Gymnasium St. Xaver

Aufforderung zu mehr politischem Engagement

Bad Driburg (ozm) - Es passiert nicht alle Tage, dass eine Schule einen Bundespräsidenten a. D. zu Gast hat. Wie wichtig und wertvoll dies für eine Gesellschaft sein kann, in der sich vermehrt auch Jugendliche von der Politik abwenden, das wurde beim Besuch von Christian Wulff am Gymnasium St. Xaver spürbar.

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Schulleiter Dr. Peter Kleine (links) freut sich zusammen mit den Europa-Beauftragten des Gymnasiums St. Xaver Julia Assmuth (Zweite von rechts) und Nicole Allroggen (rechts) über den Besuch von Bundespräsident a. D. Christian Wulff.

© Foto: privat

Nachdem Christian Wulff bereits am Mittwochabend in der Schulaula einen Vortrag zur Situation Deutschlands und Europas gehalten hatte, in der er auch auf Fragen von Bürgern einging, führte er am Donnerstagmorgen seine Thesen vor Schülern der Jahrgangsstufen 9 bis 12 aus. Dabei sprach er gleich zu Beginn sein junges Publikum direkt an: Sie gehörten einer Generation an, die den Fall der Mauer und den damit einhergehenden hoffnungsvollen Wandel nicht erlebt hätten, den die Rockgruppe „The Scorpions“ in ihrem Song „Wind of Change“ zum Ausdruck gebracht habe. Stattdessen würden sie in einer gesellschaftlichen Atmosphäre aufwachsen, die – ganz im Gegensatz zu der Stimmung 1989 bzw. 1990 – von einer allgemeinen Verunsicherung geprägt sei.
Als Grund dafür führte Wulff drei Herausforderungen an, die im Hinblick auf ihre Tragweite schwer einzuschätzen seien: Der internationale Terrorismus habe Ängste geschürt und das gesellschaftliche Klima nachhaltig verändert. Die Globalisierung erwecke mitunter den Eindruck, die Politik habe jeglichen Einfluss auf die wirtschaftliche Situation Deutschlands bzw. Europas verloren. Und die Digitalisierung ermögliche es in einem viel größeren Umfang, Hass und Misstrauen zu säen, als dies früher der Fall gewesen sei.
Dagegen sei es immer schwieriger, sachliche Argumente anzuführen, die deutlich machten, wie die gesellschaftliche Situation wirklich sei. Und diese stelle sich – objektiv gesehen – viel positiver dar, als viele fanatische Schwarzmaler im Netz glauben machen wollten. An die Schüler gewandt zitierte Wulff die jüngste Shell-Jugendstudie, der zufolge Jugendliche Werte wie Freundschaft und Respekt verträten und sich nach einer offenen, vielfältigen Gesellschaft sehnten. Solch eine soziale Vielfalt sei wichtig, denn sie bereite den Nährboden für Fortschritt und Innovationen, wie Wulff anhand von Beispielen aus der Geschichte belegte. Darüber hinaus sei die Europäische Union ein Garant für Frieden und Freiheit und böte Möglichkeiten, nach denen sich viele Menschen auf der Welt sehnten.
Allerdings stellten diese Errungenschaften keine Selbstverständlichkeit dar. Vielmehr bedürfe es immer wieder Menschen, die sich für freiheitlich-demokratische Grundwerte wie die Volkssouveränität, die Gewaltenteilung, eine unabhängige Justiz, die Presse- und Religionsfreiheit sowie den Schutz von Minderheiten einsetzten und stark machten. Insbesondere in einer Zeit, in der Populisten mit den Ängsten und Sorgen der Menschen spielten und Schreckensgemälde malten, die mit der Realität nichts zu tun hätten, sollte sich jeder Bürger die Frage stellen, von wem wirklich eine Gefahr ausgehe und was den gesellschaftlichen Zusammenhalt tatsächlich gefährde.
Diese Botschaft spitze Wulff in seinem an die Schüler gerichteten Vortrag noch einmal zu. Er forderte sie dazu auf, die Politik nicht den „Untergangspropheten“ zu überlassen, um später nicht mit leeren Händen dastehen zu müssen. Vielmehr sollten sie die Gesellschaft aktiv durch die Mitarbeit in einer demokratischen Partei mitgestalten. Im Fußball würden Tore schließlich auch nicht von der Zuschauertribüne, sondern nur vom Spielfeld aus geschossen werden.
Inwieweit solch ein Ratschlag von den anwesenden Schülern befolgt werden wird, bleibt abzuwarten. Feststehen dürfte jedoch, dass die Ansprache des Bundespräsidenten a. D. und die Begegnung mit ihm viele beeindruckt und nachdenklich gestimmt haben dürfte. Allein schon aus diesem Grund war der Besuch Christian Wulffs für die Schulgemeinde von großem Gewinn.

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