie des Pferdes erläutert und praktisch am Pferd dargestellt. Einblicke in die Arbeit des Physiotherapeuten, seinen verschiedenen Behandlungs- und Therapiemöglichkeiten und wie Bewegungseinschränkungen beim Pferd erkannt werden können, rundeten den ersten Teil der Veranstaltung ab.
In einem Vortrag erläuterte Conny Jöst die Philosophie der" Légèreté Classique" – die Kunst des Verstehens des Reitens auf der Grundlage Pferde so zu Bewegen und zu Reiten, dass das Pferd mit leichter Hand und unter größtmöglicher Rücksicht auf Charakter, Gesundheit und Anlagen des Pferdes gearbeitet wird. Das Pferd soll sich möglichst lange ohne gesundheitliche Probleme bewegen können. Am Nachmittag wurde dann die Theorie an Praxisbeispielen in der Halle präsentiert. Der 22-jährige "Felix" wurde an der Doppellonge vorgeführt. Die Freude des Pferdes an dieser Arbeit war offensichtlich. Die Teilnehmer bekamen im Anschluss Einblicke in die tägliche Arbeit mit den Pferden unterschiedlicher Alters- und Ausbildungsstufen. Dabei wurde die Arbeit an der Longe, und unterm Sattel gezeigt. Glanzpunkt war die Showeinlage von Conny Jöst auf „Metador" zu spanischer Musik. Der prächtige, 18-jährige Andalusier-Hengst zeigte alle Gänge und Touren der Hohen Schule. Die Einheit von Pferd, Reiterin und Musik war ein akustischer und visueller Genuss. Conny Jöst erläuterte die gegensätzliche Art der heutigen modernen Ausbildung im Vergleich zur „Klassischen Reitlehre", die bereits vor über 2000 Jahren von „Xenophon" (einem Schüler des Sokrates) schriftlich dokumentiert wurde. Die Gültigkeit dieser klassischen Reitlehre ist bis Heute ungebrochen und wird u.a. an der Spanischen Hofreitschule in Wien praktiziert. Dort erfreuen sich die Pferde, die nach dieser klassischen Reitlehre ausgebildet sind, bis ins hohe Alter ihre Reiter und brillieren in Schauvorführungen weltweit. Die klassische Ausbildung beginnt beim Pferd frühestens mit vier Jahren und erstreckt sich über viele Jahre. Alleine für die Grundausbildung wird ein Zeitraum von bis zu zwei Jahren veranschlagt, je nach Talent des Pferdes. "Matador" sei gerade im richtigen Alter für große Leistungen der Hohen Schule, erklärte Conny Jöst. Wirtschaftlich gesehen sei diese Ausbildung eher nicht effizient. Dies sei der Grund, warum nicht vorrangig nach dieser Reitlehre geritten wird.
Abgerundet wurde der Tag mit einem gemeinsamen Essen, bei dem weitere Fragen gestellt und Gedanken ausgetauscht werden konnten. Zufrieden und durch erstaunliche Erkenntnisse bereichert, traten die Pferdefreunde die Heimreise an.
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