Weimar (BBW/haw) - Die BACH BIENNALE WEIMAR geht in die dritte Runde! 2008 wurde das Festival unter der Schirmherrschaft von Nikolaus Harnoncourt mit der großen Vision ins Leben gerufen, das Bachhaus in Weimar wieder auferstehen zu lassen: Das Festival stellt eine klingende Plattform auch für dieses Großprojekt in der Bachstadt dar. Vom 9.–15. Juli widmet sich das Festival unter dem Titel „Weimar Anno 1712 – der Lutheraner Bach spricht Italienisch“ entgegen gesetzten Einflüssen im Leben und Schaffen Bachs in Weimar. Neu 2012 ist eine Erweiterung der BACH BIENNALE um das Kinder & Jugend Bach & Barockfest KIBA, auch als Referenz an den jungen „Weimarer Bach“ und seine beiden berühmtesten, in Weimar geborenen Söhne Wilhelm Friedemann und Carl Philipp Emanuel Bach.
Auch die 3. BACH BIENNALE WEIMAR (9. bis 15. Juli) soll erneut das lebendige Interesse einer breiten, regionalen sowie internationalen Öffentlichkeit an der Bachstadt Weimar wecken. Weimar war der zweitlängste Schaffens- und Aufenthaltsort von Johann Sebastian Bach. Weimar besitzt ein weiteres Alleinstellungsmerkmal: Hier befinden sich unterirdisch die letzten nachweislichen und gesicherten baulichen Zeugnisse einer Bach-Wohnstätte: die Renaissance-Kellergewölbe seines Wohnhauses am Markt. (Es ist kein Zufall, auch kein Versehen, dass Bach hier „aus der Zeitung heraus“ guckt,,,)
© Foto: Harald Wenzel-OrfEtwas Geschichte
Anlass zum diesjährigen Programm geben geschichtliche Fakten: 1712 begann der Hoforganist Bach in Weimar, sich intensiv mit der Musik Italiens zu beschäftigen, was sich unmittelbar in Orgelbearbeitungen Vivaldischer Concerti niederschlug sowie Bachs Kompositionsstil ein Leben lang wesentlich beeinflusste. Als Concertmeister und Kammer-Musicus ab 1714 „sprach“ der Weimarer Bach dann auch Italienisch in seinen Kantaten, den in Weimar entstandenen Frühfassungen der „Brandenburgischen Konzerte“ und anderen. Zugleich stand Bach im Stammland der Reformation Thüringen in der Tradition der Lutherischen Kirchenmusik. Im Rahmen des „Themenjahres Musik“ der Lutherdekade erfährt diese verstärkte Aufmerksamkeit.
Einzigartiges Profil
Das deutschlandweit einzigartige Profil des Bachfestivals exklusiv auf dem Instrumentarium der Epoche setzt auf eine klangsinnliche Erfahrung der Musiksprache des 18. Jahrhunderts als Pendant zu den authentischen Weimarer Bach-Orten und Wirkungsstätten. Orchesterkonzerte, Kammermusik und Solo-Rezitals geben titelbezogene Einblicke: „Frischen Wind aus Bachs Weimarer Meisterwerkstatt“ bringt im Eröffnungskonzert am 13. Juli das französische Barockorchester Gli Incogniti unter der Leitung von Amandine Beyer zusammen mit Organist Michael Kapsner und einer programmatischen Gegenüberstellung Vivaldischer Concerti grossi und den Bachschen Orgelbearbeitungen derselben Werke aus dessen Weimarer Jahren. Italienisches Flair auch im Abschlusskonzert „Bach & Barock – zweisprachig“ mit l´arte del mondo (Leitung: Werner Ehrhardt) und Sopranistin Katja Stuber mit Arien und Kantaten von Bach und Graupner sowie deren italienischen Kollegen Vivaldi, Durante u.a. Direkt hinein in die Lutherzeit und den Beginn der deutschen Mehrstimmigkeit führt die 16-köpfige Schola Stralsundensis (Leitung: Maurice van Lieshout) mit dem Programm „Allein zu Dir“, inhaltliche Luther-Bezüge schaffen Bachs doppelchörige Motetten mit dem Ensemble Cantus Thuringia (Leitung: Bernhard Klapprott). Bach als größter Improvisator seiner Zeit ist Thema in zwei Improvisationskonzerten mit Experten für Alte Musik sowie dem Leipziger Jazz Quartett.
