Staatssekretär Friedrich-Otto Ripke im Uslarer Land

Auf den Spuren der Zukunft

Uslar/Lauenförde/Schönhagen/Nienover/Verliehausen (cj). Auf Einladung des CDU Kreisverbands Northeim und der CDU Uslar, besuchte Staatssekretär Friedrich-Otto Ripke auf seiner Sommer-Tour das Uslarer Land. Joachim Stünkel hatte ein Besuchsprogramm vorbereitet, in dem einzelne Stationen entlang des Sollings wie Koordinaten das Thema bestimmten, woraus sich letztendlich die Herausforderung für die Zukunft der Region im Dreiländereck ergeben.

Die Koordinaten auf der Route von Schmeesen über Winnefeld und Nienover nach Schönhagen bis nach Volpriehausen, legten typische, miteinander zusammenhängende Merkmale der Region bloß.D.h. Merkmale, in denen offensichtlich wurde, wie die Geschichte und die Charakteristika der Sollinglandschaft und seiner Geografie, die wirtschaftliche Entwicklungsmöglichkeiten in der Vergangenheit bestimmten und Heute auf vergleichbare Weise beeinflussen. Es ist der kultur- und naturhistorische Reichtum, die geografische Eigenheit, die Forst- und Landwirtschaft, der Tourismus sowie das sehr entschlossene professionelle sowie ehrenamtliches Engagement der Menschen in der Region, für die Region, was die Zukunft bestimmen wird. Die Herausforderungen für das Uslarer Land und für die gesamte Region im Dreiländereck ist die Erhaltung, Vernetzung, Vermarktung und Weiterentwicklung der bestehenden Infrastruktur.

Staatssekretär Friedrich-Otto Ripke hatte sich für seinen Besuch im Uslarer Land, unter Begleitung von interessierten und betroffenen Bürgern und einer Delegation der aus dem CDU Stadt- und Kreisverband sehr viel Zeit genommen. Der Staatssekretär zeigte sich im Laufe der Tour interessiert, begeistert und beeindruckt. Vom Treffpunkt "Forellenhof" in Lauenförde-Bruggefeld aus, lagen die ersten Stationen mitten im Solling bei den archäologischem Ausgrabungen in Schmeesen und Winnefeld.

Während im Hintergrund Archäologie-Studenten auf den festgelegten Grabungsfeldern auf der Suche nach Funden vorsichtig die Erde bewegten, erklärte Prof. Dr. Hans-Georg Stephan von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, das kulturhistorische Erbe und dessen Bedeutung, die die Archäologen bei ihren Grabungen nach den Wüstungen im Solling, in den vergangenen zehn Jahren freigelegt haben. "Wir betreiben hier Grundlagenforschung. Der Solling ist dabei ein Paradebeispiel für Deutschlands hochinteressante Kulturentwicklung in den letzten Jahrtausenden," erklärte Prof. Dr. Stephan. Die Funde datieren aus Prähistorie, aus dem 8., 9. 10. und 11. Jahrhundert und bis ans Ende des Mittelalters.

Anstelle der in Überlieferungen erwähnten Kapelle, fanden die Archäologen auf der Suche nach Spuren aus dem Mittelalter in Schmeesen das stattliche Kirchenfundament einer Turmkirche sowie Gräber aus der Zeit um das Jahr 1200. Das Fundament der spätromantischen Kirche gehöre zu der ältesten Schicht ländlicher Kirchen der weiteren Umgebung. "Landwirtschaftlich interessant ist diese Kirche, da die Turmkirche zugleich sakraler Raum, Speicher als auch Wehrraum war. Das wiederum bedeutet, dass auch Überschüsse erwirtschaftet worden sein müssen, was wiederum ein Hinweis darauf ist, dass in jener Zeit im Solling Ackerbau betrieben wurde", so Prof. Dr. Stephan. "Wie groß die Siedlung war, kann nur geschätzt werden." Da das Gebiet auf 300m an beiden Seiten durch einen Bachläufe begrenzt sei, könne hier auch die Siedlungsgrenze verlaufen. "Um 1450 wurde die Siedlung verlassen. In der Zeit gab es in Zusammenhang mit einem demografischen Wandel, eine Strukturkrise in der Landwirtschaft." Die Konjunktur im Spätmittelalter habe folglich zur Verödung der Siedlungen geführt. Es wird davon ausgegangen, dass der schlimmste Regen seit der Eiszeit vom Juli 1342, bereits verheerenden Schaden an den Siedlungen angerichtet hatte. Der Staatssekretär zeigte sich von den historisch so bedeutsamen Stätten im Solling zutiefst beeindruckt.

