Jena (sho) - Die DDR-Bürger haben sich durch extensiven Alkoholgenuss ihren grauen Alltag schön getrunken. Nur ein Vorurteil zur Trinkkultur in Ostdeutschland. Wie es um den Alkoholkonsum wirklich stand, erzählt auf informative und zugleich amüsante Weise die Ausstellung „Trink l Kultur in der DDR - Gastlichkeit aus guter Tradition“. Gezeigt wird sie bis zum 7. Oktober 2012 im Stadtmuseum Jena.
Im Fokus der Schau stehen das Trinkverhalten, die Trinkgewohnheiten und -sitten der DDR-Bevölkerung sowie private und öffentliche Trinkorte. Überdies wird die staatliche Alkoholpolitik hinterfragt und der gesellschaftlichen Umgang mit dem Thema „Sucht“.
Maßgeblich geprägt war die Trinkkultur in der DDR durch einen hohen Schnapsverbrauch, da gute Weine im ostdeutschen Handel kaum bezahlbar oder schlecht erhältlich waren. „Man hat natürlich auch Bier getrunken, aber das war eher das Alltagsgetränk. Man sah es gar nicht als Alkohol an, sondern eher als Durstlöscher, der in der Freizeit und manchmal auch am Arbeitsplatz genossen wurde“, berichtet Kuratorin Teresa Thieme Kuratorin.
Hinter die Binde gekippt haben sich die Ostdeutschen Spirituosen mit Namen wie Blauer Würger oder Kumpeltod. Verknüpft war das Trinken dabei immer mit Geselligkeit. „Man hat sich wenig Zuhause im Privaten allein hingesetzt und getrunken", sagt die Kuratorin, „und Anlässe zum Feiern gab es wahnsinnig viele, den Maifeiertag oder Frauentag, private Treffen und Brigadetreffen.“
Doch Trunkenbolde seien die DDR-Bürger jedoch keineswegs gewesen, stellt Frau Thieme klar: „Die DDR war zwar eine alkoholzentrierte Gesellschaft, aber keine alkoholisierte.“ Ab Mitte der 50er Jahre habe sich der Alkoholkonsum in ganz Europa erhöht. Laut Statistiken stieg der durchschnittliche Bierkonsum in der DDR bis 1988 von 68,5 auf 143 Liter. An Spirituosen becherte der DDR-Normalverbraucher 1988 16,1 Liter Spirituosen - 23 Flaschen pro Kopf. Die Westdeutschen tranken zur selben Zeit nur 6,3 Liter pro Person. Dennoch beim Verbrauch von Reinalkohol waren die Ostdeutschen zurückhaltender als die Westdeutschen.
Neben Exponaten von rund 140 Leihgebern gehören auch kuriose Anekdoten zur Ausstellung. So werden Fakten und wissenschaftliche Erkenntnisse mit Erinnerungen von Zeitzeugen verknüpft zu einem differenzierten Blick auf die Trinkgewohnheiten in der DDR.