Arnstadt (ke) - 19 weitere Stolpersteine erinnern seit dem 10. Mai in der Arnstädter Innenstadt an die Vertreibung und Ermordung jüdischer Mitbürger.
Vor fast auf den Tag genau 70 Jahren mussten die ersten jüdischen Mitbürger Arnstadt verlassen. Nach einem kurzen Zwischenstopp in der Weimarer Viehauktionshalle begann für sie der Transport in das Ghetto Bełźyce. Nur wenige Monate später folgte ein weiterer Transport nach Theresienstadt.
Unter den Augen zahlreicher Vertreter der Stadt, des Stadtrates, ortsansässiger Institutionen und Unternehmen sowie vieler interessierter Bürger und Schülern des Arnstädter Gymnasiums und der Regelschule „Robert Bosch“ fanden 13 Steine ihren Platz vor dem Haus am Ried 7 und sechs weitere in der Marktstraße.
Am Ried erinnerte Jörg Kaps, der sich seit Jahren mit dem jüdischen Leben in der Region beschäftigt und im Auftrag der Stadt die Stolperstein-Initiative betreut und koordiniert, an Hanna Lehmann, die Familie Vorreuter und an neun Mitglieder der Familie Mendel. Ein Teil der Familie Mendel fand damals in Chile Zuflucht und so konnte mit Dr. Eduardo Mendel, der inzwischen wieder in Deutschland lebt, ein Nachfahre an der Zeremonie teilnehmen.
In der Marktstraße 14 erinnern vier Steine an das Ehepaar Stern und ihre beiden Kinder. Direkt neben der Spieloase, in der früheren Marktstraße 6, erinnern jetzt zwei Steine an das Ehepaar Betty und Günther Herbert Leopold. Die Lebensdaten der jeweiligen jüdischen Bürger wurden vom Künstler und Initiator der Stolpersteine Gunter Demnig in den Stein geprägt.
Jörg Kaps dankte allen, die für die Realisierung der neuen Stolpersteine gespendet hatten. Neben der Sparkasse, den Stadtwerken und der evangelischen Kirchgemeinde engagierte sich beispielsweise auch die Klasse 9c des Gymnasiums. Sie veranstaltete einen Kuchenbasar und konnte so die 120 Euro für einen Stein zusammentragen. Gemeinsam mit Jörg Kaps werden die Schüler bald auch wieder zwei Tage auf dem jüdischen Friedhof in Plaue arbeiten.