Burguffeln - Als Meike Koester in den Achtzigern begann, Songs zu schreiben, interessierten sich alle für Elektro-Klänge à la Depeche Mode. Sie begeisterte sich dagegen für amerikanische Singer/Songwriter-Damen wie Suzanne Vega und Tracy Chapman, gerne auch mal für die härte Variante à la Melissa Etheridge. Deren Texte, Phrasierung, Arrangements und Aussprache hat sie genau studiert. Daraus entwickelte sie ihren eigenen Gesangs- und Kompositionsstil, der fast amerikanischer klingt als das Original. In der deutschen Singer/Songwriter-Szene, die sich eher nach Irland, Schottland und England orientiert, ist sie damit eine Ausnahmeerscheinung.
Ein Grund dafür ist die ungewöhnlich rhythmische Gitarrenbegleitung: Man merkt, dass sie früher Schlagzeug gespielt hat, bei ihr sitzt jeder Schlag punktgenau, die Akkordfolgen und Bassläufe laufen auch noch präzise durch, wenn sie darüber mit der Stimme frei phrasiert oder locker mit dem Publikum plaudert. Und wenn noch mehr Druck kommen soll, setzt sie sehr gekonnt den Verzerrer, das gute alte Wah-Wah-Pedal oder die Loop-Station ein, mit der sie mehrere Gitarrensamples übereinander legen kann und den Eindruck einen ganzen Band vermittelt.
Ja, sie ist eine Rocklady, bringt in der Lindenmühle einmal sogar die älteren Semester im Publikum zum Aufstehen, Johlen und Mitklatschen, gibt dann aber auch wieder die Möglichkeit zum Wegträumen und zum Nachdenken über das Leben und die Liebe, legt unter den dann sehr zärtlichen Gesang meditative Pickings in offener Gitarrenstimmung. Wie gesagt, sie hat die amerikanische Szene genau studiert, kein Wunder, dass ihr selbst in Amerika ein Singer/Songwriter-Preis überreicht wurde. Sie steht dem Qualitätslevel ihrer Vorbilder kaum noch nach, bleibt aber trotzdem nicht stehen.
Auf ihrem neuen Album „Seefahrerherz" wagt sie sich erstmals an deutsche Texte, die reisefreudige Sängerin fabuliert poetisch über Fernweh und Nähe, Sehnsucht und Bindungsangst. In Deutsch wirken die Songs zurückhaltender und intimer, sie bereichert damit ihr Spektrum um eine spannende Nuance. Hier agiert sie auch weit vorsichtiger, bis sie zurück im American Style wieder einen Knaller draufsetzt, der das Publikum von den Stühlen reißt. Eine Rückkehr in die Lindenmühle im nächsten Jahr wurde jedenfalls schon in Aussicht gestellt.
Doch zunächst geht es weiter mit Akkordeonmusik: Jeweils sonntags, am 13. März, kommt Ralf Weihrauch, einer der bekanntesten seines Instruments in der deutschen Folkszene. Am 10. April folgt erneut ein Singer/Songwriter, nämlich Peter Kerlin aus Goslar. Und am 29. Mai gibt es erdigen Blues mit Pete Alderton und Jens Hausmann. Alles um 20 Uhr, Tickets unter 05671-925355.
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