Kassel/Hofgeismar (hak) - Fortschreitende Globalisierung, verschärfter Konkurrenzkampf auf den Märkten, Sozialsysteme unter Druck. Mit diesem rasanten Wandel muss sich auch die nordhessische Region auseinandersetzen. Unter dem Motto „Zukunft leben – regionale Strukturen stärken!" hat das erste Jahresforum der Baunataler Diakonie Kassel (BDK) in Baunatal wichtige Impulse für eine engere Zusammenarbeit der Akteure in Nordhessen gesetzt: Mehr Kooperation für eine nachhaltige Entwicklung, mehr soziales Miteinander, Gestaltungswille und eine enge Vernetzung seien nötig, damit - insbesondere behinderte - Menschen künftig nicht auf der Strecke bleiben.
Das Jahresforum in den BDK stieß auf ein großes Echo in der Region. Mehr als 90 prominente Gäste aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kommunalpolitik und sozialen Einrichtungen Nordhessens sowie viele Bürgermeister der Kommunen nahmen an dem Empfang teil und diskutierten beim abschließenden Imbiss über die Zukunft der Region.
BDK-Vorstandvorsitzender Pfarrer Joachim Bertelmann, der das Forum eröffnete, machte gleich zu Beginn deutlich, dass die Baunataler Diakonie Kassel als bedeutender nordhessischer Anbieter im sozialen Bereich die Zukunft der Region mitgestalten, stärken und dabei mit anderen wichtigen Akteuren ins Gespräch kommen will. „Wir wollen uns einmischen", sagte Bertelmann. Das gebiete schon der christliche Auftrag der Diakonie. Durch den globalen Wandel dürfe die Wohlfahrtspflege nicht auf der Strecke bleiben. Das Ziel der Teilhabe behinderter Menschen am Alltag der Gesellschaft (Inklusion) müsse als Chance begriffen werden und dürfe nicht zu einem „gigantischen Kostensenkungsprogramm" verkommen, meinte der BDK-Vorstandsvorsitzende und fuhr fort: „Wir wollen unser Angebot weiter ausdifferenzieren. Es geht dabei nicht um Quantität sondern um Qualität."
Qualität für eine nachhaltige Entwicklung, das war auch das Stichwort für Wolfgang Gutberlet, den früheren Vorstandsvorsitzenden der Handelskette tegut, Bundesverdienstkreuzträger, Ökomanager 2005 und Chef der Tegut-Stiftung. Er hielt beim Jahresforum den Festvortrag. Er machte deutlich, dass die auf eine Reihe ökologischer Projekte, auf die Erzeugung von Bio-Lebensmitteln und auf enge Zusammenarbeit mit regionalen Erzeugern gestützte Ausrichtung seines Unternehmens in vielen Bereichen vorbildhaft für die Zukunft einer starken Region Nordhessen sein könnte. Veränderungen müssten im Zeichen von „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit" stehen. Soziale Arbeit müsse mehr respektiert werden. „Wir denken zu materialistisch", sagte Gutberlet. „Wie bekommen wir ein Miteinander hin, dass sich die Menschen nicht isoliert fühlen?", fragte der Unternehmer und lieferte die Antwort gleich hinterher. Kooperation und Solidarität sei nötig. Gleichzeitig müssten Freiheit und Würde der Menschen respektiert und Konkurrenzdenken vermieden werden.
In der Handelskette Tegut hat die BDK bereits einen starken Partner gefunden, um diese Prinzipien im Interesse einer guten Zukunft der Region umzusetzen: Mit Tegut betreibt die BDK in Hofgeismar ein Hofgut mit artgerechter Tierhaltung. In Gieselwerder stellt ein von der BDK und tegut betriebenes Dorflädchen die Versorgung der Bewohner sicher und ist zugleich Plattform für sozialen Austausch. In beiden Betrieben arbeiten Beschäftigte der BDK. Wenn das Projekt gut läuft, wird die Diakonie weitere Läden eröffnen.
Ein humoristisches Schlaglicht auf die häufig noch unterschätzte wirtschaftliche Bedeutung der Arbeit der BDK-Betriebe warf die bekannte Kabarettistin Frieda Braun mit ihrem Auftritt, den die Gäste als vergnügliche Zugabe des Jahresempfangs begeistert beklatschten. Sie habe bisher gedacht, dass Behinderten-Werkstätten eher Bastelnachmittage veranstalteten oder Holzklammern herstellten. Es sei ja kaum zu glauben, dass die sogar hochwertige Möbel für die Kulisse eines Fernsehkrimis und Komponenten für den „Sunny Boy" der Solarfirma SMA montieren, meinte die Kabarettistin.
Weitere Informationen finden Sie unter www.baunataler-diakonie-kassel.de