Ilm-Kreis (ke) - Geht man nach der deutschen Gesetzeslage, sollte jedes Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten unter seinen Angestellten fünf Prozent Mitarbeiter mit Behinderungen haben. Dies ist zwar nicht in jeder Branche ohne weiteres möglich, sollte aber Minimalziel sein.
Die Leiterin der Agentur für Arbeit Arnstadt, Martina Lang und Garant Prokurist Udo Spangenberg schauten Elke Seidel und Danny Büchner bei der Arbeit an den Stilrahmen über die Schulter.
© Foto: Kerstin EngelmannWie es in einzelnen Unternehmen funktioniert, davon überzeugten sich Mitarbeiter der Agentur für Arbeit Erfurt eine Woche lang bei einer Tour durch ihren Geschäftsbereich. Am Montag machten sie im Ilm-Kreis Station.
Das Stadtilmer Gelenkwellenwerk (GEWES) gehört zu den Thüringer Firmen, die die gesetzlich geförderte Beschäftigungsquote für schwerbehinderte Arbeitnehmer freiwillig überbietet. Dies sei zwar so nicht beabsichtigt gewesen, hätte sich aber im Laufe der Jahre ergeben, so Martin Röder, geschäftsführender GEWES-Gesellschafter. 24 der 350 Mitarbeiter des Unternehmens haben einen Schwerbehindertenstatus. „Hinter jedem von ihnen verbirgt sich eine eigene Geschichte“, so Personalchef Dieter Holletschke und er ergänzt: „ Die meisten sind durch Erkrankungen oder Unfälle in die Schwerbehinderung gerutscht. Wir haben dann nach Möglichkeiten gesucht, diese oft langjährigen Mitarbeiter weiter im Unternehmen zu beschäftigen.“ Dass dies nicht immer einfach war, ergibt sich schon aus der meist schweren körperlichen Arbeit, die aus dem Umgang mit den großen und schweren Produkten des Unternehmens resultiert. „Aber wir haben Nischen wie beispielsweise in der Qualitätskontrolle finden können. Denn es ist gerade für Menschen, die nach einem Unfall oder durch eine Erkrankung plötzlich mit Einschränkungen leben müssen wichtig, dass sie sie sich gebraucht fühlen“, begründet der Firmenchef sein scheinbar selbstverständliches soziales Engagement für seine Mitarbeiter. Aber es gibt auch Fälle wie Martina Günther. Bereits mit einer körperlichen Behinderung geboren, arbeitet sie seit 1979 im Stadtilmer Unternehmen.
Auf ihren Job im Büro wirkt sich die Beeinträchtigung nicht aus. Vielmehr bemerke sie sie bei der Arbeit gar nicht. Die positiven Erfahrungen machen es auch Martin Röder leichter, Menschen mit Behinderungen im Unternehmen weiter zu beschäftigen. Denn bei allem sozialen Engagement müsse am Jahresende auch die Bilanz stimmen, so der Unternehmer.
Als zweite Station stand die Arnstädter Behindertenwerkstatt „Am Kesselbrunn“ auf dem Besuchsprogramm. Hier informierte Werkstattleiter Holger Högner über die Produktivität seiner Mitarbeiter. Die in Arnstadt ansässige Garant Türen und Zargen GmbH arbeitet seit fast 20 Jahren eng mit der Werkstatt zusammen. Vergaben sie zuerst ausschließlich Aufträge zum Abpacken von Zubehörteilen, kam inzwischen auch noch die Fertigung von hochwertigen Design-Stilrahmen hinzu. „Dabei handelt es sich immerhin um ein Umsatzvolumen von 200.000 Euro“, betonte Garant Prokurist Udo Spangenberg, der sich sogar noch eine Erweiterung der Zusammenarbeit vorstellen kann. „Bei der Qualität machen wir allerdings keine Abstriche. Die Anforderungen sind dieselben wie an jeden anderen Zulieferer“, stellte er klar. Wenn am Ende dieses Jahres mindestens 400.000 Zargen das Garant-Werksgelände verlassen haben werden, lag jeder ein in der Behindertenwerkstatt gepackter Zubehörbeutel bei.
„Leider profitieren Menschen mit Behinderungen bis jetzt kaum vom wirtschaftlichem Aufschwung und den sinkenden Arbeitslosenzahlen“, beklagte Mario Lehwald, Leiter des Jobcenters Ilm-Kreis. Dabei läge ein Riesenpotential für den Arbeitsmarkt genau bei dieser Personengruppe, so Beatrice Ströhl, Chefin der Agentur für Arbeit, da immerhin 60 Prozent über eine abgeschlossene Ausbildung verfügen. Sie ermutigt Arbeitgeber, nicht auf diese qualifizierten Fachkräfte zu verzichten, sondern gegebenenfalls Unterstützung bei der Inklusion schwerbehinderter Mitarbeiter einzufordern.
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