Die zweite Etappe auf der archäologischen Route führte nach Winnefeld. Ohne dass irgendwelche schriftliche Brunnen auf das Bestehen einer Kirche hingewiesen hatten, wurde auf Drängen des früheren Revierförsters Dr. Förster archäologische Grabungen durchgeführt. Heute zeugen die freigelegten Mauern von einer großen, romanischen, komplett eingewölbten Kirche mit Ost-Chor und West-Turm. "Die Funde in direkter Nachbarschaft zur Kirche sind sehr aufschlussreich bezüglich der Lebensbedingungen, des Lebensstils und der Lebenserwartung. Dank des Sturms Kyril wurde einer der 23 Brunnen gefunden, die im 18. Jahrhundert schriftlich erwähnt wurden." Aus den Standorten der Brunnen können Prof. Dr. Stephan zufolge, Schlüsse auf die Ausdehnung der mittelalterlichen Siedlung gezogen werden. Die Siedlung soll demnach ca. 1,5 km beidseitig des Reyerbachs verlaufen sein. Prof. Dr. Stephan wies darauf hin, dass die ländliche Siedlung bis ins Mittelalter die wichtigste Siedlungsform war und damit die Funde im Solling von großer kulturhistorischer Bedeutung sind, um so mehr, da es auf diesem Gebiet europaweit kaum Forschungsarbeiten gäbe. Interessant sei auch, dass hier im Solling und im Weserbergland mit ca. 150 Glashütten, die größte Dichte von Glashütten in ganz Europa gesichtet wurde.

Der Kultur- und Naturhistorische Dreiländerbund e.V. unter Vorsitz von Jürgen Koch aus Lauenförde, arbeitet seit vielen Jahren eng mit dem Archäologischen Projekt im Solling zusammen und unterstützt die Grabungen dabei organisatorisch und praktisch. Eine sehr wichtige Rolle spielt der Verein auch in der Erschließung und Einrichtung der großen Fundstellen für die breite Öffentlichkeit. Für die Fortsetzung der Grabungen in den kommenden Jahren, hoffen die Wissenschaftlicher auf weitere finanzielle Mittel und der Verein auf Möglichkeiten, um für Grabungen von der Niedersächsischen Landesforst bei Winnefeld noch ein paar Quadratmeter Grund zu erwerben. Ein Zwischenbericht der spannenden Siedlungsgeschichte im Solling erscheint nach 10 Jahren archäologische Grabungen im September 2010. "Der Solling - Die Entwicklung der Kulturlandschaft im Mittelalter und die

Geschichte der Grafen von Dassel und Nienover" von Prof. Dr. Stephan. Das Buch wird vom Kultur-Natur Historischem Dreiländerbund e.V. und dem Institut für Kunstgeschichte und Archäologie Europas der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg herausgegeben.

Neue Impulse

Schloss Nienover

Nach langem Suchen fand Mireille van Meer im Solling die passende Immobilie, worin sie ihre Geschäftsidee umsetzen wollte. Das Schloss Nienover wurde durch das Land Niedersachsen zum Kauf angeboten. Nach umfangreichen Umbauarbeiten und Erweiterungen hat das Schloss nun eine neue Bestimmung. Als Schlossgestüt Nienover macht sich das Anwesen nun weltweit mit einem international agierenden, anspruchsvollen Zuchtbetrieb für Gangpferde einen Namen. Die Reitanlage wurde nach modernsten Erkenntnissen errichtet. Hier werden Reitunterricht und Seminare zum Reiten von Gangpferden angeboten und regelmäßig finden Turniere statt. Im August z.B., fanden die Europameisterschaften für Peruanische Gangpferde, wozu ca. 60 Pferde und 150 Gäste aus ganz Europa im Solling waren. Ein weiteres, großes Event ist für September geplant.

