Leserbrief zum geplanten Bereitstellungslager

Standortentscheidung in Frage stellen

„Würgassen ist der am besten geeignete Standort“ (Infobroschüre der BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung mbH)
Da ist die Frage erlaubt, für wen und warum?
Betrachtet man die nüchternen Fakten, die zu der Aussage führen, so lässt sich bei der Durchsicht der Informationsbroschüre der BGZ schnell feststellen, dass die Auswahlkriterien auf das Ergebnis ausgelegt wurden.
In den Antworten auf gestellte Fragen finden sich die eigentlichen Begründungen, die zu der Aussage führen. Einige möchte ich hier einfach mal auflisten, die mir aufgefallen sind.
1. Fehlender Platz
„Auf dem Gelände des Endlagers fehlt schlicht der Platz für ein Logistikzentrum“ so die BGZ Broschüre. Am Schacht Konrad müssten somit zusätzliche Flächen erworben und genehmigt werden. Das kostet Zeit und Geld. Lieber billig und schnell in Würgassen, statt am Schacht Konrad?
2. Sicherheit
Der Grundsatz der Minimierung der Arbeitsschritte für gefährliche Prozesse zur Erhöhung der Sicherheit wird hier nicht berücksichtigt!
Jeder Arbeitsschritt eines Prozesses ist fehlerbehaftet. Das ergibt sich allein aus der Tatsache, dass Menschen am Arbeitsschritt beteiligt sind und die menschliche Fehlerrate wissenschaftlich nachgewiesen bei einfachsten Tätigkeiten (1000 schwarze und 1000 weiße Kugeln sortieren) bei 0,2% liegt. Da es sich bei der Handhabung radioaktiver Substanzen sicher nicht um eine „einfache“ Tätigkeit handelt, liegt die Fehlerrate höher!
Wird das Zwischenlager in Würgassen errichtet, gibt es je einen Entlade- und einen Beladevorgang mehr als es bei einem LoK direkt am Schacht Konrad der Fall wäre. Bei der Verladung von 1000000 Fässern sind das also mindestens 200 auftretende Fehler bei der Entladung und nochmal 200 Fehler bei der erneuten Beladung.
Lieber billig und unsicherer in Würgassen statt sicher am Schacht Konrad!
3. Umweltbelastung und damit verbundene gesundheitliche Risiken
„Abfalltransporte stellen kein zusätzliches gesundheitliches Risiko für die Bevölkerung, das Transportpersonal oder die Umwelt dar“ so soll es eine Transportstudie Konrad 2009 belegt haben. (Broschüre der BGZ).
Durch den Standort LoK in Würgassen sind jährlich zig Tausende zusätzliche Km Wegstrecke gegenüber einem direkten Transport zum Schacht Konrad erforderlich.
Wie wir aus leidvoller Erfahrung der letzten Jahre wissen, führen die Belastungen durch Dieselfahrzeuge (LKW und Diesellok auf der Bahn) zu erheblichen Luftbelastungen (vor allem Feinstaub), die in Städten vielerorts zu Fahrverboten geführt haben. Dass die aus den zig tausenden zusätzlichen Transportkilometern resultierende Luftbelastung kein gesundheitliches Risiko und keine Belastung für die Umwelt darstellen, mag man 2009 noch gedacht haben. Heute kann man diese Ergebnisse schlichtweg als falsche Aussage bezeichnen.
Lieber billig in Würgassen anstatt umweltschonender am Schacht Konrad!
4. Faktor Zeit
Mit der Planung für das erforderliche Logistikzentrum scheint man sich Zeit gelassen zu haben. Die Entscheider stehen dadurch unter Druck, Würgassen als Lösung des Zeitproblems zu manifestieren.
„Bei Flächen im Privatbesitz hätte ein Flächenerwerb nicht in der gebotenen Eile stattfinden können“, so die BGZ in ihrer Broschüre.
Wie bereits oben erwähnt, stammt die „Transportstudie Konrad“ aus 2009.
Man hat sich also mindestens 11 Jahre Zeit gelassen um mit dem Vorschlag Würgassen zu kommen und man muss ja bereits 2023 mit dem Bau beginnen, um den Endtermin 2027 halten zu können.
Also gerade noch genug Zeit, um die Genehmigungen teilweise noch während der Bauphase durchbringen zu können. So zumindest kann man es aus der Broschüre im zeitlichen Ablauf ablesen.
Fraglich wirkt dadurch auch die Rolle der Genehmigungsbehörden. Sind Vorgaben oder Anforderungen ggf. mit daran schuld, dass die Zeit so knapp ist?
Können die Bürgerinnen und Bürger jetzt noch auf eine objektive Prüfung hoffen, wo man das Problem Zeit vielleicht als Genehmigungsbehörde selbst mit verursacht hat?
Das Vorgehen hinterlässt aus meiner Sicht, einen sehr fragwürdigen Eindruck. Aber auch hier gilt natürlich der Grundsatz: Je kürzer die Zeit zur Genehmigung umso billiger.
Lieber billig in Würgassen, als langwierig und teurer am Schacht Konrad!
Die Aussage „Würgassen ist der am besten geeignete Standort“ kann und muss in Frage gestellt werden und einige Fakten sind neu zu bewerten. Die Gewichtungen für die Sicherheit und die Umwelt müssen stärker berücksichtigt werden als Geld und Zeit.

Markus Niemann
Wehrden

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