Erfurt (dp) – Wenn es am 22. April 2012 zur Kommunalwahl geht, wird auch der Oberbürgermeister gewählt oder bestätigt.
Für dieses Amt gibt es sieben Kandidaten zur Wahl. Am Dienstag, 20. März, stellten sie sich im Café Nerly in der Marktstraße vor. Eingeladen hatte der Bundesverband mittelständischer Wirtschaft (BVMW). Da war zunächst Amtsinhaber Andreas Bausewein von der SPD. Er ist 38 Jahre, Sozialpädagoge, verheiratet und hat drei Kinder. Von der CDU stellt sich Michael Panse zur Wahl – 45 Jahre, Betriebswirt, drei Söhne, Vorsitzender der Stadtratsfraktion und Ex-Landtagsabgeordneter. Kathrin Hoyer tritt zum zweiten Mal an. Sie ist 47 Jahre, geschieden, Bilanzbuchhalterin und hat zwei Töchter.
Dr. Gerd Stübner von den Freien Wählern ist 63 Jahre, studierter Physiker, jetzt Finanzdienstleister, verheiratet, drei Söhne. Thomas Kemmerich geht für die FDP ins Rennen. Er ist 47 Jahre alt, Jurist, verheiratet und hat sechs Kinder. Peter Brückner wird von der Piraten-Partei aufgestellt. Er ist 50 Jahre, Software-Entwickler, verheiratet, zwei Kinder. Von den Linken kommt Michael Menzel, 47 Jahre, Rechtsanwalt, parteilos, zwei Kinder. Die erste Frage, die Gerald Bitterberg, Leiter des Kreisverbandes des BVMW und Moderator des Abends, stellte, löste gleich eine rege Diskussion unter den Kandidaten aus. Das war vorauszusehen, ging es doch um die Finanzen der Stadt und darum, wie sich der OB mehr für den Mittelstand einsetzen kann.
Andreas Bausewein versuchte zu erklären, warum die Stadt immense Schulden hat und warum man die auch nicht so schnell abbauen kann. „Wir haben schon eine ganze Mengen Schulden abgebaut“, sagte er. Von Mehreinnahmen haben wir nicht viel, denn die Stadt muss auch handlungsfähig bleiben. Wir haben die Zahl der Arbeitslosen abgebaut und Erfurt wächst, denn es siedeln sich nicht nur Unternehmen an, sondern es ziehen auch Menschen hierher. Und für die Bewohner wird vieles getan. So haben wir beispielsweise die Müllgebühren gesenkt. Aber das wird nicht so wahrgenommen. Und den Mittelstand unterstützen wir, indem wir investieren und auch die meisten Aufträge in der Stadt vergeben. Oder zumindest in Thüringen.“ Das versuche man bei allen Großaufträgen und das wird sich wieder zeigen, wenn die Buga nach Erfurt kommt. Thomas Kemmerich wurde die gleiche Frage gestellt. Er stimmte dem OB im Wesentlichen zu, kritisierte aber, dass beim Personalabbau in der Verwaltung nicht genug getan wird. Das kann man mit Technik erreichen und es würde den Haushalt weniger belasten. Die anderen Kandidaten stimmten mehr oder weniger zu. Michael Menzel vertrat die Meinung, dass man mehr Forderungen an das Land stellen müsse. Die Piraten-Partei möchte gern das Rathaus entern und mehr Transparenz für die Bürger. Ansonsten hat die Partei ihre Strategie und Pläne offenbar noch nicht weiter durchdacht. Gerald Bitterberg kritisierte u.a. auch das Bildungsniveau und dass die Unternehmen bei den Lehrlingen eine Quote von 20 Abbrechern haben. Das sei besonders schwierig für kleine Betriebe, denn sie finden dann oft keinen Lehrling mehr.
Andreas Bausewein schlug vor, dass die Firmen doch verstärkt in die Schulen gehen sollten und werben. Es gäbe da schon gute Beispiele. Michael Panse, der wegen des Jahresempfangs der CDU etwas verspätet gekommen war, brachte das Thema Kindergärten auf den Tisch. „Die sind überlaufen. Und wenn der OB sagt, dass das nicht voraussehbar war, ist das falsch.“ Auch die Gymnasien seien überlaufen, denn es gehen immerhin 40 Prozent der Schüler auf ein Gymnasium. Das waren Dinge, die sich in dem Rahmen nicht klären ließen, das war klar. Aber die Unternehmer konnten sich an diesem Abend ein Bild von den Kandidaten machen und vielleicht schon für sich entscheiden, wem sie ihre Stimme als Oberbürgermeister geben werden. Der 22. April kommt schneller als man denkt. Das Wahlgebiet, das den OB wählt, ist nun mal die Stadt und da haben die mittelständischen Unternehmer sicher mehr als ein Wort mitzureden.