Bild anzeigen Wie historisches Interesse in der Bevölkerung, archäologische Erkenntnisse, politische Einsicht in Einklang zu bringen sind mit wirtschaftlichen Zielen, zeigte sich beim Besuch der Kirchenwüstung Winnefeld. An diesem historischen und für die Besucher sakralen Platz verweilte auch Staatsminister Friedrich-Otto Ripke gerne. (3. v. re.) gerne. © Junginger

Wanderreiter und Urlaubsgäste mit Pferd finden hier inmitten der wunderschönen Sollinglandschaft mit dem "Bett & Box"-Angebot auf Schloss Nienover ebenso wie Einstaller optimale Bedingungen vor. Für Pferdetourismus im Solling fehlen eigentlich nur noch Wanderreiterrouten, die dazu passende Karten, die Errichtung und Erfassung eines Netzwerkes von Bett & Box - Anbietern in der Region Weserbergland-Solling und die Intensivierung der touristischen Vermarktung dieser Deutsche Märchenlandschaft im Süden des Bundeslandes, das das Pferd im Wappen trägt.

Wie eng das wohl oder weh aller wirtschaftlichen Initiativen am und im Solling mit Land- und Forstwirtschaftlichen Entwicklungen verflochten sind, zeigt nicht nur das archäologische Kulturerbe oder der kleine Baustein „Schlossgestüt Nienover", sondern wird wie einst im Mittelalter mitbestimmt durch einen Strukturwandel im ländlichen Raum, aufgrund einer sich konjunkturbedingt, verändernden Demografie. Das wurde auch an diesem Tag wieder deutlich.

Neue Impulse 2

Solling-Wiesentäler

Der Solling und seine Wiesentäler sind als naturhistorische Monumente, geschützte Landschaften, die die Forst- und Landwirtschaft in den kommenden Jahren vor große Herausforderungen stellt. Nach Erwartung werden innerhalb der nächsten zehn Jahren viele Nebenerwerbslandwirte ihren Betrieb aufgaben. Für Landwirte, die Flächen mit großen Maschinen bearbeiten, wird die Bewirtschaftung kleiner Flächen in den Solling-Wiesentäler nicht nur unwirtschaftlich, sondern an manchen Stellen auch technisch nahezu unmöglich. Probleme worauf auch einige Vertreter aus Landwirtschaftsverbänden bei dem Stopp am Freizeitsee in Schönhagen hinwiesen. Alternativen sieht der Solling-Vogler Park in der großflächigen Beweidung der Flächen, gekoppelt an ein bereits erfolgreich gestartetes Konzept rund um der Vermarktung regionaler landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Staatssekretär Friedrich-Otto Ripke erläuterte, dass ein Umbruch von Wiesenflächen in Ackerland in der Region weder zielführend, noch in wirtschaftlicher Hinsicht für Landwirte interessant ist, da die Subventionen für Wiesenflächen in Kürze denen von Ackerland angepasst werden. „Für benachteiligte Gebiete werden durch die EU ab 2013/14 extra Fördermittel für Wegebau und Hochwasserschutz sowie für Natur- und Umweltschutz bereitgestellt. Die bisherige Hektarprämie wird dann voraussichtlich für Acker- und Wiesenflächen gleich hoch sein. ", erläutert Staatssekretär. Und weiter: „EU-Förderung wird es nicht mehr ohne Zweckbindung geben. Die Schwerpunkte werden auf biologische Vielfalt, Wassererneuerung, Klimaschutz und regenerative Energie liegen."

Neue Impulse 3

Integrative Regionalentwicklung im Uslarer Land

Baumhaushotel

Ein kleiner Spaziergang vom Freizeitsee zum Baumhaushotel am Rande vom ErlebnisWald, zeigte in vielen kleinen Details die kinder- und familienfreundliche Umgebung, die hier am Waldesrand entstanden ist. „Das Baumhaushotel wird sehr gut angenommen, berichtet Stefan Brill von der Baumhaushotel Solling GbR „und ist für diese Saison nahezu ausgebucht."

