Oratorium „Elias“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy

Beeindruckende Aufführungen in Hofgeismar und Lippoldsberg

Hofgeismar/Lippoldsberg (hak) - "Rufet lauter!“, höhnt der Prophet Elias in Richtung der Baalspriester, deren Götter auf sich warten lassen. "Nein, bitte nicht!", möchte man als Zuhörer rufen - die Kirchenmauern beben doch schon von so viel Klanggewalt.
Die Geschichte eines Propheten inmitten verschiedener Religionen und Gottesbilder, deren Anhänger sich mit mörderischer Gewalt bekämpfen - Ortspfarrer Christian Trappe nannte es den "Clash der Kulturen" - ist alttestamentarisch überliefert, deshalb gehört sie mit der Notwendigkeit der Deutung zu unserem kulturellen Erbe. Nur der Weg der Friedfertigkeit, der zu Toleranz in religiöser Verschiedenheit führt, darf es sein, so Pfarrer Trappe.
Das Oratorium "Elias" mit der Musik von Felix Mendelssohn-Bartholdy wurde sowohl in Hofgeismar wie in Lippoldsberg von der Kreiskantorei Hofgeismar, dem üppig mit Streichern und Bläsern besetzten Orchester der Kurpfalzphilharmonie Heidelberg, namhaften Solisten und ungenannten Chorsängern in Einzelrollen unter Leitung von Bezirkskantor Dirk Wischerhoff aufgeführt.
Gigantisch - gewaltig - grandios - es geht nur mit Superlativen zu beschreiben, was sich sowohl in der mächtigen Basilika von Lippoldsberg an der Oberweser als auch in der Altstädter Kirche Hofgeismar abspielte.
Traudel Schmaderer (Kassel) mit ihrer schönen schlanken Sopranstimme konnte dem symphonisch besetzten Orchester ein angemessenes Gegenüber bieten. Mit lyrischen Passagen wie in "Höre, Israel" war den Zuhörern ein wenig Entspannung gegönnt zwischen all den aufwühlenden Chören.
Ulrike Kamps-Paulsen (Köln) verschwand mit ihrer Altstimme passagenweise etwas im satten Orchestersound, wenn sie die unterschiedlichen Rollen sowohl der Engel wie der hexenhaften Königin charakteristisch zeichnete.
Rolf Sostmann, in der Kasseler Region gut bekannt, hat seine Tenorstimme überaus ansprechend entwickelt und ließ buchstäblich die Sonne aufgehen in seiner Arie "Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reich".
Ob das Elias-Oratorium die Zuhörer in den Bann zieht, hängt letztlich von zwei Faktoren ab - dem Chor und der Rolle des Elias. Beide Komponenten der Aufführung hinterließen den Eindruck: eine echte Wucht!
Mit Johannes Schwärsky (Berlin) stellte sich ein Elias dar, der eine Ahnung rüberbrachte vom prophetischen Kämpfer in der Wüste: große Gestalt, Vollbart, üppige Lockenmähne und eine Bass-Stimme, die das Mark erschüttern konnte.
So zeigte Johannes Schwärsky schon in den ersten Takten des annähernd dreistündigen Oratoriums mit dem an das Volk Israel gerichteten Fluch von Dürre und Verdursten, dass er die Rolle des Elias nicht nur als sängerische, sondern auch als theatralische Herausforderung ansah.
Und der annähernd 90-köpfige Chor mit Sängern und Sängerinnen aus dem gesamten Kirchenkreis Hofgeismar fügte sich mit stimmlicher Kraft und nicht-enden-wollendem Elan in die Dramatik des Geschehens ein. Insgesamt 22 Chorstücke, die meisten von kraftvoll-dramatischem Charakter, aber eben auch solche von anrührender Zartheit wie "Wirf dein Anliegen auf den Herrn" oder das berühmte "Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir" mussten bewältigt werden.
Jahrhunderte alte Kirche, beeindruckende Musik mit enormer Wucht, viele Akteure mit einem tüchtigen Kantor - es ist ein musikalisch-kultureller Schatz, für dessen Bewahrung hier erfolgreich gearbeitet wurde.

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