Sich gegenseitig die Hucke volllügen?

Ralf Pollmeier zum Eisenacher Theater

Wartburgkreis/Eisenach - Beim ordentlichen Kreisparteitag des SPD-Kreisverbandes Wartburgkreis am 8. September in Schweina ging es auch wieder um das Landestheater Eisenach.

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Kreisvorsitzender der SPD Wartburgkreis Ralf Pollmeier

© Foto: privat

Von der stellvertretenden Vorsitzenden des Ortsverbandes Eisenach Heidrun Sachse wurde dem Kreisvorsitzenden des SPD Kreisverbandes Ralf Pollmeier mangelnde Solidarität mit den Beschlüssen der Eisenacher SPD in Bezug auf das Landestheater vorgeworfen.

Herr Pollmeier, Sie haben sich schon des öfteren vorgewagt, wenn es um die Existenz des Landestheaters ging - auch beim Kreisparteitag am letzten Samstag. Warum soll gerade das Landestheater dicht machen?

Antwort: Theater in Vielzahl sind eine überholte Institution.

Frage: Wieso?

Antwort: Dazu muss ich in die Geschichte einsteigen. Die Kulturinstitution Theater entstand in der Antike. Die Aufführungen waren ein Massenerlebnis, das tausende Menschen vereinte, diente der Unterhaltung und hatte über Jahrhunderte ein Alleinstellungsmerkmal. Mit dem Aufkommen von Film und Fernsehen entstand dem Theater eine starke Konkurrenz - besonders in künstlerischer Hinsicht.

Frage: Inwiefern?

Antwort: Das künstlerische Niveau von Film und Fernsehen ist höher, weil man auf kein festes Ensemble angewiesen ist, sondern die besten Darsteller für eine bestimmte Rolle verpflichten kann. Insofern braucht man die kleinen Theater für ein Kunsterlebnis nicht mehr, was sich in den Besucherzahlen niederschlägt. Das Landestheater ist zu etwa 66 Prozent ausgelastet, mindestens die Hälfte davon sind Hessen. Es wird also am Bedarf vorbei produziert. Die ähnliche Entwicklung haben wir bei den Tageszeitungen. Bedingt durch das Internet sind die Auflagenzahlen rückläufig. Infolgedessen werden Zeitungen eingestellt.

Frage: Was bedeutet das Ihrer Meinung nach für das Landestheater?

Antwort: Es ist überflüssig. Auch weil es im Umland Theater von bedeutend besserer Qualität gibt. Dazu kommt die desolate finanzielle Situation der Stadt. Und Sie sind erstaunt, dass ich gegen dieses Theater bin?

Frage: Bin ich nicht. Aber in dieser Klarheit hat es noch nie jemand gesagt. Warum formulieren Sie es so deutlich?

Antwort: Weil ich es leid bin, immerzu hinter vorgehaltener Hand zu hören, dass das Theater überflüssig ist, weil man es sich nicht leisten kann. In dieser Thematik stimme ich mit Kultusminister Christoph Matschie überein, weil der für die nächsten zwei Jahre das Geld aus seinem Etat locker machen musste, da Finanzminister Voß nicht einen Cent für das Überleben des Theaters herausrückte.
Bedauerlicherweise lügen sich die Kommunalpolitiker gegenseitig die Hucke voll, weil sie glauben, sich damit das Wohlwollen der Wähler zu erhalten.
Aber spätestens seit der letzten Ratsentscheidung zum Theater hat das Landestheater den Großteil der Bürger gegen sich. Es ist fatal, den Beschluss zu fassen, dass alle frei werdenden Haushaltsmittel für das Theater vorgehalten werden auf Kosten der Löcher, die in den Straßen geflickt werden müssen, auf Kosten der vielen Vereine und auf Kosten der Schulen und Sporthallen und aller anderen, die ebenso nötig Geld brauchen. Das ist nicht zu vermitteln.
Ich schlage vor, eine Bürgerbefragung zum Theater zu machen, damit das Thema endlich vom Tisch kommt.

Danke für das Gespräch, Herr Pollmeier. (Das Gespräch führte Susanne Jirschim)

 

 

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2 Kommentare

Das nenne ich einen Kommunalpolitiker !! Statt zu befürworten, künstlerisch tätige Menschen in einer Stadt zu haben; statt zu schätzen, dass die Mitte einer Stadt nicht nur von Konsumtempeln definiertt ......
von Heiko Senst am 20.09.2012
Herr Pollmeier, wenn Sie einer Opernaufführung nicht gewachsen sind, bleiben Sie meinetwegen einfach bei den Qualitätssendungen Musikantenstadel und xFactor. Aber bestrafen Sie bitte nicht Theatergänger ......
von camilla am 16.09.2012

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