Erfurt hat gewählt

In Erfurt stellen sich sieben Kandidaten zur Wahl

Erfurt (dp) –  Die vorläufige Wahlbeteiligung bei der Wahl zum Oberbürgermeister sieht gegenwärtig wie folgt aus: 

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Andreas Bausewein gewann die Wahl mit 59,2 Prozent und 43.332 Stimmen.

© Foto: dp

Kurz vor 20 Uhr stand das vorläufige amtliche Endergebnis fest. Das endgültige Ergebnis wird es erst nächste Woche geben, wie Wahlleiter Rainer Schönheit mitteilte. Und das lautet: Andreas Bausewein (SPD) gewinnt die Wahl haushoch mit 59,2 Prozent, das sind 43.332 Stimmen. Auf Platz zwei folgt Michael Panse (CDU) mit 14,9 Prozent und 10.886 Stimmen. Auf Platz drei liegt Michael Menzel (Die Linke) mit 9,8 Prozent und 7.210 Stimmen. Ihm folgt auf Platz vier Kathrin Hoyer (Grüne) mit 4,7 Prozent und 3.473 Stimmen. Dr. Bernd Stübner errang für die Freien Wähler 3,2 Prozent und 2.371 Stimmen. Abgerutscht ist die FDP mit ihrem Kandidaten Thomas Kemmerich mit 2,6 Prozent und 1.911 Stimmen. Für eine Überraschung sorgten die Piraten mit 5,5 Prozent und 4.042 Stimmen. Gewählt wurde in 119 Stimmbezirken und es traten 169.201 Wählerinnen und Wähler an. OB Andreas Bausewein war die Erleichterung anzusehen. Er war mit Ehefrau Syzan, den Töchtern Franziska und Katharina, Sohn Christian gekommen. Er gönnte sich ein Bier und gratulierte Peter Brückner, seinem Rivalen von den Piraten. „Heute feiere ich noch ein bisschen und morgen bin ich ausnahmsweise mal nicht um 7 Uhr am Schreibtisch“, sagte er. Michael Panse ist etwas enttäuscht und sieht es sportlich. „Bei den Amerikanern heißt es, dass der zweite Platz der erste Verlierer ist“, sagte er. „Wenn man mit dem Ziel der Stichwahl antritt und dann nur Zweiter wird, ist es schon enttäuschend. Ich würde aber beim nächsten Mal wieder antreten.“ Peter Brückner von den Piraten ist zufrieden. „Wir haben die fünf Prozent geschafft. Wenn uns das im nächsten Jahr bei den Bundestagswahlen gelingt, ist es gut. Ich freue mich für Andreas Bausewein und bei einer Stichwahl hätte er meine Stimme bekommen.“ Für Thomas Kemmerich von der FDP war es klar, dass es ein schwieriger Gang wird: „Es gibt immer einen Trend und wir wussten, dass der Amtsinhaber stark ist. Aber so haben die Erfurter nun entschieden.“ Kathrin Hoyer von den Grünen trat zum zweiten Mal an. „Also, mein Ergebnis ist besser als bei den letzten Wahlen. Ich habe rund 1000 Stimmen mehr bekommen. Die Partei wird weiter gut mit dem OB und dem Stadtrat zusammenarbeiten.“ Nachdem die vorläufige Wahl amtlich bestätigt war, sagte Andreas Bausewein: „Mit einem so deutlichen Ergebnis habe ich nicht gerechnet. Ich habe viel angeschoben und werde sechs Jahre weitermachen. Und: Ich bin wahrscheinlich der Einzige, der ohne Stichwahl gewählt wurde.“ Das gönnen wir ihm von Herzen und gratulieren zu dem tollen Ergebnis.

Nach der Auszählung von 48 von 119 Stimmbezirken verbuchte Andreas Bausewein (SPD) 11.766 Stimmen, Michael Panse (CDU) 3.310, Michael Menzel (Die Linke) 1.936, Thomas Kemmerich (FDP) 549, Kathrin Hoyer (Grüne) 806, Dr. Stübner (Freie Wähler) 705 und Peter Brückner (Piraten) 1.196 Stimmen.

Kommunalwahlen Stand 16 Uhr: Bis zu dem Zeitpunkt haben 36,3 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben, Im Jahr 2006 waren es 28,8 Prozent und 2000 wurden um diese Uhrzeit 30,3 Prozent der Stimmen gezählt.

Zwischenstand der Erfurter Kommunalwahlen: Um 14 Uhr gab es eine Wahlbeteiligung von 27,6 Prozent- Bei der vergangenen Wahl im Jahr 2006 waren es zu diesem Zeitpunkt 22,5 Prozent und im Jahr 2000 kam man auf 22,9 Prozent.

