Fantasiereise zur Wartburg: Holger Schäfer lud zum Sängerkrieg

Bild anzeigen Holger Schäfer lud zum Sängerkrieg in die Lindenmühle Burguffeln. © Foto: Privat

Burguffeln - Fast im Dunkel, nur vom warmen Licht zweier Laternen beleuchtet, erzählte Holger Schäfer im ruhigen Ton die alte Geschichte vom Sängerkrieg auf der Wartburg. Als roter Faden diente ihm bei dem intimen Auftritt vor einem höchst aufmerksamen Publikum in der Lindenmühle Burguffeln die Fassung der Legende, die die Brüder Grimm im 19. Jahrhundert zu Papier gebracht hatten.

Holger Schäfer vertiefte die Grimmsche Fassung durch Ausschmückungen der Geschichte, wie sie sich in allen wichtigen deutschen Liederhandschriften aus dem Hohen Mittelalter findet. Im ersten Teil geht es vor allem um Heinrich von Ofterdingen, einen ebenso brillanten wie eigensinnigen Sänger, der es wagt, am Hofe des Landgrafen Hermann von Thüringen seinen eigenen Fürsten Leopold von Österreich als größten und großmütigsten Herrscher zu preisen, während die anderen Sänger natürlich den Gastgeber preisen. Dies führt zu Empörung und zum Ruf, Ofterdingen dem Henker zu überantworten.

Holger Schäfer gelang es, mit Harfe, Gesang und Flötenspiel, Wartburg-Stimmung in die Lindenmühle zu zaubern. Erleichtert nahm man zur Kenntnis, dass die Landgräfin Sophia den aufrechten Ritter unter ihren Schutz stellte und um Aufschub bat: Heinrich sollte den meisterhaften Sänger Klingsor aus dem Ungarland zur Wartburg bringen, um das endgültige Urteil über den Sang zu fällen. Derweil unterhielten die anderen Sänger den Landgrafen mit Kostproben ihres Könnens, wobei Holger Schäfer auf überlieferte Lieder der Protagonisten wie Walter von der Vogelweide, Wolfram von Eschenbach und dem tugendhaften Schreiber zurückgriff.

Im zweiten Teil der Mär fand sich dann Klingsor gemeinsam mit Ofterdingen in Eisenach ein. Offenbar verfügte Klingsor über magische Kräfte, denn die Reise von Ungarn nach Thüringen gelang den beiden über Nacht. Dem Magier gelang es im Nu, die Stimmung bei Hofe völlig umzudrehen. Er bürgte nicht nur für Ofterdingens Kunst, sondern verkündete auch die Geburt der ungarischen Königstochter, die bald an des Landgrafen Hof gelangen sollte und dort durch Mildtätigkeit und Güte glänzen sollte: Elisabeth, die ja später heilig gesprochen werden sollte. Zudem verblüffte er die Sänger und den Landgrafen durch allerlei Rätselspiele, wobei sich ihm einzig und allein der gebildete und weit gereiste Wolfram von Eschenbach ebenbürtig zeigte. So endete der Sängerkrieg schließlich friedvoll, was Schäfer mit dem herrlichen Klang seiner neu erworbenen großen Keltischen Harfe unterstrich.

Das Publikum, das dem sensiblen Sänger, Musiker und Geschichtenerzähler über eineinhalb Stunden mit innerer Anteilnahme gefolgt war, erklatschte sich noch eine Zugabe: Der Abend verklang mit einem sehnsuchtsvollen Minnelied Ulrich von Lichtensteins.

In der Lindenmühle geht es am 13. Februar weiter mit der Powerfrau Meike Köster: Die begeisternde Singer-Songwriterlady verbindet Pop, Country und Folk. Am 13. März folgt Akkordeonfolk mit Ralf Weihrauch, am 10. April kommt dann wieder der Singer/Songwriter Peter Kerlin. Alle Konzerte sind um 20 Uhr, Tickets gibt es unter Tel. 05671/925355