Beverungen (ms) - Wem das Orange Blossom Special Festival in Beverungen noch kein Begriff sein sollte, dem fällt es auch schwer es zu finden. Ein unscheinbarer Garten hinter einer altgedienten Villa am Weserufer bot Besuchern quer aus der Bundesrepublik 3 Tage lang musikalische und emotionale Heimat.
Die vielen verschiedenen Kennzeichen an Autos, die die umliegenden Wohngebiete besiedelten, die vielen fragenden Blicke der Fahrradfahrer am Weserradweg, hervorgerufen durch das ungewohnte Campingpanorama am Flussufer, weckten den Eindruck, die Villa und ihr Garten seien eine Pilgerstätte.
Seit 15 Jahren veranstaltet das Plattenlabel Glitterhouse aus Beverungen das OBS Festival und ist seit diesem Zeitpunkt besonders, anders und einzigartig. Es mutet beinahe wie ein großes Familienfest an, dieses Zusammentreffen von jung, alt, ganz alt und Menschen verschiedenster Natur. Sie alle verbindet die Begeisterung für gute, ehrliche Musik.
Das Lineup des Festivals würde bei manchem Veranstalter wohl Kopfschütteln verursachen. Hier kriegen junge, aufstrebende und unbekanntere internationale Bands, neben altgedienten Glitterhouse Künstlern und großen Namen wie Gisbert zu Knyphausen die Chance, sich vor dem wohl dankbarsten Publikum der Welt zu beweisen. Zwischen Weltmusik, Rock und ruhigem Folk finden sich vor der Bühne Menschen wieder, die Musik nach wie vor auf Schallplatte kaufen und solche, die das Ganze nur als Mp3 kennen. Und doch reißen sie alle ihre Hände in die Luft bei Rockmusik wie sie sein sollte von besipsielsweise "The Great Crusades" oder sie lauschen stillschweigend den wunderbaren Stimmen der beiden Damen von "Madison Violet" aus Kanada.
Das breite Grinsen der vielen Künstler nach dem Konzert, die vielen Zugaben und die völlige Zufriedenheit der Zuschauer sind das Ergebnis einer besonderen Verbindung zwischen Publikum und Künstler. Dan Mangan aus Kanada, der wohl den Höhepunkt am Samstag bildete, drückte dieses besondere Gefühl von Zusammengehörigkeit als das großes kollektive Instrument aus, nachdem das ganze Publikum aus voller Kehle den Chorus mitsang.
Im Gegensatz zu den vielen Festivals, die mittlerweile überall in Deutschland veranstaltet werden, setzt man beim OBS neben großartiger Musik auf eine angenehme, friedliche und familiäre Atmosphäre. Das Angebot an Musikfestivals in Deutschland war noch nie größer und doch funktioniert es nur auf dem OBS, dass der Veranstalter zwischen den Auftritten der Bands Falschparker und Fundsachen durchsagt, oder nette Anekdoten und Witze von sich gibt.
Obwohl das Festival eher eines der Kleineren ist, so klingt der Sound, den die Mischer der Anlage entlocken nach Großem. All das Drumherum was dieses Festival so unglaublich liebenswürdig macht, ist etwas Besonderes für alle Bands, die hier einen Tourstop auf dem Weg durch den europäischen Festivalsommer machen. Etwa "Golden Kanine", die den Freitag abschlossen mit einem Mix aus Indie und Folk mit unglaublich gutem Songwriting, Liebe zum Detail und wunderbarem Einsatz von mehrstimmigen Backgroundgesängen und einer Bläsergruppe, die Gänsehaut verursacht. Die Blicke der Band, irgendwo zwischen Rührung, Unglauben und purer Euphorie zeigte, dass hier und jetzt in diesem Garten alles stimmt.
Das Orange Blossom Special ist mehr als ein Festival, es ist ein Zufluchtsort und die Heimat für Bands und Menschen, die die Musik leben, frei von Trends und abseits vom Mainstream. Das Motto des 15. OBS konnte es kaum besser ausdrücken - "You´re at Home Baby ", du bist Zuhause.
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