Meiningen (tk) - Etwa zweieinhalb Jahre haben sie auf diesen großen Moment hingearbeitet: Nun durften die Abiturienten des Meininger Henfling-Gymnasiums im Rahmen eines zentralen Kolloquiumstages ihre fertigen Seminarfacharbeiten präsentieren. Damit könnten sie das Kapitel „Seminarfach“ eigentlich zu den Akten legen. Drei sympathische Gymnasiastinnen jedoch wollen gerade dies nicht tun.
Claudia Plantz, Laura Hack und Elisabeth Dietzel haben sich in ihrer gemeinsamen Seminarfacharbeit mit dem Thema „Homosexualität“ und deren Wahrnehmung in der Gesellschaft beschäftigt. Dabei mussten die drei Schülerinnen feststellen, dass Vorbehalte gegenüber Homosexuellen allgegenwärtig und insbesondere in den Köpfen von älteren Menschen verankert sind. Wie die angehenden Abiturientinnen aus selbst durchgeführten Befragungen erfahren konnten, führt in den meisten Fällen letztlich Unwissenheit zu Vorurteilen.
Mit einem eigenen Fragebogen, der ihnen Aufschluss über die gesellschaftliche Wahrnehmung von Homosexualität geben sollte, machten sie sich auf den Weg zu einem evangelischen Kirchentag in Dresden sowie in die Meininger Innenstadt. Einen zusätzlichen Blickwinkel gewannen sie durch Gespräche mit zwei homosexuellen Männern. Ein intensives Durchforsten von Fachliteratur ergänzte die eigenen Recherchen.
Mit Homosexualität verband ein Großteil der befragten Personen hauptsächlich Begriffe wie „Lesben“, „Schwule“ und „AIDS“. Auch über die rechtliche Situation von Homosexuellen in Deutschland und anderen Teilen der Welt wussten sie kaum Bescheid. „Viele gaben auch an, dass man Homosexualität an Äußerlichkeiten wie Kleidung oder Frisur erkennen könne“, zeigt sich Schülerin Claudia Plantz schockiert.
„Wir wollen erreichen, dass sich noch mehr Personen mit dem Thema „Homosexualität“ auseinandersetzen als diejenigen, die unser Kolloquium besucht haben und hoffen, mit unserer Seminarfacharbeit einen kleinen Beitrag zu einem Umdenken der Menschen leisten zu können“, erklärt Mitstreiterin Elisabeth Dietzel. Für die lokale Tageszeitung wollen sie einen eigenen Artikel verfassen, der auf die problematische Situation von Homosexuellen aufmerksam macht. Eine Kopie ihrer gemeinsamen Arbeit soll außerdem bald in der schuleigenen Bibliothek zu finden sein.
In der Seminarfacharbeit müssen sich die Thüringer Gymnasiasten wissenschaftlich mit einem selbstgewählten Thema auseinandersetzen. Nach einer grundlegenden Einführung in die Techniken des wissenschaftlichen Arbeitens während des zehnten Schuljahres haben die Schüler etwa ein Jahr Zeit, um die Arbeit zu erstellen. Am Ende des ersten Halbjahres der Klasse zwölf müssen die Abiturienten ihr Werk dann verteidigen.