Gläserner Eingangsbereich ermöglicht Blick in die Kirche

Erfurt: Schottenkirche bekommt einen Windfang

Erfurt (co) - Nach einer 25-jährige Restaurierungsphase wurde die Schottenkirche im Dezember 2010 fertiggestellt. Nun fehlt nur noch „der letzte Akt“: Ein Windfang soll für Besucher den Blick in die Kirche ermöglichen, auch ohne permanent Personal beschäftigen zu müssen. Die Arbeiten an diesem gläserne Würfel werden Mitte Mai 2012 abgeschlossen sein.

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Die Schottenkirche ist ein Schmuckstück geworden.

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Die Restaurierung wurde u.a. mit Fördermitteln des Landes unterstützt. „Eine Auflage ist die relativ ungehinderte öffentliche Zugänglichkeit der Kirche tagsüber unter der Woche und an den Wochenenden. Mit dem neuen Windfang wird dieser Einblick gewährleistet“, so der zuständige Architekt Jörg-Peter Gottstein.
Ebenso hat sich im Jahr 2001 der Förderverein Schottenkirche e.V. gegründet. Ziel des Vereins war es, die Sanierung der Kirche und der Ausgestaltung des Innenraumes voranzutreiben. Mit deutschlandweit 48 Mitgliedern und zahlreichen Aktionen, Führungen, Konzerten, Ausstellungen und Basaren wurden 70.000 Euro zur Finanzierung der Sanierung zusammen getragen. Der Vereinsvorsitzende Josef Englert betont: „Wir werden auch nach Abschluss der Sanierung bestehen bleiben. Die ein oder andere neue Neuanschaffung und Reparaturen müssen auch zukünftig finanziert werden. Wir freuen uns über jede Spende.“

Allein in der letzten, fast zweijährigen Bauphase waren zahlreiche Restaurierungsarbeiten an Erfurts ältester Kirche durchgeführt worden. Die Mauer wurden rund um die Kirche freigelegt. Dabei zeigten sich gravierende Mängel im Fundament des Südturms, so dass dieser statisch gesichert und mittels Bohrpfählen neu gegründet werden musste. Ebenso wurde der Turmhelm neu gedeckt. Bruch- und Werksteinmauerwerk wurden optisch und steinrestauratorisch saniert, das Glockengeläut mit dem Dachstuhl erneuert. Auch der Kircheninnenraum präsentiert sich heute neuverputzt und gemalert mit neuem Antlitz. Im März 2011 wurden die durch die Bauarbeiten zerstörten Außenanlagen erneuert.

Die Schottenkirche hat eine sehr bewegte Geschichte. 1136 für Iren und später für Schotten (nach 1520) als Kloster gegründet und gebaut, fiel sie zahlreichen Bränden zum Opfer. Der ursprüngliche Baustil ist durch die nachfolgenden Restaurierungen im Baustil der jeweiligen Zeit nur noch marginal zu erkennen. Im Jahr 1744 erhielt sie ihren Namen: Schottenkirche St. Nicolai und Jacobi. Das Kloster wurde nun zugleich Kloster- und Pfarrkirche. 1820 wurde ihr Status als Kloster gänzlich aufgehoben. In den letzten Stunden des Zweiten Weltkrieges schlug eine Granate in die Kirche ein und zerstörte die Orgel. Danach folgten zahlreiche Umbau,- Ausgestaltungs- und Restaurierungsarbeiten, u.a. die Tieferlegung des Kircheninnenraumes auf das ursprüngliche Niveau in den 60er Jahren.