Gotha (st. Kießling) - Das Forschungszentrum Gotha für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien der Universität Erfurt lädt am Donnerstag, 3. Mai, zu einem öffentlichen Vortrag von Olaf Breidbach ein.
Der Jenaer Professor für Geschichte der Naturwissenschaften und Direktor des Ernst-Haeckel-Hauses spricht über „Athanasius Kircher. Universalwissenschaft als frühneuzeitliche Kulturtechnik“. Beginn ist um 18.15 Uhr im Seminarraum des Forschungszentrums (Pagenhaus), der Eintritt ist frei. Der Universalgelehrte Athanasius Kircher (1602−1680) steht am Ende der Entwicklung einer Universalwissenschaft, die er in einer vom Entwurf her großartigen Synthese zusammenzufassen sucht. Dabei formuliert er nicht einfach eine philosophisch-theologische Gesamtschau, seine Synthese ist technischer Art. Er bietet ein Instrumentarium an, mit dem die möglichen Aussagen einer universellen Wissenssystematik konstruierbar sind. Damit schafft er ein Werkzeug, über das er das Feld des möglichen Wissens strukturiert. Faktisch löst er sich so vom Konzept einer theologisch fundierten Universalwissenschaft leibniz‘scher Prägung, in der das Wissen in seinem Bezug auf Gott bestimmt war und der Mensch sein Wissen nur in Bezug auf Gott sichern konnte. Denn in dem Moment, in dem eine Mechanik der Wissensproduktion aufgezeigt wird, die das rekonstruiert, was in der Universalwissenschaft expliziert wird, löst sich der derart generierte Wissenszusammenhang aus dem Anschauungsgefüge dieser Universalwissenschaft. Die Funktion solch einer Mechanik ist unabhängig von deren philosophischer Fundierung zu beschreiben: Genau das macht ihre Eigenart aus, dass sie – einmal konstruiert – eben funktioniert und dabei nicht mehr einfach reproduziert, sondern produziert. Olaf Breidbach gilt als eine Größe auf dem Gebiet der Wissenschaftsgeschichte der Moderne, der theoretischen Biologie und der Weiterentwicklung einer experimentellen Wissenschaftsgeschichte. Er ist Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina. Allein 2011 erschienen von ihm drei Monografien: „Goethes Naturverständnis“, „Radikale Historisierung“ und „Anschauung denken“.