Bachhaus Weimar
Dass Weimar neben Leipzig ein „Bachstadt-Schwergewicht“ ist, thematisiert der Veranstalter des Festivals, Bach in Weimar e.V., im hochkarätig besetzten „Architekturforum Erinnerungsort Bach“ mit international renommierten Experten, darunter Architektur-Theoretiker Prof. Dr. Winfried Nerdinger: Information und Diskussion unter Experten mit Mitgliedern des Weimarer Stadtrates und Bürgern über Perspektiven eines „Bachhaus Weimar“ am einzig aktenkundig gesicherten Wohnort des Weltgenies am Weimarer Markt, der noch die originalen Renaissance-Kellergewölbe und Grundmauern aus Bachs Zeit birgt.
Seit dem Abriss der letzten überirdischen Reste des Bach-Wohnhauses 1989 wird das Gelände als Parkplatz genutzt. „Bach in Weimar“ e.V. ist bezüglich der Entwicklung des Grundstücks im konstruktiven Dialog mit dem Eigentümer.
Die BACH BIENNALE WEIMAR ist neben dem „Kunstfest Weimar Pélerinages“ u.a. als einer der Protagonisten integriert unter das Dach des 2012 durch das Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Technologie neu ins Leben gerufenen, sommerlichen Thüringer Festivals „Weimarer Sommer“.
KIBA-Workshop
Neu zu BACH BIENNALE 2012 ist das KIBA Kinder & Jugend Bach & Barockfest (11. bis 13. Juli): Die „Musik-Bastelwerkstatt“ stellt mit kreativen Workshops, Gesprächs-, Rate-, Werkstatt- und Mitmachkonzerten, Tafelmusik, Ausstellung „Bachs Instrumente“ und Open Stage ein eigen-initiatives, innovatives und exklusives Klassik Jugend- & Kinderfest dar.
Fundierte Musik- und Geschichtsvermittlung auf der Leitlinie der BACH BIENNALE bietet KIBA u.a. in direkter optisch-akustischer Gegenüberstellung von Original- und so genanntem „modernen“ Instrumentarium – dies auch mit Blick in Richtung des Profils eines zukünftigen „Bachhaus Weimar“.
Kann man zu einer Musik tanzen, die 300 Jahre alt ist? Gibt es Videoclips, auf denen zur Musik von Johann Sebastian Bach getanzt wird? Und wie hätte sich Michael Jackson zur Musik von Bach bewegt?
Ein Workshop „Bach in Bewegung“ beginnt bereits nächste Woche. Die dabei erarbeitete Performance soll zur KiBa-Eröffnung am 11. Juli aufgeführt werden. Anmeldung unter: (0176) 39 63 89 56 oder www.bachbiennaleweimar.de/kiba! Probenbeginn ist am 29. Mai (ein späterer Einstieg ist möglich), Die Proben laufen vom 29. Mai bis 4. Juli immer dienstags von 15.00 bis 16.00 Uhr im Hochschulzentrum Am Horn, Carl-Alexander-Platz 1, Raum 0.10. Der Kurs ist geeignet für Kinder und Jugendliche im Alten von 6–14 Jahren. 12 Plätze stehen zur Verfügung, Die Kosten betragen 12 Euro. Mitbringen: Bewegungsfreundliche Kleidung, rutschfeste Socken / Gymnastikschuhe.
Weitere zwei Workshops befassen sich mit „Ayn gutt Speys und Tranck im Hause Bach“ und mit Orgelpfeifenbau. Doch eigentlich sind die unter dem Stichwort KiBa gebündelten 18 (!) Veranstaltungen vom 11. bis 13. Juli eine große „Musik-Bastel-Werkstatt“ mit Open Stage, Ausstellung, Lunch-Konzerten und eben viel Musik. Dafür können Tageskarten, aber auch ein Festivalpass erworben werden.
Festival-Orte
Festsaal und Gentzsches Treppenhaus des Residenzschlosses Weimar / Katholische Kirche / Jakobskirche / Wittumspalais / Schloss Ettersburg, Gewehrsaal / Schießhaus Weimar: der neue, beliebte Weimarer Spielort: das erste Weimarer Ballhaus von 1805, Goethes „Lustgebäude“ / Barocker Saal der Musikschule "Ottmar Gerster
Das gesamte Programm steht unter www.bachbiennaleweimar.de. Kartenvorverkauf: Telefon (0 36 43) 745 745.