Eisenach (sj) - Das Eisenacher Stadtarchiv hat jetzt eine Schenkung der besonderen Art erhalten.
“Eine kleine Sensation”, sagt Dr. Reinhold Brunner, Archivleiter. Auf zwei CDs befinden sich die Tonbandaufzeichnungen der Lebenserinnerungen des Eisenacher Polizisten Gottfried Böhnhardt. „Dieses zeitgeschichtliche Dokument ist authentisch und vermittelt ein Bild wichtiger Geschehnisse in Eisenach zwischen 1900 und 1930”, so Brunner. Die Schenkung stammt von Volker Reinhold. Er befragte 1959 seinen Großvater über dessen Leben und nahm die Berichte auf Tonband auf. In seiner Jahrzehnte währenden Dienstzeit hat Böhnhardt viel erlebt. Lebhaft erinnerte er sich an die Ereignisse während der Revolution, an die Morde in der Frankfurter Straße im Frühjahr 1920 und an die Streiks in den großen Betrieben während des Kapp-Putsches sowie an die Begegnung mit Adolf Hitler, der am 13. Januar 1927 auf einer Versammlung sprach. Da er die Ideologie der neuen Machthaber nicht vertreten wollte, nahm er 1936 seinen Abschied. Böhnhardt starb am 27. März 1962 in Eisenach. Seinem großartigen Gedächtnis und dem Geschichtsinteresse seines Enkels ist es zu verdanken, dass das Stadtarchiv über eine einmalige „sprechende Quelle” verfügt, die ein Bild Eisenachs in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zeichnet.
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