Sigrid Beer diskutierte über Schulpolitik

Schulentwicklung braucht langen Atem

Höxter (ozv) - Die Handlungsmöglichkeiten für die Schulen sind größer geworden. Durch den Schulkonsens und viele Weichenstellungen und Feinjustierungen auf Landesebene hat die Schulpolitik vor Ort mehr Entscheidungsspielräume erhalten.

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Intensiver Austausch über die Möglichkeiten der Schulentwicklung im ländlichen Raum. Sigrid Beer, schulpolitische Sprecherin der GRÜNEN, im Gespräch mit Lehrkräften, Eltern und Schülerschaft.

© Foto: privat

Das betonte Sigrid Beer, schulpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion der GRÜNEN, bei ihrem Besuch in Höxter. „Viel hängt jetzt davon ab, wie diese Möglichkeiten zum Beispiel im ländlichen Raum mit schwindenden Schülerzahlen genutzt werden.“
So sei es jetzt einfacher geworden, kleinere Grundschulen zu erhalten. Die entsprechenden Hürden seien gesenkt worden. „In einigen Fällen hilft es entscheidend weiter, sich Gedanken über jahrgangsübergreifenden Unterricht zu machen“, erklärte die Fachpolitikerin. Die Bemühungen im Kreis Höxter für den Erhalt kleiner Grundschulen haben aber bislang gezeigt, dass innovative Konzepte zunächst eher auf Ablehnung stießen, berichtete Martina Fahlbusch, Gesprächsleiterin und zugleich Kommunalpolitikerin der GRÜNEN, von ihrer Arbeit im Kreistag und im Stadtrat Höxter. Dabei mangelt es nicht an positiven Beispielen, verdeutlichte Sigrid Beer. „Ich sehe meine Aufgabe auch darin, die gelingenden Vorbilder bekannt zu machen und die Menschen zu ermutigen, ähnliche Schritte zu gehen.“
In ihrem intensiven Dialog mit Lehrkräften, Eltern und Schülerschaft erzählte Sigrid Beer von ihren eigenen Erfahrungen mit der Entwicklung des gemeinsamen Unterrichts als Elternvertreterin an der Gesamtschule in Elsen sowie aus der langjährigen Tätigkeit in der Lehreraus- und Fortbildung. „Natürlich gibt es in Prozessen immer Höhen und Tiefen, das habe ich alles schon miterlebt.“ Das Fazit, das sie zieht, ist allerdings eindeutig: „Alle Kinder und die Kollegien haben vom gemeinsamen Unterricht profitiert.“ Sie berichtete von den vielen Schulen in Nordrhein-Westfalen, die mit viel Engagement erfolgreiche Konzepte entwickelt haben. Diese Schulen findet man auch in der Region. So erwähnte sie zum Beispiel die Südschule in Lemgo mit ihrem Konzept des jahrgangsübergreifenden Unterrichts. Dazu zählt auch die Kooperation zwischen Sekundarschulen und Gymnasien, z. B. in Espelkamp.
Als Beispiel für relativ fortgeschrittene Schulentwicklung nannte sie den Kreis Wesel, wo schon über 50% der Kinder gemeinsam beschult werden. Von solchen Vorreitern könnten die anderen Kreise lernen. „Der Weg hin zur inklusiven Schule mit inklusiver Pädagogik, die jedem Kind in seiner Einzigartigkeit gerecht wird und die Vielfalt wertschätzt, dieser Weg ist sehr lang“, stellte Sigrid Beer unmissverständlich klar. „Flächendeckend wird ein inklusiver Ansatz auch nicht für jede Schule sofort realisierbar sein. Wir müssen unsere Ressourcen bündeln, deshalb gibt es das Konzept der Schwerpunktschulen.“ Und trotzdem sei Inklusion ein universelles Ziel, das die gesamte Gesellschaft, alle Lebensbereiche und unser Menschenbild betreffe.
Weitere Verbesserungen im Bildungsbereich seien geplant. An vielen auch kleineren Stellschrauben werde gedreht. Aktuell arbeite die Landesregierung daran, bundesländerübergreifende Kooperationen der Berufsschulen zu ermöglichen, eine Frage, die für die Berufsausbildung im Kreis Höxter von großer Bedeutung ist. Sigrid Beer stellte zudem die großen finanziellen Anstrengungen des Landes heraus. „Es ist bundesweit einmalig, dass NRW die Lehrerstellen in diesem Umfang im System behält. Allein bis 2015 handelt es sich um fast 10 000 Stellen.“ Aber mit Stellen alleine sei es nicht getan. Es komme auch auf das Engagement vor Ort an, an den Schulen selbst, durch die Eltern und durch die Politik. „Viele Beispiele im Land zeigen, was alles möglich ist. Ich ermutige Sie: Nutzen Sie Ihre Möglichkeiten!“
Martina Fahlbusch griff diesen Gedanken auf und ergänzte: „Ich habe viel davon mitbekommen, wie über Situationen an Schulen geklagt wird. Nach dem, was Sigrid Beer uns heute erzählt hat, bleibt mir nur zu sagen: „Haben Sie den Mut zu Veränderungen und gestalten Sie Schule mit.“

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