Bis 12 Uhr haben 18,8 Prozent der Erfurterinnen und Erfurter ihre Stimme abgegeben. Bei der vorigen Wahl im  Jahr 2006 waren es zu diesem Zeitpunkt 15,5 Prozent und davor, im Jahr 2000, wurden 18,5 Prozent der Wähler gezählt. Die nächsten Zahlen zur Wahlbeteiligung werden gegen 14.30 Uhr veröffentlicht.

 

Gewählt werden 16 Landräte, elf Oberbürgermeister in den kreisfreien Städten, 88 hauptamtliche Bürgermeister, 32 ehrenamtliche Bürgermeister und sechs Gemeinderäte.  Dazu gibt es 59 Kandidaten für die Landrats-, 30 für die Oberbürgermeister-, 286 für die Bürgermeister- und 300 für die Gemeinderatswahlen. In den mehr als 2700 Stimmbezirken arbeiten etwa 15 000 ehrenamtliche Helfer und Wahlorgane. In der Landshauptstadt Erfurt gehen sieben Kandidaten an den Start. Da ist zunächst Amtsinhaber Andreas Bausewein. Er ist von Beruf Sozialpädagoge, 38 Jahre alt, verheiratet und hat drei Kinder. Ihm ist es gelungen, einen Teil der Stadtschulden während seiner Amtzeit abzubauen.

Er will noch mehr Unternehmen in die Stadt locken, denn damit ziehen auch wieder mehr Menschen hierher bedeutet auch mehr Steuern. Der OB warnt davor – auch sich selbst – zu selbstgefällig zu sein und glaubt nicht daran, dass ein Kandidat im ersten Wahlgang die nötigen Stimmen erhält. Für die CDU geht Michael Panse ins Rennen. Er ist Chef der CDU-Stadtratsfraktion und war Landtagsabgeordneter. Michael Panse ist von Beruf Betriebswirt, verheiratet und hat drei Söhne. Der Politiker will frischen Wind ins Rathaus bringen. Dazu gehört, dass er eine bürgerfreundliche Verwaltung aufbauen und keine Schulden mehr machen will. Als Fussball-Fan möchte er, dass ein Stadionneubau Multifunktionszwecke erfüllt.

Kathrin Hoyer von den Grünen tritt zum zweiten Mal an. Sie ist 47 Jahre, Bilanzbuchhalterin und hat zwei Töchter. Als Oberbürgermeisterin würde sie durchsetzen, dass es auf Briefköpfen und Büroschildern auch weibliche Bezeichnungen gäbe und sie Expertinnen an ihrer Seite hätte. Außerdem möchte Kathrin Hoyer eine menschengerechte und nicht autogerechte Verkehrspolitik, was hieße, dass Autos die Innenstadt nur bis zehn Uhr morgens befahren dürften. Für die FDP tritt Thomas L. Kemmerich an.

Der gebürtige Aachener ist verheiratet, hat sechs Kinder und wird wegen seiner Stiefel auch „Cowboy im Anzug“ genannt. Er ist seit 2009 Landtagsabgeordneter und möchte den Haushalt der Stadt auf ein stabiles Fundament stellen. Er ist der Meinung, dass man beim Personalabbau in der Verwaltung beispielsweise mehr tun und damit das Stadtsäckel entlasten könnte. Michael Menzel ist 47 Jahre alt, von Beruf Rechtsanwalt und parteilos. Er war Mitglied der FDP, saß für die CDU im Stadtrat und wurde jetzt von den Linken aufgestellt. Der gebürtige Dortmunder warnt vor einem Stadionneubau. Er will, dass das Land mehr in die Pflicht genommen wird und tritt für einen „fahrscheinfreien Nahverkehr“ ein. OB-Kandidat Dr. Gerd Stübner kommt von den Freien Wählern. Er ist studierter Physiker, arbeitet jetzt als Finanzdienstleister. Dr. Stübner ist 63 Jahre alt, verheiratet und hat drei Söhne. Er wirbt für sich als Sparer bei den Verwaltungs- und Personalkosten - ohne Verwaltungserfahrung zu haben. Er kommt von Links und macht keinen Hehl daraus.

Und wenn es mit dem Amt nicht klappt, geht er in sein gewohntes Umfeld zurück. Die Piraten-Partei möchte zwar das Rathaus entern, hat aber einen ziemlich farblosen Kandidaten aufgestellt. Peter Brückner ist 50 Jahre alt und Software-Entwickler. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Bei den Piraten standen 55 Kandidaten-Vorschläge an, aber nur zwei erklärten sich bereit, zu kandidieren. Einer davon ist er. Peter Brückner ist für Transparenz im Rathaus, hat aber keine weiteren durchdachten Pläne oder Strategien anzubieten. Soweit die Kandidaten für die Landeshauptstadt. Bei der letzten Wahl gab es eine Beteiligung von 37 Prozent. Bei der diesjährigen wird damit gerechnet, dass rund 40 Prozent der Bürger zur Wahl gehen. Per Brief haben bisher 9600 Erfurter gewählt.

© Matthias Gränzdörfer

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