DRK-Wohnheim für Flüchtlinge in Wahmbeck

Haus der Integration

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Informationsveranstaltung im ehemaligen Jugendfreizeitheim Wahmbeck zur Umnutzung des Gebäudes in ein Flüchtling-Wohnheim.

© Foto: Junginger

Northeim/Bodenfelde-Wahmbeck (lpd/cj) – Viele Interessierte aus Wahmbeck und Umgebung waren der Einladung gefolgt, um sich über die Planungen zur Unterbringung von Flüchtlingen im ehemaligen Jugendfreizeitheim zu informieren.

Das durch den bisherigen Eigentümer (Evangelischen Kirche Leine Solling) genutzte Gebäude, soll ein DRK-Wohnheim für bereits registrierte Flüchtlinge werden. Auch in seiner neuen Funktion, soll das Wohnheim ein Wohnheim bleiben und nicht mehr als 100 Betten bereitstellen. Darüber hinaus soll es ein Integrationsangebot geben.

Zu Beginn der Veranstaltung referierte Jan von Lingen, Superintendent des Kirchenkreises Leine-Solling, über die Geschichte des im Jahre 1892 errichteten Gebäudes. Er erläuterte die Beweggründe der Kirche, die letztlich zu der Entscheidung geführt haben, das Gebäude an den Landkreis Northeim zu verkaufen. Die Kirche hatte im Vorfeld mehrere Interessenten abgelehnt und sich schließlich für den Landkreis als Käufer entschieden. Der Kirche war es wichtig sicherzustellen, dass das ehemalige Jugendfreizeitheim kein Spekulationsobjekt werden würde. Mit dem DRK als Betreiber, wird in Wahmbeck nun ein „Integrationsheim“ für Flüchtlinge entstehen - und zwar nach den Grundsätzen und Leitlinien des Roten Kreuzes. Der Kaufpreis von 96.000 Euro deckt die noch ausstehenden Kosten und Verbindlichkeiten.

Für den Landkreis Northeim stellten der Erste Kreisrat Dr. Hartmut Heuer und die Leiterin des Fachbereichs Soziales, Sabine Nienhüser, im Anschluss die aktuelle Situation der Unterbringung von Flüchtlingen im Landkreis Northeim dar. So seien derzeit in Landesunterkünften in Dassel, Bad Gandersheim und Uslar etwa 1.000 Menschen untergebracht. Hinzu kämen 1.500, die der Landkreis bereits in Wohnungen unterbringen konnte. „Nach der neuen Quote sollen bis zum 31. März 2016 weitere 775 Menschen hinzukommen“, so Sabine Nienhüser. Dies stellt die Kreisverwaltung vor enorme Herausforderungen: Jede Woche müssen für 50 bis 60 Menschen Wohnungen bereitgestellt werden. Das Freizeitheim in Wahmbeck soll deshalb auch als Wohnheim betrieben werden und nicht als Flüchtlingsunterkunft.

Der Vorstandsvorsitzende des DRK-Kreisverbands, Herbert van Loh, verwies auf die Kompetenz und auf die Erfahrungen des Deutschen Roten Kreuzes bezüglich dem Betrieb derartiger Einrichtungen. „Unser Konzept sieht die Bereiche Wohnen, Betreuen und Integration vor“, erläuterte er. Herbert van Loh machte deutlich, dass Integration nur gemeinsam gelingen könne. Beabsichtigt sei deshalb unter anderen ein regelmäßiger Dialog zwischen den Anwohnenden und den Bewohnern. Auch die Kooperation mit den im Ort ansässigen Vereinen gehört zu den Optionen. Erfreulicherweise werden in Wahmbeck neue Arbeitsplätze entstehen.

Die Bürger der Informationsveranstaltung in Wahmbeck, zeigten sich im Allgemeinen doch sehr offen für neue Mitbewohner in ihrer Ortschaft. Deutlich wurde jedoch auch, dass es den Fragestellern häufig um Ängste vor Übergriffen, Gewalttaten oder Verbrechen durch die künftigen Wohnheim-Bewohner geht. Jürgen Horst von der Polizeiinspektion Northeim/Osterode trat diesen Ängsten jedoch entgegentreten. „Wir haben aufgrund der Erfahrungen in unserem gesamten Zuständigkeitsbereich keinerlei Veranlassung, von derartigen Vorfällen auszugehen“, so der Polizeihauptkommissar. Keinesfalls dürfe die Situation in Wahmbeck mit großen Erstaufnahmeeinrichtungen verglichen werden, in denen viele hundert Menschen in beengten Verhältnissen zusammen leben müssten.

Im Wahmbecker „Haus der Integration“ sollen registrierte Flüchtlinge - vor allem Familien -untergebracht werden. Auf konkrete Nachfrage sicherte der Erste Kreisrat Dr. Hartmut Heuer ausdrücklich zu, dass es für diese Einrichtung künftig auch einen Sicherheitsdienst und einen Hausmeisterdienst geben werde. Darüber hinaus wurde zugesichert, dass auf dem Gelände weder Zelte noch Wohncontainer aufgestellt werden. „Die aktuelle Anzahl der Betten, mit knapp über 100, wird auch künftig als Maximalbelegung zu Grunde gelegt“, so Dr. Heuer.

Die Bodenfelder betreiben bereits eine sehr erfolgreiche Flüchtlingsarbeit, die in der Arbeitsgruppe „Runder Tisch Bodenfelde“ koordiniert wird. Bürgermeister Mirco von Pietrowski und Pastor Mark Trebing berichteten darüber, wie sie in Bodenfelde die neuen Herausforderungen und Aufgaben der  ganz praktisch und alltagsorientiert angehen. So habe man sich in Bodenfelde gegen ein Lager für Kleider- und andere Sachspenden entschieden. Anstelle dessen wird nach Bedarf ein reger Tausch- und Verschenkmarkt betrieben. "Wenn ein Kinderwagen benötigt wird, wird geschaut, ob jemand einen Kinderwagen abzugeben hat." Auch eine Art Patenschaften haben sich inzwischen aus Alltagssituationen heraus entwickelt. Bei den mittlerweile 55 in Wohnungen untergebrachten Flüchtlingen sei dies bisher gut gelungen. „Wir müssen die Probleme selbst anpacken und auch die Menschen selbst an die Hand nehmen“, betonte Mirko von Pietrowski.

Nachtrag:

Das Rote Kreuz gehört zu den wenigen Organisationen, die sich auf eine jahrzehntelange Erfahrung in der Flüchtlingshilfe und -unterbringung berufen können. Das Rote Kreuz gehört zu den aktiven Mitgestaltern der Menschenrechtskonventionen. Daher sei im Kontext des „Hauses der Integration“ – Wohnheim für Flüchtlinge in Wahmbeck, direkt auf die Website vom DRK und den Grundsätzen vom Roten Kreuz und vom Roten Halbmond hingewiesen: www.drk.de/ueber-uns/auftrag/grundsaetze.html