Burguffeln (ha) - Das Trio Tangata gab in der Lindenmühle Burguffeln erstmals eine Kostprobe seines Könnens. Der erste Teil des Programms war ganz dem konzertanten Tango Astor Piazzollas (1921 – 1992) gewidmet, im zweiten Teil gab es Salonmusik der alten und neueren Art zu hören, wobei neben Walzer, Czardas, Ragtime und einigen Evergreens dann auch nochmal der Tango zu seinem Recht kam.
Vor allem der Vergleich zwischen tanzbaren Tango-Klassikern à la „Adios Muchachos" und „La Cumparsita" mit den kunstvollen Kompositionen Piazollas war aufschlussreich. Der argentinische Komponist hatte, beeinflusst von Bartók, Strawinski und Jazz, den tradtionellen Tango in seiner Rhythmik, Melodik und Farbe nur noch als Grundierung genommen, auf denen er opulente Klanggemälde schuf, die auch Spieltechniken und Ausdrucksmittel der Moderne und Formen der europäischen Klassik aufnahmen. Klar, dass dies bei Puristen und dem breiten Publikum auf Widerstand stieß, Piazzolla brauchte dreißig Jahre, bis sein weltweit viel beachteter „Tango nuevo" auch in seiner Heimat Anklang fand.
Von den drei Interpretinnen gelang der Pianistin Nellya Masur am leichtesten der schwierige Brückenschlag zwischen Klassik, Folklore und jazzigem Groove, sie gab dem ganzen immer wieder einen lockeren, treibenden Swing. Larissa Degner ließe ihre Violine schwelgen und klagen mit sattem Tremolo und seufzendem Vibtato, oft lieferte sie sich musikalische Zwiegespräche mit der eher nüchtern und klar interpretierenden Cellistin Erika Umanez. Frau Umanez lieferte auch erhellende Hintergrundinformationen zu den Kompositionen im ersten Teil, während im zweiten Teil einfach nur durchmusiziert wurde. Dabei gelang es dem Trio jedoch, sich immer mehr zu Höchstleistungen anzustacheln, so dass der Schluss zu einem rasanten Finale furioso wurde, bei dem man sich allerdings ganz weit vom Tango entfernte. Edward Griegs zündendem norwegischem Tanz folge Smetanas feuriger „Dance of the Comedians", um in einer schier umwerfenden Czardas-Interpretation mit virtuosen Kapriolen und raffinierten Temposteigerungen zu enden. So endete das anfangs eher verhalten-nachdenkliche Konzert mit jauchzendem Jubel für das Trio Tangata, das in der Verbindung aus Klassik und tänzerischer Folklore ganz zu sich selbst gefunden hatte.
In der Lindenmühle geht es mit einem Zusatzkonzert am 15. Mai weiter: Dann zelebriert Lindenmühlen-Besitzer Werner Sostmann mit seinem „Blue Heaven Jazzmen" Bigband-Sound zu neunt! Es folgt am 29.5. Bluesman Pete Alderton mit seiner tiefschwarzen Stimme, begleitet von Meistergitarrist Jens Hausmann. Am 19.6. musiziert dann das Klezmertrio Shoshana. Tickets für alle drei Konzerte gibt es unter 05671-925355 für 10 Euro, alle Konzerte beginnen um 20 Uhr. Das für den 10.4. geplante Konzert mit Peter Kerlin fällt aus. Und noch ein Hinweis: Am Pfingstmontag feiert die Lindenmühle einen großen „Mühlentag" mit einer ganztägigen Veranstaltung bei freiem Eintritt zur Einweihung des neuen Wasserrades.
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