Ratscher (wotan) - Am 16. und 17. Juni 2012 veranstaltete die Suhler Station der DRF-Luftrettung eine medizinische Fortbildung mit etwa 150 Mitarbeitern von Rettungsorganisationen und Kliniken aus den umliegenden Landkreisen.
Vorträge, acht Praxisstationen und eine Großübung beschäftigten sich vorrangig mit Ertrinkungs- und Tauchunfällen sowie Trauma-Notfällen im Wasser.
Die Veranstaltung begann am 16. Juni mit einer theoretischen Unterweisung zu den Grundlagen von Notfällen am und im Wasser, dem Ertrinkungsunfall, den Besonderheiten bei Tauchunfällen sowie Begleitunfällen wie beispielsweise thermischen Notfällen.
Die Fortbildungsteilnehmer bekamen zur Auffrischung den wichtigsten Einblick über den medizinischen Ablauf der präklinischen und klinischen Versorgung bei Ertrinkungsunfällen von Kindern und Erwachsenen. Es folgte ein Vortrag über die Erstversorgung von Sporttauchern nach den neuesten Leitlinien bei einem Barotrauma und einer Dekompressionskrankheit. Auch die Notfallbilder Hitzeohnmacht, Sonnenstich und Unterkühlung wurden behandelt.
An den Praxisstationen konnten die Teilnehmer ihr Wissen anwenden. Wie versorge ich einen Patienten auf einem Motorrettungsboot? Was ist bei einem Tauchunfall zu beachten? Welche Rettungs-, Bergungs- und Suchtechniken wendet die Wasserwacht an? Welche Beatmungsmöglichkeiten/Atemwegsicherung gibt es nach einem schweren Tauch- oder Ertrinkungsunfall? Wie ist ein Verunfallter zu versorgen, der sich bei einem Kopfsprung im flachen Wasser schwere Verletzungen zugezogen hat?
Die Praxisstationen und Übungen wurden von der Thüringer Polizei, dem DRK-Landesverband Wasserwacht Thüringen mit den umliegenden Wasserwachten, der Feuerwehr, der Rettungshundestaffel Waldau/Hinternah, dem Tauchsportverein „Ichthyo“ (Fisch) Suhl e. V. und anderen unterstützt.
So wurde beispielsweise an einer Station der Wasserwacht trainiert, Rettungsringe oder Rettungsleinen Ertrinkenden zielgenau zuzuwerfen.
Am Sonntag, dem 17. Juni 2012 fand eine Großübung statt, bei welcher ein Massenunfall von Verletzten simuliert worden ist. Ein Motorradfahrer streifte an der Wiedersbacher Bucht eine Kremser-Kutsche, die umkippte, verlor die Kontrolle über seine Maschine und streifte eine Fußgängergruppe. Es wurden mehr als 20 Personen verletzt und zwei vermisst.
Das Organisationsteam von der DRF-Luftrettung hatte eine Großübung vorbereitet, die selbst für erfahrene Rettungskräfte eine große Herausforderung bedeutete. Die realistischen Unfalldarsteller (RUDs) waren Personen aus ganz Thüringen, welche medizinisch geschult gewesen sind und ehrenamtlich anhand des Übungsdrehbuches Verletzungen simulierten. Im konkreten Notfall waren Personen unter der Kutsche eingeklemmt, einer „erlitt“ eine große Schnittverletzung am Unterarm, mehrere standen unter Schock und eine „Schwangere“ schrie vor Schmerzen. In diesem chaotischen Durcheinander galt es für die Rettungskräfte Ruhe und Übersicht zu bewahren. Die ersten Notärzte und Rettungsassistenten wurden von dem Kameraden der Feuerwehr aus Wiedersbach und Schwarzbach mit Technik unterstützt.
Boote der Wasserwacht transportierten Verletzte über den See zu einem rasch aufgebauten Versorgungszelt und die Hunde der Rettungsstaffeln aus Marlieshausen und Hinternah wurden zur Suche der beiden Vermissten eingesetzt. Ein Polizeihubschrauber flog sie anschließend zum Sammelpunkt, wo eine Notärztin jeden Verunfallten untersuchte und die Dringlichkeit und weitere Behandlung einschätzte sowie dokumentierte.
Nach etwa 90 Minuten war die Lage unter Kontrolle und die Übung beendet. Die fast einjährige Vorbereitungsarbeit hatte sich gelohnt, alle Beteiligten zollten dem DRF-Team um Tobias Strom Respekt und Anerkennung.
Die Südthüringer können sich glücklich schätzen, in Suhl eine der 31 Stationen der DRF-Luftrettung mit einem der über 50 Rettungs- und Intensivtransporthubschrauber zu haben. Christoph 60 ist täglich von 07.00 Uhr bis Sonnenuntergang am Suhler Zentralklinikum einsatzbereit. Sein Aktionsradius erstreckt sich vom Erfurter Becken bis zum Frankenland und vom Thüringer Wald bis zur Rhön.
Wer Sponsor der DRF-Luftrettung werden möchte, kann das Info-Telefon 0711 70072211 anrufen.
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