Unterzeichneten die Vereinbarung zum Projekt ,Familiale Pflege': Thomas Bold, Sprecher der Geschäftsführung der Gräflichen Kliniken in Bad Driburg, und Frank Simolka, Regionaldirektor der AOK NordWest (re.).
© privatBad Driburg (oz) - Pflegende Angehörige haben nachweislich den größten Anteil an der Pflegeleistung in Deutschland. Darauf vorbereitet oder gar geschult sind sie aber in den seltensten Fällen. Meistens trifft sie die schwere Erkrankung eines Angehörigen wie ein Blitzschlag: Ein Sturz, ein Schlaganfall – und nichts ist mehr, wie es war.
Aber nach einem solchen Ereignis werden viele Menschen als Pflegefälle aus dem Krankenhaus entlassen. Angehörige sind dann meistenteils nahezu auf sich allein gestellt und mit der neuen Alltagssituation überfordert. Oftmals werden Patienten deshalb bereits nach kurzer Zeit wieder zur stationären Behandlung eingewiesen. Damit gerade betroffene Angehörige für die Zeit nach einem Krankenhausaufenthalt besser gerüstet sind, haben sich die Gräflichen Kliniken in Bad Driburg, als eine von wenigen Rehakliniken, dem von der Fakultät für Erziehungswissenschaft konzipierten Modellprojekt ,Familiale Pflege' der Uni Bielefeld angeschlossen, das von der AOK NORDWEST allein finanziert wird. Das Projekt basiert auf der Erkenntnis, dass im Zuge der demografischen Entwicklung der Anteil „hochaltriger" Patienten stetig steigt, gleichzeitig aber die Verweildauer im Krankenhaus abnimmt. Mithin besteht zuhause ein vermehrter Pflegebedarf. „Häufig werden pflegende Familien mit der schwierigen Situation zu sehr allein gelassen", sagt Thomas Bold, Sprecher der Geschäftsführung der Gräflichen Kliniken. Hier biete das Projekt ,Familiale Pflege' ideale Hilfestellungen an.
Angehörige von Patienten, bei denen sich ein Pflegebedarf abzeichnet, werden im Rahmen des Projekts gezielt geschult. Dafür sieht das Modell individuelle Pflegetrainings z.B. im Krankenhaus und bei Bedarf auch im häuslichen Umfeld der Betroffenen vor. Initialpflegekurse zur Vertiefung der bestehenden Kenntnisse, sowie Gesprächskreise für pflegende Angehörige gehören ebenfalls zum ‚Gesamtpaket'.
„Die Teilnahme an den Projektangeboten ist kostenlos und unabhängig von der jeweiligen Kranken- oder Pflegekasse. Wir übernehmen die entstehenden Kosten für alle Beteiligten aus den Finanzmitteln der Pflegeversicherung ", versichert Frank Simolka, Regionaldirektor der AOK NORDWEST in Paderborn, ausdrücklich. Er sieht bei der ,Familialen Pflege' auch keine Konkurrenz zum ambulanten Pflegedienst, da der vermehrte Pflegebedarf durch die demografische Entwicklung künftig wohl nicht mehr alleine durch Profis abgedeckt werden kann.
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