Thüringer Verfassungsschutz hielt Informationen zurück

V-Mann soll laut MDR in Waffengeschäft verwickelt sein

Erfurt (AFP) - Der Thüringer Verfassungsschutz soll einem Bericht zufolge einen Besitzer illegaler Kriegswaffen vor Strafverfolgung geschützt haben. Der Mann habe zum fraglichen Zeitpunkt für den Geheimdienst als Spitzel gearbeitet, berichtete der Sender MDR Thüringen unter Berufung auf vertrauliche Polizei- und Verfassungsschutzakten. Demnach habe der Landesverfassungsschutz Informationen über den Waffenbesitzer nicht an die Polizei weitergegeben.

Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz in Erfurt Bild anzeigen Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz in Erfurt © AFP

Hintergrund sind laut MDR Ermittlungen der Polizei im Jahr 2003 gegen mehrere Kriminelle aus dem Raum Sonneberg. Sie standen dem Bericht zufolge im Verdacht, sich automatische Waffen besorgt zu haben. Eine Zeugin habe berichtet, dass die Männer in einer Wohnung Fotos mit ihren Waffen gemacht hätten und einer der Männer eine Maschinenpistole besitze. Eine Razzia der Polizei blieb laut MDR allerdings erfolglos.

Zu diesem Zeitpunkt lagen dem Bericht des Thüringer Landesamtes für Verfassungsschutz zufolge zwei Fotos aus der kriminellen rechtsextremen Szene in Sonneberg vor. Sie zeigten demnach einen maskierten Mann mit einer Maschinenpistole. Die Erkenntnisse habe der Verfassungsschutz an die Polizei nicht weitergegeben, obwohl der Geheimdienst gewusst habe, dass die Polizei zu den Waffen ermittelte. Außerdem habe der Verfassungsschutz nicht die Polizei darüber informiert, dass einer der Bewohner ein V-Mann gerwesen sei.

Dem Bericht zufolge kam die Polizei erst durch einen Zufall den illegalen Waffenbesitzern auf die Spur. Im Juli 2005 wurden demnach bei Umbauarbeiten in einer Diskothek in Sonneberg sechs Stangenmagazine, über 60 Schuss scharfe Munition und zwei funktionsfähige Maschinenpistolen gefunden. Bei einer der Waffen habe es sich um die Maschinenpistole von den beiden Fotos gehandelt, die dem Verfassungsschutz bereits seit 2003 vorgelegen hätten.

Als die Existenz der Waffen nicht mehr zu leugnen gewesen sei, habe der Verfassungsschutz die beiden Fotos im August 2005 der Polizei übergeben. Laut MDR räumte das Landesamt auch ein, dass einer der Tatverdächtigen ein Spitzel war.