Würgassen als Bereitstellungslager für Atommüll

SPD Hofgeismar lehnt Standort ab

Hofgeismar (hak) – Die SPD-Fraktion Hofgeismar lehnt die Errichtung eines zentralen Bereitstellungslagers für schwach- und mittelradioaktiven Atommüll am Standort des ehemaligen Kernkraftwerkes Würgassen ab und beantragt den Magistrat der Stadt Hofgeismar zu beauftragen eine Überprüfung der umstrittenen und nicht nachvollziehbaren Standortentscheidung einzufordern.
Der Fraktionsvorsitzende Peter Nissen erklärt in einer Pressemitteilung: „Während die Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Atommüll immer noch nicht abgeschlossen ist, ist das Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle im Schacht Konrad in Salzgitter genehmigt. Mit großer Überraschung haben wir Anfang März erfahren, dass die bundeseigene Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) plant, auf dem Gelände des ehemaligen Kernkraftwerks in Würgassen schwach- und mittelradioaktiven Abfall aus ganz Deutschland zu sammeln und für den Transport in den Schacht Konrad zusammenzustellen.
Seit der Schließung und dem Beginn des Rückbaus des Kernkraftwerks Würgassen im Jahr 1997 wartet die Bevölkerung im Dreiländereck Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen auf die Umsetzung des vor über 20 Jahren gegebenen Versprechens, auf dem Gelände eine grüne Wiese entstehen zu lassen. In den vergangenen Jahren ist deshalb länderübergreifend zunehmend in den Ausbau der Infrastruktur für einen nachhaltigen Tourismus investiert worden. So ist im größten zusammenhängenden Waldgebiet Hessens, dem Reinhardswald, ein Naturpark entstanden mit länderübergreifenden Wanderwegen und entlang der Diemel und Weser bundesweit beliebten Fernradwegen. Das geplante Logistikzentrum ist aufgrund des damit verbundenen zunehmenden Verkehrsaufkommens und der Gefahren, die mit der Lagerung radioaktiven Materials ausgehen, kontraproduktiv für die Bemühungen der Stärkung des Tourismus in unserer Region.
Zudem gibt es bei den Menschen in unserer Region die Sorge, dass gesundheitliche Gefahren von den angelieferten Gütern ausgehen werden. So ist der nächstgelegene Hofgeismarer Stadtteil Hümme nur gut 10 km Luftlinie vom geplanten Bereitstellungslager in Würgassen entfernt. Die Anlieferung durch Lastwagentransporte aus südlichen Bereichen führt an Hofgeismar vorbei durch die Stadtteile Schöneberg und Hümme mit unmittelbarer Bebauung entlang der Bundesstraße. Bei einem Unfall sowohl im Lager, als auch bei der Anlieferung wird die Bevölkerung von radioaktiver Strahlung und der Freisetzung radioaktiver Substanzen betroffen sein. Dieses unkalkulierbare Risiko muss bei der Auswahlentscheidung berücksichtigt werden.
Da die Entscheidungsfindung für den Standort Würgassen in keiner Weise nachvollziehbar ist und nicht kommuniziert wurde, muss von unabhängiger Stelle überprüft und bewertet werden, nach welchen Kriterien die Auswahl erfolgte. Ein transparentes Verfahren zur Auswahl des geeigneten Standortes ist von der Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) einzufordern, bevor weitere Schritte in der Planung und Umsetzung des zentralen Bereitstellungslagers unternommen werden. Bis dahin müssen auch alle genehmigungsrechtlichen Schritte unterbleiben. Die Stadt Hofgeismar muss sich aktiv gegen diese Planungen wenden und sich gemeinsam mit den Nachbarkommunen, dem Landkreis Kassel und dem Land Hessen aber auch länderübergreifend dafür einzusetzen Alternativen für den Standort des Logistikzentrums erneut zu prüfen und für Würgassen eine andere zukunftsweisende Funktion zu finden."

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