Theaterpremiere

Auf den Spuren eines fast vergessenen Dichters

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© Foto: privat

Grebenstein (haj) - Süßkind von Trimberg ist der einzige jüdische Minnesänger, ja sogar der einzige deutschsprachige jüdische Dichter des Hochmittelalters, der überliefert ist. Dies allerdings an prominenter Stelle, nämlich in der prachtvoll bebilderten Manessischen Liederhandschrift, der bedeutendesten Handschrift des deutschen Minnesangs überhaupt. Obwohl seine Lieder aus dem Rahmen fallen, weil sie eine deutliche individuelle Handschrift haben, werden sie kaum gesungen. Im Gespräch zwischen Minnesang-Spezialist Dr. Lothar Jahn und Kurt-Wilhelm Julius von der Alten Synagoge Vöhl entstand deshalb die Idee, dieses deutsch-jüdische Erbe neu zu beleben. Beide waren sich einig, dass das einzigartige Ambiente der liebevoll restaurierten und zum Kulturzentrum ausgebauten Synagoge ein idealer Ort wäre, sich mit dem lang vergessenen Sänger auseinanderzusetzen. Nun ist es soweit: Am 1. Oktober, als Abschluss der Waldecker „Woche der Gotik", wird „der Minnesänger mit dem Judenhut" in Vöhl im Mittelpunkt einer abendfüllenden Veranstaltung stehen.
Verkörpert wird er durch den Berliner Sänger Hans Hegner, der sich seit mehr als zwei Jahrzehnten mit mittelalterlicher Musik theoretisch und praktisch auseinandersetzt. Im Wechsel mit den Liedvorträgen wird der Göttinger Rezitator Frank Limbach aus dem Roman „Süßkind von Trimberg" von Friedrich Torberg lesen. Die historischen Hintergründe wird Dr. Lothar Jahn erläutern. Hans Hegner wird an diesem Abend alle Süßkind-Lieder anstimmen, dabei wird er von einem hochkarätigen Spielleute-Ensemble begleitet. Dabei erklingen Harfe und Laute, Flöten und Schalmeien, Sackpfeife und Drehleier, Hörnchen und Portativ, dazu das Scheitholt und weiteres Schlagwerk. Es singen und musizieren alle Akteure gemeinsam mit Gerda Weinreich, Claudia Heidl, Jan-Marcus Lapp und Cosima Hoffmann. Neben einem herrlichen Liebeslied sind die Themen der Lieder Süßkinds eher der sogenannten Spruchdichtung zuzurechnen, die in der Tradition Walthers von der Vogelweide zu gesellschaftlichen und politischen Themen durchaus kritisch Stellung bezog. In der kunstfertigen Dichtung kommt aber auch ein origineller, persönlicher Ton ins Spiel, der in der Erfahrung eines jüdischen Lebens im Mittelalter wurzelt.
Die Premiere des Programms findet am Samstag, dem 1. Oktober 2011, ab 20 Uhr statt Vorbestellung unter Tel. 05635/1022. Am Sonntag, dem 2. Oktober 2011, ist das Programm in der Lindenmühle Burguffeln ebenfalls um 20 Uhr zu erleben (Vorbestellung unter Tel: 05671/925355). Unterstützt und gefördert wird die Premiere durch den Landkreis Waldeck-Frankenberg, die Lindenmühlen-Veranstaltung durch die Volkshochschule im Landkreis Kassel und den Verein Dingo Musik & Theater e.V.

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