Durch dass sich dem Staatsminister zufolge förderwürdige Projekte aus der Region heraus entwickeln sollen, liegen die Initiativen der Sollingbewohner ganz in der Zielsetzung. Mit Einfallsreichtum und unter Einbeziehung der einmalig märchenhaft, deutschen Kultur- und Naturlandschaft wird im Uslarer Land eine einmalige Natur- und Kulturlandschaft erhalten und gestaltet. Parallel zum bestehenden Lebens- und Wirtschaftsraum der Bewohner , entwickelt sich ein lebendiges, attraktives, naturschonendes Tourismusangebot. Einrichtungen wie beispielsweise der Naturpark Solling mit seinen archäologischen Kulturdenkmäler oder dem „Hutewaldprojekt" bei Nienover und bereits seit der Expo 2000 das Projekt „ErlebnisWald" mit dem Glashaus und nun das Baumhaushotel in Schönhagen sowie die Mountainbike-, Fahrrad- und Wanderrouten und ein weit gefächertes Produkt-, Camping-, Hotel- und Gastronomie-Angebot zeugen von einem vielfältigen regionalem Angebot mit immer neuen, kreativen Impulsen für den Tourismus.

Neue Impulse 4

Mehrgenerationendorf

Die 19 Uslarer Ortschaften sind, bedingt durch die geografische Lage in dem kultur-naturhistorischen Monument des Sollings und seiner Wiesentäler, wirtschaftlich durch eine intensive Land- und Forstwirtschaft geprägt. Der Erhalt dieser deutschen Märchenlandschaft, geht Hand in Hand mit dem Erhalt der Ortschaften, d.h. mit dem Erhalt der Infrastruktur und der Gebäude im Ortskern und damit mit dem Erhalt der wirtschaftlichen Grundlage seiner Bewohner. Mit dem Projekt „Mehrgenerationen-Dorf" hat Volpriehausen in bürgerlich ehrenamtlichem Engagement nun einen neuen Weg eingeschlagen. Um einem möglichen „Rückbau" (auf Neudeutsch) zur „Siedlungswüstung" (wie die Archäologen sagen) entgegenzutreten, soll nicht die dörfliche Infrastruktur abgebaut , sondern erhalten und entsprechend moderner familienfreundlicher Anforderungen angepasst werden. Die Ganztagsgrundschule ist eine wichtige, gelungene Weiterentwicklung. Bei dem Besuch von Staatssekretär Ripke am Freibad Volpriehausen, erläuterten Vertreter des Vereins „Initiative Bollertdörfer e.V." ihr Mehrgenerationen-Dorfprojekt im vereinseigenen und zum großen Teil ehrenamtlich betriebenen Freibad Volpriehausen. Wie weit die Pläne der Bewohner der Bollertdörfer gehen, zeigte sich anschließend im Seminarraum von Hotel am Rothenberg bei der Präsentation von Reinhard Klinge. Er stellte ein auf heutige, junge Familien zugeschnittenes Wohnhaus-Leasingskonzept vor. Das Initiative Bollertdörfer e.V. Wohnhaus-Leasingmodell ist in Bezug auf Wirtschaftlichkeit, Lebensqualität, Individualität und Flexibilität äußerst attraktiv und zielt gerade auch auf den Zustrom junger Familien aus städtischen Gebieten. Nicht zuletzt durch einen extra Kinderbonus und der Möglichkeit, das zu Beginn des Leasingvertrages nach den Wünschen der Bewohner renovierte Objekt zu einem späteren Zeitpunkt auch käuflich zu erwerben. Dieses „Mehrgenerationen-Dorf-Konzept" ist offensichtlich auch ein äußert integrative Konzept. Einen wichtigen Punkt für eine erfolgreiche Umsetzung der Ideen schnitt Dirk Schwarz von Hotel Rothenberg an: „Wir dürfen unsere Energie und Qualitäten aber nicht parteigebunden einsetzen, denn sonst fehlen uns immer 50%.

„Eine Region kann nur gedeihen, wenn sie sich integriert entwickelt", findet Staatssekretär Friedrich-Otto Ripke, „D.h. alle Betroffenen aus Landwirtschaft, Naturschutz, Tourismus und ehrenamtliche Vertreter, die sich für die Region einsetzen, sollten gemeinsam ein Konzept entwickeln. Als Minister möchte ich mich dafür einsetzen hiervon ein Förderprojekt zu machen."

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