Pfersdorf (wotan) - Mit einem Festwochenende vom 13. Juli bis 15. Juli 2012 feierte Pfersdorf als ältester Ortsteil der Stadt Hildburghausen den 1.100. Jahrestag seiner urkundlichen Ersterwähnung am 12. April 912.
In einer Urkunde des Benediktinerklosters Fulda wurde der Ort Pfersdorf als Hengistdorf erstmals urkundlich erwähnt. Dieses Dokument war vor der Wende nicht zugänglich, weshalb Pfersdorf damals von einer ersten Erwähnung in einer Urkunde im Jahre 1181 ausgegangen ist und 1981 sein 800-jähriges Jubiläum feierte. Ortsteilbürgermeister Herbert Geißenhöner beschrieb das in seiner Festschrift scherzhaft mit den Worten: „Unser Ort ist in den letzten 31 Jahren um 300 Jahre gealtert“.
Landrat Thomas Müller hob in seinem Grußwort hervor, dass Pfersdorf heute die größte Rindermastanlage Thüringens habe. Bürgermeister Steffen Harzer erwähnte in seinem Beitrag zur Festschrift, in einer Wahl am 19. September 1992 hätten sich 71 Prozent der Pfersdorfer Einwohner für eine Eingemeindung in die Stadt Hildburghausen entschieden, welche am 01. Januar 1994 vollzogen worden ist.
In der wechselvollen Geschichte Pfersdorfs gab es Aufschwung und Niedergang, aber die Pfersdorfer Bürger haben letztendlich alle Widrigkeiten überwunden. Im Jahr 1578 wurde Balthasar Baum als erster Schulmeister angestellt und 1612 ein Pfarrhaus und ein neues Schulhaus gebaut.
Der Dreißigjährige Krieg brachte auch den Pfersdorfern großes Leid, von März 1635 bis Januar 1638 sank die Bevölkerungszahl von 30 auf acht und 30 bis 50 Prozent aller Gehöfte waren zerstört. Bereits 1672 gab es wieder 25 Häuser, in denen 53 Erwachsene und 69 Kinder lebten. Im Jahr 1731 folgten eine Missernte und Viehseuchen, auch die Jahre 1816 und 1817 gingen als Hungerjahre wegen außergewöhnlicher Witterungseinflüsse in die Ortsgeschichte ein.
Eine Statistik von 1853 weist für Pfersdorf 276 Einwohner in 60 Wohnhäusern, 159 Schafe, 122 Schweine, 194 Rinder, 38 Ziegen und zwei Pferde aus. Das Jahr 1900 war durch extreme Witterung gekennzeichnet, ein klirrend kalter Winter und ein Sommer mit tropischer Hitze.
Im Ersten Weltkrieg fielen neun Pfersdorfer und neun wurden vermisst. Der Zweite Weltkrieg forderte 18 Tote und fünf Vermisste. Am 07. April 1945 rückte die 11. US-Panzerdivision auch in Pfersdorf ein und beendete den Krieg. 1946 wurde der Schulbetrieb in Pfersdorf wieder aufgenommen. 1947 hatte ein Dürrejahr auch für Pfersdorf verheerende Folgen in Landwirtschaft und Forst.
Im Februar 1956 wurde im Ort eine Konsum-Verkaufsstelle eröffnet und im Juni 1958 fielen die 1945 eingeführten Lebensmittelkarten weg. Im Jahr 1960 war Pfersdorf mit der LPG „Frohe Zukunft“ vollgenossenschaftlich geworden. 1969 erfolgte der Anschluss des Dorfes an die Schönbrunner Trinkwasserleitung und 1975 war das in Eigenleistung erbaute Kulturhaus übergeben worden. Mit 7.400 Tierplätzen ist 1978 eine große Rindermastanlage ihrer Bestimmung übergeben worden.
Nach der Wende gründeten 258 Mitglieder am 01. Juli 1990 das Agrarunternehmen Pfersdorf, 2004 wurde auf den Dächern der Bullenmastanlage eine Photovoltaikanlage mit 6.500 Modulen errichtet und 2007 eine riesige Biogasanlage gebaut.
Am 18. April 2008 fand im Kulturhaus die letzte Veranstaltung statt, ein notwendiger Umbau ist aus Kostengründen vom Hildburghäuser Stadtrat zwei Jahre später endgültig abgelehnt worden.
Das Festwochenende anlässlich der 1100 Jahrfeier begann am 13. Juli 2012 mit einem Festkommers im Landgasthaus Stricker, wo auch die Ortschronik präsentiert wurde.
Am Samstagvormittag schlossen sich eine Traktoren- und Landwirtschaftsgeräteschau sowie ein Oldtimergeschicklichkeitsfahren an. Am Nachmittag starteten ein Kleinfeld-Fußballturnier, Kutschfahrten und Motorsägen-Kunstvorführungen. Den Abend beschloss eine Kirmesveranstaltung.
Während des Festgottesdienstes am 15. Juli 2012 wurde in der Nikolaikirche der jüngste Pfersdorfer – Paul Adrian Brückner – getauft. Für die kulturelle Umrahmung der Kirchenveranstaltung sorgten der Kirchenchor Pfersdorf, der Posaunenchor Hildburghausen und Claudia Steier an der Orgel. Im Landgasthaus Stricker klang das Festwochenende mit einem Frühschoppen aus.
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