Erfurt (dp) – Wie, eine Steppe in Thüringen? Das kennt man doch eher von Osteuropa oder Südamerika.
Weit gefehlt, auch in Thüringen gibt es Steppen, diese baumlosen Graslandschaften, die vor allem in Gebieten mit weniger als 500 Millimeter Jahresniederschlag vorkommen. Wir kennen Steppen am Wipperdurchbruch, am Bottendorfer Hügel, den Trockenrasen bei Herrnschwende, die Spatenberge bei Hemleben, den Schwellenbruch bei Erfurt und die Keuperhügel bei Mühlhausen. Eine Sonderausstellung „Karge Schönheit – Steppenrasen in Thüringen“ im Naturkundemuseum beschäftigt sich damit. Sicher sind diese Steppen kein Vergleich mit denen, die man in Asien oder Amerika findet, aber sie verdienen den Namen.
Leider haben Steppen nur wenige Überlebenschancen. Auf den fruchtbaren Schwarzerde-Standorten haben sie fast vollständig dem Ackerbau den Weg frei gemacht. Lediglich auf Extremstandorten, wie an steilen Hängen, konnten die Steppenrasen überleben. Die dort vorkommenden Pflanzenarten müssen besonders an Trockenheit und Nährstoffarmut angepasst sein. Dazu gehören viele seltene und gefährdete Arten wie Federgräser, Frühlings-Adonisröschen, Stengelloser Tragant oder der Steppenspitzkiel, den es nur dort gibt. Auch seltene Tierarten haben hier ihr Domizil: Die Mongolen-Lerche, das Bartrebhuhn, die Ohren-Lerche, der Neuntöter, Grauammer oder Feldlerche. Auch die Zwergheide-Schnecke, die in Thüringen erstmals entdeckt wurde, ist in Mini-Größe zu sehen. Da die Steppenrasen in Thüringen im Laufe der Zeit mit Gehölzen zuwachsen würden, muss die traditionelle Beweidung mit Schafen und Ziegen langfristig gesichert werden. Das stellt allerdings ein Problem dar, weil sich kaum noch Schäfer und Herden finden.
Die Schäferei lohnt sich nicht mehr, denn es ist billiger Importe aus Neuseeland zu kaufen als von einheimischen Schäfern. Diese Ausstellung im Naturkundemuseum, die von Henryk Baumbach gestaltet wurde, gibt einen Einblick in die einmalige Flora und Fauna der Steppenrasengebiete in Thüringen. Sie macht auf ihre Gefährdung aufmerksam und stellt Maßnahmen zum Schutz dieser besonderen Lebensräume vor. Diese Sonderausstellung ist noch bis zum 30. September 2012 im Naturkundemuseum in der Großen Arche zu sehen.
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